- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.1.1: Phänomen Varusschlacht.
- 1.1.2: Archäoastronomie.
- 1.1.3: Am Rand der keltischen Welt.
- 1.1.4: Das Pferd.
- 1.1.5: Burgenarchäologie im Friaul.
- 1.1.6: Experimentelle Archäologie.
- 1.1.7: Mythos Neandertaler.
- 1.1.8: Neues aus dem Alten Ägypten.
- 1.1.9: Der Limes.
- 1.1.10: Pfahlbauten und Seeufersiedlungen.
- 1.1.11: Montanarchäologie.
- 1.1.12: Die Alamannen.
- 1.1.13: Syrien.
- 1.1.14: Musikarchäologie.
- 1.1.15: Fürstengräber.
- 1.1.16: Archäologie 2000.
- 1.1.17: Häuser im Moor.
- 1.2: Fundpunkt.
- 1.3: Nachrichten.
- 1.4: Aus der Presse.
- 1.5: TV-Programm.
- 1.6: Kalender.
- 1.1: Thema.
- 2: Guide.
- 3: Digger.
- 4: Bibliothek.
- 5: Mediathek.
- 6: Forum.
- 7: Club.
- 8: Autoren.
- 9: FAQ.
Von A bis Z

Das Pilgerzentrum von Qalaat Seman florierte bis ins 12. Jahrhundert hinein. Wie auch in Resafa, das in einem anderen Artikel in dieser Ausgabe von archaeologie-online behandelt wird, bedeutete die arabische Eroberung keineswegs das Ende der Wallfahrt. Das Umland war allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend wüst gefallen. Fast alle Orte wurden spätestens im Laufe des 8. Jahrhunderts aufgegeben. Die Gründe hierfür sind bislang nicht endgültig zu benennen. Großflächige Zerstörungen durch die arabische Eroberung im 7. Jahrhundert sind jedoch weitgehend als Ursache auszuschließen. Viel eher wird wohl das Abbrechen der Verbindungen zu den Märkten des ostmediterranen Raumes eine Rolle gespielt haben, vor allem wenn man davon ausgeht, daß der Export von Olivenöl in diesen Raum die eigentliche ökonomische Grundlage darstellte. Aber auch die Veränderung der Absatzmärkte im Nahbereich, der Bedeutungsrückgang der ehemaligen Metropolen im Umland, könnte eine Rolle gespielt haben. Nicht zu unterschätzen ist darüber hinaus die Tatsache, daß die Ölbaumkultur recht kapitalintensiv ist. Die Bäume müssen zunächst einmal etwa 15 Jahre gepflegt werden, bevor sie zum ersten Mal Erträge einbringen. Ohne eine wohlhabende Bevölkerungsschicht, die die Kultivierung auch während periodisch auftretenden Krisenzeiten fortsetzt, ist eine dauerhafte Bewirtschaftung kaum möglich. Ungeachtet der Frage, ob nun eine einzelne Ursache oder gleich ein ganzes Bündel von Gründen für das Ende der Toten Städte verantwortlich war, muß vor allem daran erinnert werden, daß es nicht selbstverständlich ist, daß dieses Gebiet überhaupt bewirtschaftet wird. Letztendlich ist die Landschaft des Kalksteinmassivs doch nur sehr eingeschränkt für die Landwirtschaft geeignet. Eine Abwanderung von Bevölkerungsteilen in das siedlungsgünstigere Umland als Mitverursacher der Verödung der Toten Städte ist deshalb ebenfalls nicht auszuschließen.
Erst in jüngster Zeit wird die Gegend um die Toten Städte zaghaft wiederbesiedelt. Den Anfang machten neue asphaltierte Straßen, die das lange nur schwer zugängliche Gebiet dem Verkehr erschlossen. Die Straßen haben die Toten Städte zwar für Touristen leichter zugänglich gemacht, andererseits hat die verbesserte Verkehrsanbindung auch negative Auswirkungen auf den Erhalt der Bausubstanz. Manches Architekturelement, das noch vor wenigen Jahren an Ort und Stelle zu besichtigen war, hat mittlerweile Verwendung bei Neubauten oder gar den Weg zum Antikenhändler gefunden.
Bei den Neuansiedlern im Gebiet der Toten Städte handelt es sich meist um Bauern kurdischer Herkunft. Nach und nach werden die Steine von den Ackerfluren geräumt. Selbst die Erde zwischen den Ruinen wird für die Landwirtschaft genutzt, wie das Beispiel des Gemüseanbaus im ehemaligen Langhaus der Basilika von Burj Haidar verdeutlicht. Den Hauptteil des Lebensunterhaltes erhoffen sich die Neusiedler jedoch von einem anderen Erzeugnis - dem Öl aus den Früchten der neu gepflanzten Olivenbäume.
Hubert Fehr
Literatur
- Hartmut Gustav Blersch. Die Säule im Weltgeviert. Der Aufstieg Simeons, des ersten Säulenheiligen (Trier 1978).
- Howard Crosby Butler, Early churches in Syria, fourth to seventh century (Amsterdam 1929).
- Christine Strube, Die "Toten Städte": Stadt und Land in Nordsyrien während der Spätantike. 2. Aufl. (Mainz 2000).
- George Tate, Les campagnes de la Syrie du Nord du IIème au VIIème siècle. Un example d'expansion démographique et économique à la fin de l'Antiquité (Paris 1992).
- Georges Tchalenko, Villages antiques de la Syrie du Nord. Le massif du Bélus a l'époque romaine. 3 Bde (Paris 1953-58).

