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In Wasser, Torf und Mudde: Das Moordorf von Reute

2.5.2001
Die Befunde liegen unmittelbar unter der Grasnarbe. (Foto: Landesdenkmalmt Baden-Württemberg)
Die Befunde liegen unmittelbar unter der Grasnarbe. (Foto: Landesdenkmalmt Baden-Württemberg)

Unweit der Stadt Bad Waldsee, inmitten des oberschwäbischen Hügellandes, liegt die Ortschaft Reute und das Schorrenried. 1934 stießen hier Arbeiter auf Knochen und Tonscherben, die der Dorfschullehrer als steinzeitliche Funde identifizierte. Schon bald nach einer kleinen, von Oskar Paret geleiteten Nachgrabung geriet das Schorrenried wieder in Vergessenheit.

Erst ein halbes Jahrhundert später nahmen Archäologen des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg den Faden der Forschung in dem kleinen Ried wieder auf - und stießen auf erstaunliches: Teilweise unmittelbar unter der Oberfläche lagen Befunde, wie man sie seit den großen Ausgrabungen im Federseeried der 20er und 30er Jahre nicht mehr hatte dokumentieren können. Im Moor versunken, in Torf und Mudde erstaunlich lebendig geblieben waren Zeugnisse des gesamten Alltagslebens steinzeitlicher Waldbauern - vom Stampflehmboden bis zum Getreidekorn, von der Steinaxt zum kompletten Geschirrsatz. Wie die Dendrodaten der Bauhölzer verraten, war das Dorf bald nach seiner Errichtung ab dem Jahr 3738 wieder verlassen worden: eine Momentaufnahme also, ein Schlaglicht auf Umwelt, Wirtschaft und Technologie des 4. vorchristlichen Jahrtausends.

Glücksfall im Moor: Ein fast komplett erhaltener Hausfußboden. (Foto: Landesdenkmalmt Baden-Württemberg)
Glücksfall im Moor: Ein fast komplett erhaltener Hausfußboden. (Foto: Landesdenkmalmt Baden-Württemberg)

Wie Bohrungen und Aufschlüsse zeigen, handelte es sich bei den heutigen Riedflächen, in denen die Fundstelle liegt, ursprünglich um ein offenes, glaziales Gewässer; die Siedlung lag auf einer bereits vertorften Landzunge. Siedlungsreste lagen sowohl auf diesem Torfhorst als auch in den seewärts angrenzenden Seeablagerungen.

Die auch heute noch mit Grundwasser gesättigten, etwas tiefer liegenden ehemaligen Randbereiche der Siedlung enthielten noch Reste von insgesamt zehn Gebäuden. Wir wissen deshalb einiges über die Bauweise und Größe der Häuser: Das am weitestgehenden erhaltene Gebäude weist einen Grundriß von 4m auf 6m auf, war ebenerdig, direkt auf Torf gebaut und nach OSO orientiert. Das Haus war rechteckig und hatte wohl ein Satteldach. Deneben gab es am nördlichen Siedlungsrand wohl auch vom Untergrund abgehobene "Pfahlbauten" - offenkundig der Speicherhaltung und anderen Sonderfunktionen vorbehaltene Gebäude. Insgesamt konnten 31 Gebäudeeinheiten nachgewiesen werden.