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Einführung in die Montanarchäologie.

von Gerd Weisgerber - 1.3.2001

Typischer Querschnitt einer klassisch antiken Strecke in Laurion mit einer Abbautasche und schönen Arbeitsspuren, auf der Sohle Sinter. (Foto:G. Weisgerber)
Typischer Querschnitt einer klassisch antiken Strecke in Laurion mit einer Abbautasche und schönen Arbeitsspuren, auf der Sohle Sinter. (Foto:G. Weisgerber)

Silber
Obwohl seit dem 5. Jtd. im Orient stark benutzt, haben Fragen zur Herkunft des Metalls noch nicht die ihnen zukommende Bedeutung erfahren. Montanarchäologisch und archäometallurgisch wurden aber Silberbergwerke bereits für das 3. Jtd. auf der Insel Sifnos in der Ägäis belegt, zusammen mit dem Kupellationsprozeß zur Gewinnung des Silbers aus dem Blei (Wagner et al. 1985). Dieser Prozess war im Iran aber mindestens seit dem 4. Jtd. bekannt. Besser beschrieben sind die Bergwerke des 2. Jtds. und der klassischen griechischen Zeit von Thasos (Wagner et al. 1988) und Laurion in Attika (Conophagos). Für das Mittelmeer wurden der Bergbau mit seiner Siedlung auf dem Altenberg bei Müsen im Siegerland untersucht (Dahm et al. 1998). Ähnliche Forschungen fanden auf dem Treppenhauer in Sachsen statt (Schwabenicky 1988).

Gold
Da Gold fast zeitgleich mit Kupfer archäologisch um 4000 v.Chr. deutlich an Bedeutung gewinnt, ist man geneigt, darin eine Beziehung zwischen sich entwickelnden montanistischen Tätigkeiten und einer Veränderung der Gesellschaftsstruktur zu sehen. Die Gräber von Varna an der Schwarzmeerküste enthalten neben Spitzenerzeugnissen der Feuersteinnutzung viel Kupfer und Gold. Geräte mit symbolischer Bedeutung (Zepter) weisen eine Elite aus. Ähnlich verhält es sich in Anatolien im 4. Jtd. und in Mesopotamien im 3. Jtd., wo die "Königsgräber" von Ur eine Elite ausweisen, die ihre Luxusgüter oft von weither bezog, etwa Lapislazuli aus Nordafghanistan.

In einer großen Förderstrecke des römischen Goldbergwerks von Três Minas in Portugal wurde aus verbrauchten Pochwannen der Grob-Aufbereitung ein Sicherheitspfeiler aufgeführt. (Foto:G. Weisgerber)
In einer großen Förderstrecke des römischen Goldbergwerks von Três Minas in Portugal wurde aus verbrauchten Pochwannen der Grob-Aufbereitung ein Sicherheitspfeiler aufgeführt. (Foto:G. Weisgerber)

Allerdings gibt es kaum montanarchäologisch untersuchte Goldbergwerke. Zwar wird landläufig angenommen, dass dem Tiefbau auf Gold das Waschen des Edelmetalls aus alluvialen Lagerstätten in Seifen vorausging, aber auch dazu fehlen die Belege. Immerhin wurden bronzezeitliches Goldwaschen für Böhmen nachgewiesen (Kudrnác 1977). Umfangreichen Goldbergbau betrieben die Ägypter (Klemm 1993). Als sensationell müssen die jüngst freigelegten keltischen Goldbergbaue in Südfrankreich angesehen werden (Cauuet 1994). Die gewaltigsten Goldbergbaue fanden zur Römerzeit auf der Iberischen Halbinsel statt (Domergue 1987).

Eisen
Wenn auch durch archäometallurgische Untersuchungen an Fundobjekten der Beginn der Eisenerzeugung in Anatolien bereits bis ins 3. Jtd. v.Chr. vorverlegt werden konnte (Yalçin 1999), so bleibt die bedauerliche Tatsache, dass Untersuchungen von bergbaulichen Zeugnissen des Eisenerzbergbaus sehr spärlich sind. Im Tagebau der Grube Staszic in Rudki in Polen wurde ein germanischer Tiefbau mit gut erhaltenem Holzausbau entdeckt, der in die Kaiserzeit datiert, eine Zeit in der auch die Siedlung unterhalb des Bergwerks bestanden hat (Bielenin 1978).

