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Von A bis Z

Bronze-Erz-Bergbau in Muschiston, Tadschikistan

- Muschiston. Blick auf die Lagerstätte. Unten rechts liegt auf 2650 m ü.d.M. das aufgelassene Geologen-Lager, das uns als Unterkunft diente. Die Bergbausymbole markieren rezente Stolleneingänge. Auf ca. 3000 m ü.d.M., bei den zwei oberen Symbolen, befinden sich die bronzezeitlichen Gruben. (Foto: J. Cierny)
Da es kein Erz gibt, das Bronze heißt, ist die Überschrift aus mineralogischer Sicht nicht korrekt. Weiter unten wird jedoch erklärt, wie es zum Gebrauch dieses Terminus gekommen ist.
Bei dem o.g., im Jahre 1992 geführten Besuch in Mittelasien, wurde von Geologen in Pendjikent Prof. Weisgerber und dem Autor u.a. ein Handstück gezeigt, das Kupfer und Zinn enthalten sollte. Es bestand aus Stannit (Cu2FeSnS4) und aus zwei uns bis dahin unbekannten Mineralen, Varlamoffit (Sn,Fe)(O,OH)2 und Muschistonit (Cu,Zn,Fe)Sn(OH)6, das erst 1984 auf der namensgebenden Lagerstätte entdeckt worden war. Wir kamen zu einer hypothetischen Schlußfolgerung, dass dieses Erz, ins Feuer geworfen, Bronze liefern müsste (Cierny 1995). Diese Annahme hat sich im Sommer 1999 bestätigt, als in Freiberg, am Lehrstuhl für Archäometallurgie, J. Lutz und H. Herdits im Schmelzexperiment an Muschiston-Erzen einen Bronzeregulus produzierten.
Die Lagerstätte von Muschiston liegt in NW-Tadschikistan, südlich des Zeravschan-Tals auf 3000 m ü.d.M. Die hydrothermalen Erzgänge sind zwischen devonischen Kalken und Schiefern eingebettet. Sie streichen mit 310° und fallen mit 50-80° nach W ein. In der Oxidationszone sind neben dem Primärerz Stannit noch Malachit, Azurit, Kassiterit, Varlamoffit und Muschistonit zu finden. Die Zinngehalte können, je nach Probe, bis zu 30% betragen, die des Kupfers bis zu 50%. Das grüne und gelb-olive Erz war für die bronzezeitlichen Prospektoren im Gelände gut sichtbar.
Die alten Gruben wurden von den sowjetischen Geologen beim Aufschließen der Lagerstätte angeschnitten. Sie wurden sowohl im Hang, wie auch untertage im rezenten Stollen Nr. 3 lokalisiert. Bis Ende 1999 haben wir mit Hilfe unseres tadschikischen Vorarbeiters Abdu Chalim, der früher hier gearbeitet hat, 11 alte Grubenbaue dokumentieren können. Da die alten Stollen und Weitungen im Stollen 3 noch im 4. Querschlag zu finden sind, reichen sie 80 m tief in den Berg hinein!
Man fand mehr als 20 Steinschlägel, viele Tierknochen und wenige, jedoch typische Scherben der Andronovo-Kultur. Mehrere noch erhaltene Holzstämme dienten als Ausbau, eine Besonderheit, die äußerst selten in vorgeschichtlichen Gruben nachzuweisen ist. Die Radiokarbonanalyse mehrerer Proben bestätigt die bronzezeitliche Datierung (2100 - 1000 v.Chr.).
An einem Felssporn, 250-300 m südwestlich des Bergbaureviers, fand unser tadschikischer Kollege Prof. Jakubov mehrere verzierte bronzezeitliche Scherben. Die dünne Kulturschicht an dieser Stelle war leider durch moderne Eingriffe zerstört. Wegen einer in unmittelbarer Nähe gelegenen Wasserquelle diente dieser Platz den Andronovo-Bergleuten zumindest als Sommerlager.

