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Prähistorischer Bergbau auf Zinn und »Bronze« in Mittelasien.

von Jan Cierny - 1.3.2001

Der Alte Orient und die Zinnbronze

Seit der Mitte des 3. Jtds. v.Chr. bestehen Metallfunde in Mesopotamien immer häufiger aus Zinnbronze. Das Kupfer, als ein Bestandteil dieser Legierung, könnte aus dem Kaukasus, Anatolien, Iran und Oman importiert worden sein, wobei Oman mittlerweile durch archäologische (Weisgerber 1981; 1991; Dercksen 1996) und analytische (Prange 1998) Arbeiten als Kupferlieferant nachgewiesen werden konnte.

Zur zweiten Komponente der Bronze, dem Zinn, fehlt es aber an entsprechenden Belegen zu seiner Herkunft. Zinnlagerstätten sind im großen Umkreis um Mesopotamien nicht vorhanden.

Karte von Eurasien: Im Süden des Verbreitungsgebietes der Andronovo-Kultur wurde an zwei Stellen bronzezeitlicher Bergbau auf Zinnerz ausgegraben (Nr. 1 und 2). Der Umfang des Abbaus in diesen Revieren und ihre Lage an den alten Verbindungswegen zu Südturkmenistan, Iran und Mesopotamien macht sie zu möglichen Lieferanten der frühstädtischen Kulturen. An anderen Zinnlagerstätten (schwarze Punkte) wurden bis jetzt keine prähistorischen Abbauaktivitäten des 3. oder 2. Jtds. v.Chr. festgestellt.
Karte von Eurasien: Im Süden des Verbreitungsgebietes der Andronovo-Kultur wurde an zwei Stellen bronzezeitlicher Bergbau auf Zinnerz ausgegraben (Nr. 1 und 2). Der Umfang des Abbaus in diesen Revieren und ihre Lage an den alten Verbindungswegen zu Südturkmenistan, Iran und Mesopotamien macht sie zu möglichen Lieferanten der frühstädtischen Kulturen. An anderen Zinnlagerstätten (schwarze Punkte) wurden bis jetzt keine prähistorischen Abbauaktivitäten des 3. oder 2. Jtds. v.Chr. festgestellt.

Eines der am nächsten gelegenen Vorkommen, welches sich in Ägypten befindet, wurde damals wohl nicht ausgebeutet. Die Zinnbronzen selbst tauchen in Ägypten erst im späten 2. Jtd. v.Chr. auf (Pernicka 1998).

In der archäologischen Forschung hat man schon früh die Zinnseifen in West-, Nordwest- und Mitteleuropa als Zinnquellen diskutiert. Zinngewinnung durch Tiefbau wurde zumindest in der Bretagne nachgewiesen (Roden 1985). Als Lieferanten für den Orient im 3. Jtd. mußten diese Lokalitäten aber aufgrund fehlender archäologischen Befunde ausgeschlossen werden.

Die Auswertung der schriftlichen Quellen hat bis jetzt nur wenig zu der Herkunftsfrage beigetragen. Unter den mesopotamischen Importen aus Meluhha (Nordwest-Indien) wird für das 3. Jtd. v.Chr. einmal Zinn genannt (Heimpel 1987). Weitergehende Hinweise fehlen. Erst seit kurzem gibt es Indizien auf eventuell prähistorische Zinngewinnung in NW-Indien (Kochhar et al. 1999).

Es ist zwar bekannt, dass zu Beginn des 2. Jtds. v.Chr. Zinn nach Karum Kanisch in Anatolien gebracht wurde, es stammt aus dem Südosten Assyriens (Dercksen 1996), aber von wo es dorthin gelangt ist, bleibt offen. Für die Mitte des 2. Jtds. v.Chr. belegen Zinnbarrenfunde im Mittelmeer den Handel mit diesem Metall. Die zwei aus Haifa stammenden Barren datieren in die Zeit zwischen 1500 - 1100 v.Chr. Das Wrack von Kap Gelidonia stammt aus dem 13., das von Ulu Burun aus dem 14. Jh. v.Chr. Die Zinnquellen des 2. Jtds v.Chr. sind nicht bekannt. Das Metall wurde aber in großem Umfang auf dem Landweg und entlang der mediterranen Ostküste gehandelt. Allein im Schiffswrack von Ulu Burun fand man an die 40 Barren, d.h. ca. 1 Tonne Zinnmetall.

Aber auch schon für das 3. vorchristliche Jtd. gibt es Hinweise auf einen Fernhandel von Luxusgütern zwischen Mesopotamien und Mittelasien, steigt doch seit 2500 v.Chr. die Anzahl der Zinnbronzen unter den Metallfunden im Zweistromland deutlich an. Schmuck aus Gold und Lapislazuli wurde von den Vertretern der Oberschicht getragen, wie die Königsgräber von Ur zeigen. Da Mesopotamien aber selbst über keinen dieser Rohstoffe verfügt, mußten diese importiert werden. Die einzige Region, in der Kupfer, Zinn, Gold und Lapislazuli nebeneinander vorkommen, umfaßt das heutige Südost-Usbekistan, Tadschikistan und Afghanistan. Die Rohstoffe oder Halbfabrikate für Gegenstände aus Gold, Lapislazuli und Zinnbronze könnten durchaus entlang der geomorphologisch vorgegebenen Vorläufer der späteren Seidenstraße von Mittelasien in das Zweistromland verhandelt worden sein.

Im Umfeld des Alten Orients war bislang kein Zinnbergbau bekannt. Das im Jahre 1989 in Kestel (Taurus-Gebirge) entdeckte Bergwerk konnte sowohl archäologisch als auch mit der 14C-Methode ins 3. Jtd. v.Chr. datiert werden. Gegen eine Zinnproduktion spricht jedoch der geringe Zinngehalt der Erze und die wenig bedeutende Bronzeverwendung im näheren Umland. Außerdem war dieser Bergbau von seinen Ausmaßen her zu klein um den Zinnbedarf Mesopotamiens für ein Jahrtausend zu decken.

Durch geologische Kartierungen wurden Anfang der 80er Jahre z.B. neue Zinnlagerstätten in Afghanistan bekannt und von Archäologen als Zinnquellen diskutiert. Aufgrund des seit mehr als 20 Jahre andauernden Kriegszustandes in diesem Land kann man kaum auf neue Forschungsergebnisse hoffen.

Schon 1950 erwähnte der russische Archäologe Litvinskij alte Zinnbergwerke in Karnab (Litvinskij 1950). Diese Veröffentlichung wurde von den westlichen Archäologen und Archäometallurgen, außer wenigen (Penhallurick 1986), kaum beachtet, nicht zuletzt, weil sie nur in russischer Sprache zur Verfügung stand. Obwohl Litvinskij´s Bericht dem DBM seit 1980 bekannt war, gab es keine geeignete Gelegenheit in der damaligen Sperrzone von Karnab diesen Hinweisen nachzugehen. Erst 50 Jahre später konnte die bergbauarchäologische Arbeit an den Zinngruben von Karnab und anderen, zwischenzeitlich gemeldeten Fundstellen beginnen.