Im nördlichen und östlichen Mitteleuropa wurden zur gleichen Zeit verschiedene Eisenerze in sog. eingetieften Rennöfen verhüttet. Diese Hüttenplätze mit jeweils vielfachen Ofenstandorten gibt es in sehr großer Zahl (Bielenin 1978, Jöns 1997). Im Westen waren die keltischen Schmelzöfen im Siegerland in die Hänge von Oberläufen kleiner Bäche gebaut worden. Nach den Anstrengungen der 1930 Jahre stehen hier aber eingehende Untersuchungen noch aus. Neuerdings konnten auch in Süddeutschland keltische Rennöfen ausgegraben werden (Gassmann 1996).

Salz
Bereits seit dem Neolithikum wird Speisesalz aus Sole versotten. Auch während der Bronzezeit, verstärkt aber in der Eisenzeit findet das Versieden salzhaltiger Quellwässer an zahlreichen Stellen Europas von der Nordseeküste bis zum Schwarzen Meer statt. In Deutschland wurde spätbronze-/eisenzeitliches Salzsieden besonders im Gebiet um Halle untersucht (Riehm 1969). Zuletzt fanden Forschungen in Bad Nauheim statt, wo die Kelten eine industrielle Salzproduktion betrieben (Vogt 1996).

Wenn auch bereits in der Spätbronzezeit in Hallstatt beginnend, gewann die bergmännische Gewinnung von Steinsalz aus den Salzstöcken von Hallstatt und Hallein ihre große Bedeutung in der Eisenzeit. Für die Montanarchäologie sind die dortigen Forschungen von nicht zu überschätzender exemplarischer Bedeutung, weil an beiden Revieren die Forschungen bereits sehr lange laufen und dadurch Informationen gewonnen werden konnten, welche für die meisten Metallerz-Reviere noch lange ausstehen werden. Das gilt besonders wegen der exzeptionellen Erhaltungsbedingungen für organische Stoffe, wegen der weit über den Bergbau hinaus möglichen Beobachtung bergmännischer Infrastruktur (Siedlungen), Arbeitsverfassung (z.B. Kinderarbeit), Kultgebräuche und gesellschaftlicher Organisation (Gräberfelder, Gesundheitszustand) und dem Anschluss an internationale Handelsströme (Vermarktung des Produkts Salz). Beiden Revieren hat der Salzbergbau über Jahrhunderte Wohlstand beschert.

Die Bergtechnik kann in beiden Revieren gut rekonstruiert werden, zumal die zur Anwendung gekommenen Gezähe vollständig überliefert sind. Seit der Bronzezeit ist eine fortschreitende Anpassung an die Lagerstätte zu bemerken. Waren es noch in der beginnenden Spätbronzezeit primär söhliger Vortrieb in schrägen bzw. schachtartigen Gesenken, so wurde der Bergbau mit der Hallstattzeit raumgreifender und der Lagerstätte angepaßt. In den größeren Hallen wurde im Firsten-Stoß-Abbau reines Kernsalz in großen Blöcken (herzförmige Abbaufiguren) gewonnen, während das tonige Haselgebirge bzw. das unrentable kleine Salz meist in den Abbauhohlräumen verblieben. Mit der Frühlatènezeit wurde dieser Bergbau noch raumgreifender und beinahe "industriell" - beobachtet in einer Reihe gleichzeitig betriebener Abbaureviere am Dürrnberg bei Hallein. Erstmals ist hier ein flächiger Überfahrungsbergbau nachgewiesen, der zu "Aussalzung" der reichen Kernsalzschichten aus dem umgebenden Haselgebirge führte, fallweise in mehreren Etagen (Stöllner 1996).