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Das Alte Ägypten und der Fluss -

wie der Nil die Entwicklung der Hochkultur beeinflusste

20.8.2001

Einleitung

Afrika (Quelle: imap)
Afrika (Quelle: imap)

Seit dem Abklingen der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren wird Afrika von einer tiefgehenden Austrocknung überzogen, die die Nordhälfte des Kontinents bereits fast völlig erfaßt hat. Heute, am Beginn des 3. Jahrtausends n.Chr., rechnen der Südwesten Ägyptens sowie der anschließende Nordteil des Sudans zu den wasserärmsten Regionen der Erde. Das überregionale Verschwinden lebensfreundlicher Feuchtareale sowie die hiermit verbundene Ausbreitung lebensbedrohender Desertifikation nötigt den Menschen immer wieder, bewährte Existenzstrategien zu überdenken, zu ändern oder gar zu verwerfen, um alternative Lebensweisen zu entwickeln, an die er die Hoffnung der Erhaltung des gesellschaftlichen und kulturellen Status quo, des familiären Bestandes oder auch nur des einfachen Überlebens knüpft. Die Geschichte des Menschen in Nordafrika wird beherrscht von der intensiven Auseinandersetzung mit dieser Problematik. Das dichte Spannungsfeld, das sich hier zwischen dem Menschen und seiner von Aridisierung und Desertifikation heimgesuchten Umwelt aufbaut, ist das zentrale Thema des Sonderforschungsbereiches 389 der Universität zu Köln "Kultur- und Landschaftswandel im ariden Afrika". Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen gehen hier Fragestellungen nach, mit denen die Ursächlichkeit und der Verlauf der klimatischen Prozesse geklärt und die menschliche Reaktion hierauf erfaßt werden kann.

Saqqara, Unas-Taltempel und Pyramide des Djoser (Photo: Wolfgang Decker)
Saqqara, Unas-Taltempel und Pyramide des Djoser (Photo: Wolfgang Decker)

In Nordafrika nimmt die ägyptische Niltaloase eine Sonderstellung ein. Der Mensch nutzt sie ab ca. 3000 v.Chr. nicht nur als "bloßen" Lebensraum, sondern entwickelt eine Kultur, deren Denkmäler einen in der Menschheitsgeschichte außergewöhnlichen Reichtum in materieller wie ideeller Hinsicht repräsentieren. Die besondere Stellung der Altägyptischen Kultur inmitten einer ariden Umwelt wirft Fragen nach den Gründen ihrer Entstehung sowie ihres bemerkenswert langen Fortbestehens auf. Warum z.B. entsteht die Kultur zu einem Zeitpunkt vor etwa 5000 Jahren? Warum entsteht sie gerade am Unterlauf des Nils? Warum kommt es überhaupt zu ihrer Geburt? Wir sind heute weit davon entfernt, alle Aspekte solch grundsätzlicher Fragen beleuchten oder gar endgültige Antworten liefern zu können. Doch ermöglicht die Untersuchung des Verhältnisses zwischen dem Umweltraum des Niltals und dem Menschen, der ihn besetzt, neue Einsichten.

Die ägyptische Niltaloase (Quelle: NASA)
Die ägyptische Niltaloase (Quelle: NASA)

Der landschaftliche Kernbereich der Altägyptischen Kultur ist in dem von regelmäßigen Wasserzuflüssen gespeisten Landstrich zu sehen, den der Nil in seinen unteren Verläufen ab 24°N aus den Wüsten Nordafrikas ausgrenzt. Bis zur Mittelmeerküste entwickelt der Strom eine gigantische Oase, die in alter Zeit keineswegs jenes weitgehend gleichmäßige Landschaftsbild aufweist, das sich dem heutigen Besucher aufgrund der veränderten Wasserlaufsituation sowie des Einsatzes moderner Agrartechnologien bietet. Die Sonderstellung des Landes in der Antike gründet im wesentlichen auf der Überschwemmungssystematik des Nils. Die Zuflüsse des "Weißen Nils", gespeist durch regelmäßige Niederschläge in Zentralafrika, garantieren die jährliche Konstanz des Wasserflusses. Die kurzzeitigen Monsunregen, die in den Sommermonaten im Hochland Äthiopiens niedergehen, gelangen über den "Blauen Nil" sowie den Atbara in die Wasserlaufsystematik und führen zu einem starken zwischenzeitlichen Anstieg des Nilpegels. Für die Dauer von etwa drei bis vier Monaten, im Regelfall Ende Juli bis Ende Oktober unseres Kalenders, verwandelt sich das Bild des ägyptischen Niltals von einer Fluß- in eine Seenlandschaft. Infolge der Errichtung großer Staudämme und umfangreicher Kanalisierungen haben sich diese Verhältnisse vor allem mit Beginn des 20. Jahrhunderts grundlegend verändert.