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Der Vesuv

19.7.2012

Der Vulkanismus in Italien

Abb. 1| Karte Kampaniens mit den geologischen Störungen und Kratern © G. Orsi u.a., aus: Facing volcanic and related hazards in the Neapolitan area (2003)
Abb. 1| Karte Kampaniens mit den geologischen Störungen und Kratern © G. Orsi u.a., aus: Facing volcanic and related hazards in the Neapolitan area (2003)

Italien ist die vulkanisch aktivste Region des europäischen Festlands. Mindestens 30 Vulkane sind in den letzten 5 Mio. Jahren immer wieder ausgebrochen, ein Dutzend davon in den vergangenen 10.000 Jahren. Neun Vulkane sind immer noch aktiv, darunter sind die Phlegräischen Felder, der Vesuv, Ischia, der Stromboli und der Ätna.

Grundsätzlich ist die Kollision der Kontinentalplatten von Afrika und Eurasien für den Vulkanismus in Italien verantwortlich. Wenn große Platten wie diese kollidieren, können sie an ihren Kanten in kleinere Fragmente zerbrechen, die sich wie Eisschollen unabhängig voneinander bewegen. So auch im Zentrum der Mittelmeers, wo drei Hauptkräfte miteinander in Konflikt geraten. Entlang des südlichen Rands der Eurasischen Platte bewegen sich diejenige mit dem Tyrrhenischen Meer nach Südosten und die kleinen Adriatischen und Apulischen Platten nach Westen. Die Afrikanische Platte hingegen schiebt sich nach Nordwesten und taucht unter Sizilien und Kalabrien ab (Subduktion). Dabei öffnet und verbreitert sich das Tyrrhenische Meer, während das Adriatische Meer gestaucht wird. Eingekeilt zwischen diesen Platten wird Italien gefaltet, gedreht und zerbrochen und die gesamte Halbinsel dreht sich gegen den Uhrzeigersinn. Obwohl sich die Platten mit wenigen Zentimetern im Jahr nur sehr langsam bewegen, führen sie seit Jahrmillionen zu großen Katastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüchen (s. Abb. 1).

Kampanien und seine Vulkane

Die bis heute andauernde Drehung der italienischen Halbinsel führte im Westen zur Dehnung und Verdünnung der Erdkruste und letztendlich zur Bildung des Tyrrhenischen Beckens vor 7–8 Mio. Jahren. Darauffolgend senkte sich auch die tyrrhenische Küste ab und die Ebene von Kampanien entstand. Die dabei hervorgerufenen tiefen Störungen und Brüche in der Erdkruste erleichterten den Aufstieg von Magma aus dem oberen Erdmantel und der tieferen Erdkruste. Entlang der Küste bildete sich dadurch eine Reihe von Vulkanen.

Die bis heute andauernde Drehung der italienischen Halbinsel führte im Westen zur Dehnung und Verdünnung der Erdkruste und letztendlich zur Bildung des Tyrrhenischen Beckens vor 7–8 Mio. Jahren. Darauffolgend senkte sich auch die tyrrhenische Küste ab und die Ebene von Kampanien entstand. Die dabei hervorgerufenen tiefen Störungen und Brüche in der Erdkruste erleichterten den Aufstieg von Magma aus dem oberen Erdmantel und der tieferen Erdkruste. Entlang der Küste bildete sich dadurch eine Reihe von Vulkanen.

Somma-Vesuv

Abb. 2| Panorama auf die Sarnoebene, im Zentrum liegt der Vulkankomplex des Vesuv. Die Ruinen des antiken Pompeji befinden sich, schwach erkennbar, unterhalb der linken Flanke des Somma-Vesuv. (Foto F. Seiler, DAI Berlin)
Abb. 2| Panorama auf die Sarnoebene, im Zentrum liegt der Vulkankomplex des Vesuv. Die Ruinen des antiken Pompeji befinden sich, schwach erkennbar, unterhalb der linken Flanke des Somma-Vesuv.  (Foto F. Seiler, DAI Berlin)
Abb.3| Wandmalerei mit Bacchus und dem Vesuv, 68-79 n. Chr. Aus Pompeji, Haus der Jahrhundertfeier
Abb.3| Wandmalerei mit Bacchus und dem Vesuv, 68-79 n. Chr. Aus Pompeji, Haus der Jahrhundertfeier .Die Wandmalerei zeigt möglicherweise die einzige Darstellung dieses Vulkans in der römischen Kunst. Die Hänge des hohen Berges sind mit Reben bedeckt; der Gott Bacchus – mit Weintrauben bekleidet – weist auf die Fruchtbarkeit des vulkanischen Bodens hin. Die Schlange und der Altar im Vordergrund stehen mit der Funktion der Malerei als Teil einer Kultnische im Zusammenhang ©

Der Vesuv gehört zu den gefährlichsten Vulkanen der Welt und liegt nur neun Kilometer von der Millionenstadt Neapel am gleichnamigen Golf entfernt. Er ist Teil eines zusammengesetzten Vulkans, bestehend aus dem älteren Vulkan Somma, dessen Gipfel zu einem Krater (Caldera) eingestürzt ist, und dem eigentlichen Vesuv, der sich als Kegel in der Caldera neu bildete. Der gesamte Komplex ist heute 1281 m hoch (s. Abb. 2).

