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Die Landesausstellung »Pompeji - Nola - Herculaneum« in Halle / Saale

19.7.2012
Ausstellungsplakat
Landesausstellung Sachsen-Anhalt
Fußabdrücke, die die flüchtenden Bewohner der bronzezeitlichen Siedlung von Nola in der Vulkanasche hinterlassen haben. Foto: Andreas Brunn
Bronzzezeitliche Fußabdrücke in Vulkanasche

Vulkanausbrüche, Erdbeben und Überschwemmungen prägen das Leben am Golf von Neapel – dennoch siedeln seit Jahrtausenden immer wieder Menschen hier. So bringt der Vesuv nicht nur Tod und Verderben, er bildet gleichzeitig die Grundlage für eine außergewöhnliche Siedlungsgunst: Die äußerst fruchtbaren Böden ermöglichten bereits früh eine intensive landwirtschaftliche Nutzung, die bis heute anhält. Den besonderen Bedingungen ist es zu verdanken, dass eine Fülle von Informationen vorliegen, die die Vielfalt und Lebenswelten der Bewohner nachvollziehen lässt.

Die Landesausstellung »Pompeji - Nola - Herculaneum. Katastrophen am Vesuv«, (08.12.2011 bis zum 26.8 2012) präsentiert das Leben am Vesuv im Spannungsfeld zwischen Wohlstand und drohendem Untergang. Die verschiedenen Katastrophen, die das Leben der Bewohner Kampaniens zwischen dem 2. Jahrtausend v. Chr. und dem 6. Jh. n .Chr. prägten, werden in der Ausstellung chronologisch gezeigt.

Der berühmteste Ausbruch des Vesuvs fand 79 n. Chr. statt und führte zur kompletten Zerstörung mehrerer römischer Siedlungen am Golf von Neapel. Die bekanntesten Städte sind sicherlich Pompeji und Herculaneum. Durch den raschen Ablauf der gewaltigen Katastrophe ist ein sehr eindrucksvolles Bild des damaligen Lebens in Kampanien erhalten geblieben. Ein gewaltiger Ausbruch hat jedoch schon um 1900 v. Chr. zur kompletten Zerstörung des bronzezeitlichen Dorfes Nola nordöstlich des Vesuv geführt. Auch die durch diese vorgeschichtliche Katastrophe verursachten Erhaltungsbedingungen sind optimal und lassen eine sehr gute Rekonstruktion der Befunde zu.

Ähnliche Zerstörungsmuster sind auch für das 5. und das 6. Jh. n. Chr. belegt, während einer erneuten aktiven Phase des Vesuvs. Das antike Theater von Nola sowie die spätantike Villa von Somma Vesuviana mit ihrer kostbare Statuenausstattung aus augusteischer Zeit wurden unter Schlammlawinen begraben. Die Tiefen unter dem Golf von Neapel gelten als besonders gefährlich: Riesige Magmablasen haben sich hier gebildet. So wurde auch die nahe gelegene griechische Siedlung von Punta Chiarito auf der vorgelagerten Insel Ischia von einer Vulkankatastrophe betroffen: dem Ausbruch des Vulkans Epomeo. Weitere Phänomene wie Überschwemmungen, Erdrutsche und Bradisismus treten seit Jahrhunderten rund um den Vesuv auf.

Trotz der ständigen Gefahr siedelten jedoch die Menschen immer wieder am Hang des Vesuvs: Ein Ausbruch vergleichbar mit demjenigen von 79 n. Chr. wird mit Sicherheit in den kommenden Jahren bis Jahrhunderten – wann genau, lässt sich nicht prognostizieren – wieder stattfinden und könnte zehn- oder sogar hunderttausende Opfer fordern.

Ausstellung

Pompeji - Nola - Herculaneum. Katastrophen am Vesuv
noch bis 26.8.2012

Landesmuseum für Vorgeschichte

Richard-Wagner-Str. 9
D-06114 Halle (Saale)

Dienstag - Freitag 9-17 Uhr
Samstag / Sonntag &
Feiertag 10-18 Uhr

www.pompeji-ausstellung.de

Ebenfalls bis zum 26.8.2012 findet im Schlosspark Dessau-Wörlitz eine Partnerausstellung statt:

»Fremde Welt ganz nah – Pompeji und Herculaneum im Gartenreich Dessau-Wörlitz«

www.gartenreich.de

Die spektakulären Grabungen in Kampanien lösten nach ihrerEntdeckung nördlich der Alpen eine wahre Antikenbegeisterung aus und waren fortan fester Bestandteil der Grand Tour, der Bildungsreise europäischer Adliger. Am 28. Februar 1766 bestiegen Fürst Franz von Anhalt-Dessau und seine Entourage den berühmten Vulkan. Während die Reisegruppe den Krater bestaunt, wird sie von einem Ausbruch überrascht. Wie sehr diese vielfältigen Erlebnisse in Kampanien nachgewirkt haben, kann heute im gesamten von ihm in Auftrag gegebenen Gartenreich Dessau-Wörlitz nachvollzogen werden: Überall sind hier Bezüge zu den Ausgrabungen von Herculaneum und Pompeji und der kampanischen Landschaft zu finden. Auch in Wand- und Deckenmalereien wurden die neu entdeckten Stätten rezipiert. Einen Höhepunkt bildet damals wie heute der auf der Felseninsel »Stein« im Wörlitzer Gartenreich funktionsfähig nachgebildete künstliche Vulkan.

Mit Johann Joachim Winkelmann, der aus Stendal stammt und Zeuge der frühen Ausgrabungen und Begleiter von Fürst Franz Anhalt-Dessau in Kampanien war, entstand schließlich eine neue Wissenschaft: die Klassische Archäologie.

Doch auch bereits Jahrhunderte vorher – vor rund 2000 Jahren – übte die römische Hochkultur eine große Faszination auf ihre nördlichen Nachbarn aus: Die Funde zahlreicher römischer Metallwaren und Prestigegüter in den Prunkgräbern germanischer Fürsten Mitteldeutschlands zeugen vom regen kulturellen Austausch und der Faszination, die das Römische Reich und seine Lebensart nördlich der Alpen hervorgerufen hat.

Entwickelt wurde die Sonderschau des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle in Kooperation mit der Soprintendenza Speciale per i Beni Archeologici di Napoli e Pompei, dem Ministero per i Beni e le Attività Culturali, dem Museo Archeologico Nazionale di Napoli und der Kulturstiftung DessauWörlitz. Die Landesausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Presidente della Repubblica Italiana, On. Dr. Giorgio Napolitano, und des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Joachim Gauck.

Publikationen

Harald Meller und Jens-Arne Dickmann (Hrsg.),
Pompeji – Nola – Herculaneum – Katastrophen am Vesuv (Hirmer Verlag, München 2011)
392 Seiten und ca. 250 Abbildungen in Farbe

Kurzführer Pompeji - Nola - Herculaneum. Katastrophen am Vesuv
Begleitheft zur Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle
Der Kurzführer umfasst 244 Seiten und kann auch online im Museumsshop erworben werden.