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Ex oriente lux ?. Aulos und Leier im prähistorischen Spanien

von Sabine Schuster - 24.10.2000

Spanische Doppelauloi sind durchweg aus ikonographischen Quellen bekannt. Zum einen sind dies Darstellungen auf iberischer, figural verzierter Keramik, zum anderen sind es Terrakotten von Aulosspielerinnen (Schuster 1993). Sie datieren in die zweite Hälfte des 1. Jahrtausends v.Chr., einen Zeitabschnitt, in dem im Bereich der Ostküste, neben den fremden ostmediterranen und wohl auch etruskischen Einflüssen, die ältere Tradition des spätbronzezeitlichen „orientalisierenden Stils“ Westandalusiens und der Extremadura nachwirkten (Almagro Gorbea 1977). Nach den wenigen bislang bekannten Abbildungen zu schließen, wurde der Aulos auch in Spanien vielfältig eingesetzt: Solistisch gespielt, zur Tanzbegleitung, im Zusammenspiel mit Trompete, Leier und Aulos, und offensichtlich auch im militärischen Bereich - letztlich im gleichen Kontext wie in den als „Vermittler“ postulierten Kulturen des östlichen Mittelmeeraumes.

Iberische Vasenmalerei mit szenischer Darstellung von Musikanten mit Leier und Aulos (El Cigarralejo, 4. Jh. v.Chr.)
Iberische Vasenmalerei mit szenischer Darstellung von Musikanten mit Leier und Aulos (El Cigarralejo, 4. Jh. v.Chr.)

Für die Spielweise des Doppelaulos postuliert man eine melodieführende Spielflöte, die durch einen tiefen Dauerton (Bordun) oder wenige einzelne Töne der zweiten Flöte begleitet wird (Wegner 1949). Die von Griechen und Römern mitunter verwendete Mundbinde, die Phorbeia (lat. capistrum), die das Spielen erleichtern und einer „Entstellung“ des Gesichts entgegenwirken sollte, fehlt bei den spanischen Darstellungen.

Über das lebendige Musikbrauchtum sagen diese Zeugnisse freilich wenig aus. - Wurden mit dem neuen Instrument auch die Kenntnisse von Bau, Akustik und Spielweise übernommen? In welchem Kontext wurde es gespielt, und von wem? Hier sind viele Antworten denkbar - nachweisbar ist keine. Nur eines läßt sich mit großer Sicherheit sagen: Der Aulos war ein Instrument mit primär schrillem und scharfem Ton, das als orgiastisch galt. Es war laut und erklang zweistimmig (Thiemer 1979), ein Instrument für besinnliche oder romantische Stunden war es gewiß nicht.

Als Herkunftsregion des antiken Doppelaulos gilt heute Kleinasien (Thiemer 1979). Fraglich ist jedoch, ob bei simplen Konstruktionen wie Schwirrhölzern, Flöten und eben diesen einfachen Oboeninstrumenten überhaupt von einem einzigen Entstehungszentrum ausgegangen werden muß, oder ob man nicht eher voneinander unabhängige Entwicklungen in verschiedenen Regionen / Kulturen postulieren soll. Auch den griechischen und etruskischen Instrumenten schreibt man einen kleinasiatischen Ursprung zu, obwohl man annimmt, daß es durchaus schon vor Einführung des Doppelaulos einheimische einfache (nicht in der Zweizahl gespielte) Oboeninstrumente gegeben hat. In Spanien wird der Doppelaulos nahezu zeitgleich mit seinem Auftreten im antiken Hellas (ca. 700 v.Chr.) faßbar. Nach momentanem Quellenstand kennt man weder mögliche einheimische Vorläufer dieser Instrumente, noch ist ein Nachleben des Typs im Detail nachvollziehbar, obwohl Doppelrohrblattinstrumente (nicht in Zweizahl gespielt) ein verbreitetes Element in der Volksmusik der zirkummediterranen Region sind und in großer Vielfalt gebaut werden.