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Prähistorischer Bergbau auf Zinn und »Bronze« in Mittelasien.

von Jan Cierny - 1.3.2001

Prähistorischer Zinnbergbau in Mittelasien

Karnab, Pingengruppe 5. Zwei erzführende Quarzgänge wurden vollständig von den alten Bergleuten abgebaut. (Foto: J. Cierny)
Karnab, Pingengruppe 5. Zwei erzführende Quarzgänge wurden vollständig von den alten Bergleuten abgebaut. (Foto: J. Cierny)
Karnab, Pinge 5, Quadrant II. Die Ausgrabung der steil einfallenden Gruben gestalltete sich nicht einfach. Nach dem Erreichen des Grunwasserspiegels in 9,5 m Teufe wurden die Arbeiten hier eingestellt. (Foto: J. Cierny)
Karnab, Pinge 5, Quadrant II. Die Ausgrabung der steil einfallenden Gruben gestalltete sich nicht einfach. Nach dem Erreichen des Grunwasserspiegels in 9,5 m Teufe wurden die Arbeiten hier eingestellt. (Foto: J. Cierny)
Karnab, Gr. 6, Pinge 1. Diese Pinge war 17 m tief und bestand aus mehreren Teilsohlen. Zwischen zwei Durchhieben (markiert mit X) ist eine der Bergfesten zu sehen. (Foto: J. Cierny)
Karnab, Gr. 6, Pinge 1. Diese Pinge war 17 m tief und bestand aus mehreren Teilsohlen. Zwischen zwei Durchhieben (markiert mit X) ist eine der Bergfesten zu sehen. (Foto: J. Cierny)
Karnab, Pingengruppe 6, Pinge 1 (Bildmitte, links). Im Vordergrund liegt ein Teil der mehreren Hundert steinernen Gezähe. (Foto: J. Cierny)
Karnab, Pingengruppe 6, Pinge 1 (Bildmitte, links). Im Vordergrund liegt ein Teil der mehreren Hundert steinernen Gezähe. (Foto: J. Cierny)

Zinnerze aus Karnab, Usbekistan

Das Dorf Karnab befindet sich etwa auf der halben Strecke zwischen Samarkand und Buchara, südöstlich der Stadt Navoi. In der Nähe von Karnab und 15 km östlich davon, in Lapas, wie auch in Cangali (80 km östlich von Karnab), wurde von uns prähistorischer Bergbau untersucht und dokumentiert. Die Ergebnisse aus Karnab sollen an dieser Stelle näher vorgestellt werden. Das Bergbaurevier liegt 2,5 km nordöstlich des Dorfes in einer flachhügeligen, halbwüstenhaften Landschaft. Der Bereich mit alten Gruben erstreckt sich über ein Areal von 1500 m Länge und 500 m Breite auf einer Meereshöhe von ca. 450-500 m.

Die zinnführenden Quarzgänge der Lagerstätte liegen in der Kontaktzone zwischen einer Granitintrusion und devonischen Kalken. Die Erzgänge streichen in etwa in Ost-West-Richtung und fallen sehr steil ein (70-80°). Ihre Mächtigkeit schwankt zwischen einigen Zentimetern bis zu einem Meter. Das darin feinverteilte Mineral Kassiterit (SnO2) ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Laut Analysen beträgt der Zinngehalt der nicht abgebauten Erzgänge nicht mehr als 2%.

Bei Prospektionsarbeiten in den 40er Jahren hatten Geologen etwa 20 Gruppen mit alten Pingen kartiert, die Litvinskij z.T. gesehen hatte. Unsere Grabungsarbeiten konzentrierten sich auf Objekte der Gruppen 3, 5 und 6, weil sich hier noch gut sichtbare Bergbaureste befanden. Leider wurden viele der prähistorischen Objekte durch den Abraum des Bergbaus der 50er Jahre und durch geologische Prospektionsarbeiten der 80er Jahren verschüttet.

Die Baue der Gruppe 5 liegen im Westen des Reviers. Hier verlaufen mehrere lange Pingen, die zwar kaum an der Oberfläche sichtbar sind, aber durch die sie quer schneidenden rezenten geologischen Prospektionsgräben im Gelände gut verfolgt werden können. 1999 wurde an zwei Stellen eine geomagnetische Prospektion durchgeführt. Aufgrund der erstellten Pläne konnte der Verlauf zweier Pingen unter der Oberfläche bestimmt und diese gezielt ausgegraben werden. Die beiden Pingen wurden auf über 40 m Länge freigelegt. In diesem Bereich waren die erzführenden Gänge von den alten Bergleuten fast vollständig abgebaut worden. Nur an einigen Stellen blieben sog. Bergfesten aus Stabilitätsgründen stehen. An mehreren Stellen wurde die Sohle der Gruben erreicht. Tieferliegende Sohlen lagen ab 9,5 m Teufe im Grundwasserbereich, so daß die Grabungsarbeiten hier eingestellt werden mußten. An Funden kamen ans Tageslicht Keramikscherben, Tierknochen und mehrere Tausend (!) Steingezähe (Hämmer, Hacken, Klopfsteine). Zuletzt kam in Form eines steinernen Zepters ein gut datierender Fund der späten Bronzezeit zu Tage (Boroffka/Sava 1998).

Im Osten des Reviers wurde in der Gruppe 6 eine weitere Pinge vollständig ausgegraben. Die dabei erreichte Teufe betrug 17 m. Hier fanden sich neben datierbaren Scherben (Andronovo-Kultur, SBZ) wiederum mehrere Hundert Steingeräte. Diese Pinge war im Gegensatz zu denen aus der Gruppe 5 sehr schmal. Die Bergfesten dienten nicht nur der Stabilität, sie eigneten sich auch gut zur Grubenbefahrung. Im Übergangsbereich von der zweiten zu den tieferen Sohlen konnten deutliche Schleifspuren mittig in der Sohle beobachtet werden, die einen sicheren Hinweis auf Seilförderung und -fahrung darstellen.

Während der letzten Kampagne konnte auch eine bronzezeitliche Siedlung der Karnab-Bergleute ausgegraben werden, die 1,5 km nordwestlich des Bergreviers lag. Keramikscherben, Steinschlägel und Erzbrocken mit hohem Zinngehalt belegen die zeitliche Einordnung und den Zusammenhang mit den Bergbauaktivitäten.

Holzkohleproben aus dem Bergbau und der Siedlung ergaben ein 14C-Alter zwischen 1700 und 800 Jahren v.Chr.