Seit 25.000 Jahren erschüttern hoch explosive Ausbrüche des Somma-Vesuv die Region am Golf von Neapel. Sie folgen in der Regel langen Ruhephasen, die sich mit Zeiten geringerer Aktivität abwechseln. Während der Ruhephasen ist der Förderkanal des Vulkans geschlossen und aufsteigende Magma (Gesteinsschmelze) sammelt sich in einer 5–7 km tief liegenden, sich immer weiter ausdehnenden Kammer an, bis der Druckanstieg einen explosiven Ausbruch bewirkt, wie 79 n. Chr., als Pompeji und Herculaneum zerstört wurden. In Zeiten geringerer Tätigkeit fließt bei offenem Schlot Lava aus – so der Fall zwischen den weniger explosiven Eruptionen 1631 und 1944.

Seine bis heute typische Form erhielt der Vesuv bei der Eruption 79 n. Chr., als der Berg dabei geradezu in die Luft gesprengt wurde (s. Abb. 3). Innerhalb weniger Stunden begrub eine meterhohe Schicht aus Asche, Bimsstein und Schlamm die blühende Landschaft rund um den Vesuv (s. Abb. 4). Dieser Ausbruch ist der älteste von Augenzeugen dokumentierte Vulkanausbruch. Zwei Briefe, die Plinius der Jüngere 106 n. Chr. an den Historiker Tacitus schrieb, sind ein bedeutsamer und eindrücklicher Bericht über den Verlauf der Katastrophe. Plinius’ Beschreibungen lassen auf mehrere verschiedene vulkanische Prozesse während der Geschehnisse von 79 n. Chr. schließen, die durch die Untersuchungen der vulkanischen Ablagerungen in Pompeji und Herculaneum bestätigt wurden. Daher werden hoch explosive Eruptionen von der modernen Vulkanologie als »plinianisch« bezeichnet. Anhand eines Vergleichs der ausführlichen Briefe mit der Stratigraphie der vulkanischen Ablagerungen im Vesuv-Gebiet war es Vulkanologen möglich, die zeitliche Abfolge der verschiedenen Eruptionsphasen relativ genau zu rekonstruieren (s. Abb. 5).

Momentan ruht der Vesuv. Nur Erdbeben an der Erdoberfläche und Dampfwolken (Fumarolen), die an den Flanken des Vulkans und aus dem Krater aufsteigen, erinnern an die tief im Erdinnern schlummernde Gefahr. Die Dauer dieser Ruhephase lässt sich nicht annähernd bestimmen. Seit dem letzten Ausbruch 1944 sind aber bereits mehr als 60 Jahre vergangen und der Schlot ist verschlossen – ein Indiz dafür, dass bei Wiedererwachen des Vesuv mit einem explosiven Ausbruch zu rechnen ist.

Abb. 4| Ausbreitung der Aschewolke beim Ausbruch 79 n. Chr. © LDA Sachsen-Anhalt, G. Orsi
Abb. 4| Ausbreitung der Aschewolke beim Ausbruch 79 n. Chr. geht getrieben vom Nordwestwind südöstlich des Vesuvs bei Pompeji nieder. Über ein Gebiet von ca. 70 km Länge lagern sich Asche und Lapilli bis zu einer Höhe von ca. 260 cm ab © LDA Sachsen-Anhalt, G. Orsi
Abb. 5| Boccia al Mauro, Terzigno. Aufschluss eines geologischen Profils in einem aufgelassenen Steinbruch © F. Seiler
Abb. 5| Boccia al Mauro, Terzigno. Aufschluss eines geologischen Profils in einem aufgelassenen Steinbruch. Die Ablagerung der weißen Lapilli der ersten Phase der Eruption AD 79 ist an der helleren Färbung deutlich erkennbar. Durch eine dünne Ascheschicht getrennt, liegt darüber eine Lage grauer Lapilli. Darüber folgen die mächtigen Ascheablagerungen der pyroklastischen Ströme. Das Paket der Eruptionsschichten setzt sich von der braunen Schicht des römischen Ackerbodens mit Furchen von der landwirtschaftlichen Bearbeitung der Oberfläche deutlich ab. Bei den darunter liegenden Ascheablagerungen handelt es sich um proto- und prähistorischer Eruptionsphasen des Somma-Vesuv. :: Das Profil zeugt vom engen Zusammenspiel zwischen Vulkanen und Menschen seit der Vorgeschichte. Den archäologischen Schichten mit Überresten menschlicher Tätigkeit folgen mächtige Ablagerungen von Asche und Bimssteinen © F. Seiler

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  • G. Orsi – L. Civetta - M. De Lucia
    Der Somma-Vesuv: Ein Vulkan zwischen Urgeschichte und Geschichte, in: Harald Meller und Jens-Arne ­Dickmann (Hrsg.), Pompeji – Nola – Herculaneum – Katastrophen am Vesuv (München 2011) 24-35.
  • M. Barth
    Der Ausbruch des Vesuv 79 n. Chr., Chronologie einer Katastrophe, in: Harald Meller und Jens-Arne ­Dickmann (Hrsg.), Pompeji – Nola – Herculaneum – Katastrophen am Vesuv (München 2011) 73-81.