11.02.2012 - 06:38:37

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Bronzezeitlicher Kupferbergbau in Tirol.

von Gert Goldenberg - 1.3.2001

5. Die Kupferproduktion im Wandel der Zeit

Bereits in frühbronzezeitlichen Siedlungen im Unterinntal wurden Fahlerze, vermutlich gemeinsam mit oxidisch/karbonatischen Sekundärmineralen (Malachit, Azurit u.a.), zur Kupfergewinnung herangezogen (10). Neben entsprechenden archäologischen Befunden weisen hierauf auch Metallanalysen an Barren und Fertigprodukten aus dem Süddeutschen Raum hin. Im Laufe der Mittleren Bronzezeit gelang es den Hüttenleuten offensichtlich, die schwieriger aufzuschließenden Kupferkieserze, die in großer Menge und Verbreitung zur Verfügung standen, in großem Maßstab zu nutzen, womit ein Ansturm auf entsprechende Lagerstätten einsetzte, zu denen auch die Vorkommen am Mitterberg und im Raum Kitzbühel (Kelchalm, Jochberg u.a.) gehören. Hieraus entwickelte sich rasch eine umfangreiche Metallproduktion mit frühindustriellem Charakter, von der heute vor allem die unzähligen Schlackenplätze im Ost- und Südalpenraum zeugen.

Etwa in der Mitte des 12. Jhs. v. Chr., am Übergang von Hallstatt A1 zu Hallstatt A2, vollzog sich ein markanter Wechsel in der Zusammensetzung der in Mitteleuropa verwendeten Bronze, der durch Serienanalysen an Fertigprodukten von verschiedenen Bearbeitern nachgewiesen ist (11). Die Verwendung eines an Spurenelementen relativ armen Kupfers, wie es bei der Verhüttung von Kupferkies zu erwarten ist, wird zu diesem Zeitpunkt von einer Kupfersorte des Types "Fahlerzmetall" abgelöst. Dieses Material mit deutlich höheren Gehalten an Antimon, Arsen und Silber erlangt in kurzer Zeit eine Vormachtstellung auf dem Metallmarkt vor allem des südlichen Mitteleuropas, mit Auswirkungen bis in den skandinavischen Raum.

Keramikfunde (Hüttenplatz bei Radfeld, SB). (Foto: G. Goldenberg)
Keramikfunde (Hüttenplatz bei Radfeld, SB). (Foto: G. Goldenberg)
Durch Kupfer grün verfärbte Tierknochen (Speiseabfälle) aus einer Schlackensandhalde (Hüttenplatz bei Radfeld, SB). (Foto: G. Goldenberg)
Durch Kupfer grün verfärbte Tierknochen (Speiseabfälle) aus einer Schlackensandhalde (Hüttenplatz bei Radfeld, SB). (Foto: G. Goldenberg)

Im Zusammenhang mit diesem Wandel in der Metallzusammensetzung könnte den Lagerstätten von Schwaz/Brixlegg im Unterinntal eine Schlüsselrolle zukommen, liegen doch hier die größten Fahlerzvorkommen des Alpenraumes vor. Unterstützt wird dieser Gedanke von den mittlerweile in großer Zahl vorliegenden archäologischen Befunden, die gerade für diese Zeit einen sehr umfangreichen Fahlerzbergbau belegen. Zieht man eine monopolistisch strukturierte, großangelegte Kupferproduktion aus Fahlerzen in der Späten Bronzezeit im Unterinntal in Erwägung, so könnte das Ergebnis den Druck auf den mitteleuropäischen Metallmarkt erklärbar machen. In der Folge müssten vorangegangene Bergbaubezirke, wie der Mitterberg oder der Kitzbüheler Raum, in ihrer Bedeutung stark zurückgedrängt worden sein. Um dies auch aus archäologischer Sicht zu belegen, fehlen aus den betroffenen Revieren allerdings noch genauere Datierungen.

Ob der Wechsel zu den Fahlerzen als hauptsächlicher Rohstoff für die Kupfergewinnung auf technische Errungenschaften im Bereich des Bergbau- und Hüttenwesens zurückzuführen ist, die eine kostengünstigere Produktion ermöglichten, auf besondere Materialeigenschaften des "Fahlerzmetalls" oder auf die Herausbildung neuer Gesellschafts- und Machtstrukturen, bleibt vorerst offen und den Ergebnissen zukünftiger Forschungen vorbehalten.