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Aufnahme des Limes in die UNESCO Liste des Weltkulturerbes

5.7.2001
Reste des Limeswalles am Feldberg im Taunus/ Hessen. (Foto: Th. Becker)
Reste des Limeswalles am Feldberg im Taunus/ Hessen. (Foto: Th. Becker)

In seinem letzten Ausbauzustand bestand der Obergermanisch-Raetische Limes (ORL) aus einem komplexen System kontinuierlicher, linearer Barrieren (Palisade, Graben und Wall in Obergermanien - Steinmauer in Raetien). Entlang seines Verlaufes reihten sich etwa 900 Wachtürme sowie 120 größere und kleinere Truppenlager. Eigens angelegte Militärstraßen sorgten für die Verbindungen zwischen den auch von Zivilisten bewohnten Militärplätzen und dem Hinterland.

Verschiedene Streckenabschnitte des Limes führen bis zu 80 Kilometer weit schnurgerade durch die Landschaft ohne Rücksicht auf die Naturgegebenheiten zu nehmen. Als Zeugnis der antiken Vermessungskunst ist der ORL so gleichzeitig ein eindrucksvolles, technisches Kulturdenkmal.

Der Limes blieb rund einhundert Jahre, bis in die Mitte des 3. Jh. n. Chr., in Funktion und bildete auch in späterer Zeit eine eindrucksvolle Landmarke ("Pfahl", "Teufelsmauer",...), die sich z.T. noch heute gut im Gelände verfolgen läßt. Weite Bereiche sind allerdings nur noch mit archäologischen Methoden festzustellen.
Mit einer Gesamtlänge von 550 km stellt der Obergermanisch - Raetische Limes das größte Bodendenkmal in Deutschland dar. Er durchzieht heute die vier Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg.

In dem gemeinsamen Projekt "Weltkulturerbe Limes" der vier Bundesländer soll der Bedeutung dieses großräumigen Systems zum Schutz des ehemaligen römischen Weltreichs Rechnung getragen werden. Die für den Besucher zumeist unspektakulären archäologischen Geländedenkmale sind innerhalb der World Heritage List bislang nur selten vertreten.

Reste von Wall und Graben am sog. "Pfahldöbel" bei Zweiflingen/ Baden-Württemberg. (Foto: LDA Baden-Württemberg)
Reste von Wall und Graben am sog. "Pfahldöbel" bei Zweiflingen/ Baden-Württemberg. (Foto: LDA Baden-Württemberg)

Durch die Arbeit der Reichs-Limeskommission (von 1892 bis 1937) besitzen wir ein ausführliches Inventar. Sein Umfang mit insgesamt 14 gedruckten Einzelbänden geht weit über die im Zusammenhang mit dem UNESCO-Antrag benötigte Beschreibung hinaus.

Diese mustergültige Bestandsaufnahme des Bodendenkmals fand im wesentlichen vor dem Ersten Weltkrieg statt. Der Großteil der damaligen Erhebungen konnte in der Zwischenzeit nicht aktualisiert werden. Daher ist besonders unsere Kenntnis vom Erhaltungszustand des Limes stark veraltet.

Der Bestand des Denkmals "ORL" ist durch Siedlungs- und Verkehrswegebau, Land- und Forstwirtschaft, aber teilweise auch durch Fremdenverkehr bedroht. Allein aufgrund seiner Ausdehnung wird ein hundertprozentiger Schutz des Bestandes selbst unter größten Anstrengungen aller Beteiligten nicht zu erreichen sein. Da ein Großteil der Gefährdungen aus Unachtsamkeit oder Unwissenheit erfolgt, läßt sich hier durch bessere Kenntnis des genauen Limesverlaufs Abhilfe schaffen.

So ist erforderlich, die bei den Denkmalschutzbehörden vorhandenen Inventare zum ORL zu aktualisieren und in eine technische Form zu bringen, die Interessierten den einfachen und schnellen Zugriff erlaubt. Diese notwendige Datenerfassung erfolgt im Rahmen einer vollständigen Begehung des ORL und seiner topographischen Aufnahme nach modernen Standards (GPS-Messungen / GIS-Verwaltung).