21.11.2017 - 00:23:56

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Fürstengräber des frühen Mittelalters

1.9.2000
Krefeld-Gellep: Spangenhelm aus Grab 1782 (Bild: Museum Burg Linn)
Krefeld-Gellep: Spangenhelm aus Grab 1782

Beerdigungen im engsten Familienkreis dürften im frühen Mittelalter eher die Ausnahme gewesen sein. Bei der Totenfeier stand im Gegensatz zu heute nicht die individuelle Trauer der Angehörigen im Vordergrund. So makaber es auch klingen mag, Begräbnisse waren gesellschaftliche Ereignisse, an die die Trauergemeinde ganz bestimmte Erwartungen knüpfte. Der Tod eines Angehörigen bedeutete deshalb für die Hinterbliebenen nicht nur einen menschlichen Verlust, die Ausrichtung einer standesgemäßen Bestattung stellte darüber hinaus eine erhebliche materielle Last dar. Gleichzeitig bot ein solcher Anlaß die besondere Gelegenheit, dem am Grab versammelten Personenkreis noch einmal die Bedeutung des Verstorbenen und damit zugleich die seiner Familie nachdrücklich vor Augen zu führen.
Dies ist durchaus wörtlich zu nehmen: Für die Toten der Merowingerzeit wurden in der Regel keine oberirdischen Monumente errichtet, die die Erinnerung an sie dauerhaft wachgehalten hätten. Der Aufwand, der bei einer Bestattung betrieben wurde, war nur bei einer einzigen Gelegenheit, der Grablegung, sichtbar.

In großen Teilen Mittel- und Westeuropas hatte sich im Laufe des 5. und frühen 6. Jahrhunderts sukzessive ein relativ einheitlicher Grabritus durchgesetzt. Viele der sogenannten Reihengräber wurden geradezu verschwenderisch mit Beigaben ausgestattet. Über mehrere Generationen hinweg beteiligte sich jeweils ein großer Teil der Bevölkerung daran, diesen kostspieligen gesellschaftlichen Mechanismus fortzuführen. Kostbare Waffen und Schmuck aus Edelmetall finden sich zwar nicht in jedem Grab. Sie sind aber keineswegs seltene Ausnahmen, wie ein Besuch in fast jeder beliebigen Frühmittelalterabteilung der archäologischen Museen unserer Breiten bestätigen wird.

Aus der Masse gut ausgestatteter Bestattungen des frühen Mittelalters ragt eine Spitzengruppe besonders reicher Bestattungen heraus, die unter dem Begriff »Fürstengräber« zusammengefaßt werden. Die Fürstengräber des frühen Mittelalters zeichnen sich dadurch aus, daß sie zwar einerseits durch viele gemeinsame Züge in engem Zusammenhang mit der Bestattungssitte der übrigen Bevölkerung stehen. Andererseits gleichen sich die Fürstengräber in den verschiedenen Teilen Europas in vielen Details, die sie von den übrigen Bestattungen deutlich abheben.