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An der Schwelle von der Antike zum Mittelalter: Zur Archäologie der Alamannen am Oberrhein

16.1.2001

Das Oberrheingebiet war in frühalamannischer Zeit und in der Merowingerzeit Grenz- und Kontaktraum zum spätrömischen beziehungsweise fränkischen Herrschaftsbereich. Deshalb war es im 3. bis 8. Jahrhundert weit stärker einem kulturellen und politischen Einfluß ausgesetzt als die alamannischen Kerngebiete östlich des Schwarzwaldes.

I. Zwischen römischer Herrschaft und der Einbeziehung in das fränkische Reich

Das Oberrheingebiet zwischen Breisach und Straßburg im 4./5. Jahrhundert nach Christus. (Zeichnung: M. Hoeper)
Das Oberrheingebiet zwischen Breisach und Straßburg im 4./5. Jahrhundert nach Christus. (Zeichnung: M. Hoeper)

Römische Geschichtsschreiber berichten, daß bereits seit dem beginnenden 3. Jahrhundert Germanengruppen in das römische Reichsgebiet zwischen Rhein und Neckar eingedrungen waren. In Folge wird der obergermanisch-rätische Limes aufgegeben sowie die spätrömische Grenze im 4. Jahrhundert an den Rhein zurückverlegt und mit Kastellen wie auf dem Breisacher Münsterberg und auf dem Sponeckfelsen bei Jechtingen gesichert. Das ehemalige römische Dekumatland wird seit dieser Zeit von Alamannen besiedelt. Durch den römischen Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus sind wir von kriegerischen Auseinandersetzungen sowie von vertraglich geregelten Beziehungen zwischen dem römischen Reich und den germanischen Stammesverbänden im 4. Jahrhundert unterrichtet.

Mittlerweile sind zahlreiche ländliche Siedlungsplätze der frühen Alamannen im Breisgau entdeckt worden. In den letzten drei Jahren konnten in Vörstetten, zehn Kilometer nördlich von Freiburg gelegen, Siedlungsstrukturen aus dem 4./5. Jahrhundert auf einem Hektar Fläche ausgegraben werden. Neben vier großen Pfostenbauten, vermutlich Wohn- und Stallgebäude, konnten unter anderem zwei Brunnen, ein Speicherbau, zwei ofenartige Befunde und sogar frühalamannische Eisenverhüttung nachgewiesen werden.

Rekonstruktion eines frühalamannischen Gehöftes (Die Alamannen 1997, 289)
Rekonstruktion eines frühalamannischen Gehöftes (Die Alamannen 1997, 289)

Bei der kleinen Gräbergruppe von Wyhl aus der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts handelt es sich offensichtlich um Germanen, die als römische Föderaten hier die Grenze sicherten. Ein Mann war mit einem Schwert aus einer römischen Waffenfabrik Nordgalliens bestattet, während in den Frauengräbern römische Gläser und Keramikgefäße neben germanischen Fibeln und Perlen vorkommen.

Querschnitt durch einen Brunnen des 4. Jh. von Vörstetten, Kr. Emmendingen. (Foto: Ch. Bücker)
Querschnitt durch einen Brunnen des 4. Jh. von Vörstetten, Kr. Emmendingen. (Foto: Ch. Bücker)
Funde aus verschiedenen Gräbern von Wyhl, Kr. Emmendingen. (Foto: Y. Mühleis, LDA Ba.-Wü. Stuttgart)
Funde aus verschiedenen Gräbern von Wyhl, Kr. Emmendingen. (Foto: Y. Mühleis, LDA Ba.-Wü. Stuttgart)

Es ist anzunehmen, daß in der Nähe der frühalamannischen Grabfunde auch die Hofstellen lagen wie beispielsweise in Mengen (vgl. Beitrag Geuenich). Dort wurden Körpergrabfunde von zwei Frauen ca. 100 m südlich der gleichzeitigen Hofstelle entdeckt. Die Formen und Verzierungen der handgeformten Keramik aus diesen Gräbern haben ihre Tradition im elbgermanischen Raum, dem Herkunftsgebiet der Alamannen. Einzelne Funde von Mengen weisen darauf hin, daß auch Brandbestattungen angelegt wurden. Da man bisher nur vereinzelt Körpergräber gefunden hat, wurden die Toten hier vermutlich auch noch überwiegend brandbestattet, wie dies in den Herkunftsgebieten der Alamannen üblich war.