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Der Preis der Sicherheit.

Zu den Bau- und Unterhaltskosten einer römischen Militärgrenze

5.7.2001
(Foto: Seminar für Alte Geschichte, Universität Freiburg)
(Foto: Seminar für Alte Geschichte, Universität Freiburg)

Der obergermanisch-raetische Limes zählt heute zu jenen antiken Grenzsystemen, die hinsichtlich ihrer Geschichte, ihrer baulichen Anlagen und ihrer dort stationierten Truppen vergleichsweise gut erforscht sind. Informationen zu der Frage, welche Summen die römische Staatskasse alljährlich für den Unterhalt einer solchen Militärgrenze aufzubringen hatte, lassen sich aus heutiger Sicht dagegen nur schwer gewinnen. Dass die Grenzprovinzen des Imperium Romanum wegen ihrer erheblichen Aufwendungen für die militärische Sicherung in finanzieller Hinsicht meist "Zuschussregionen" waren, belegen auch entsprechende Angaben von antiken Schriftstellern wie etwa Sueton oder Tacitus. Die gewaltigen finanziellen Aufwendungen schienen aus römischer Sicht nur dann rentabel, wenn in den rückwärtigen Gebieten weitere Binnenprovinzen von diesem Sicherheitssystem profitierten. Dies war im Falle des obergermanisch-raetischen Limes vor allem Gallien, aber auch Italien selbst. Entfiel diese wichtige Voraussetzung - etwa bei der militärisch stark gesicherten, aber isoliert liegenden Provinz Britannien - dann überstiegen die Militärausgaben rasch jene finanziellen Vorteile, die Rom aus dem Besitz des betreffenden Territoriums zog. Es mag daher nicht überraschen, dass man schon kurz nach der Eroberung Britanniens wieder ernsthaft über die Räumung der Insel nachdachte, da das Steueraufkommen und die Ausbeutung der dortigen Bodenschätze bei weitem nicht die anfallenden Militärkosten deckten. Die Frage nach der Ertragsfähigkeit neuer Provinzen spielte auch in der Folgezeit eine nicht zu unterschätzende Rolle in der römischen Politik: so dürfte etwa die unter Hadrian erfolgte Aufgabe der erst kurz zuvor eroberten, aber offenkundig unrentablen Provinz Mesopotamien nicht zuletzt aus finanzpolitischen Überlegungen heraus erfolgt sein.

Bei dem obergermanisch-raetischen Limes jedoch scheinen derartige Erwägungen nie zur Disposition gestanden zu haben. Zumindest zeigt die partielle Vorverlegung einzelner Streckenabschnitte sowie der stetige Ausbau der dortigen Anlagen, dass sich die vorgenommenen (sicher nicht unbeträchtlichen) Investitionen für Rom offenbar lohnten. Doch welche Summen waren für den Unterhalt einer solchen Grenze erforderlich?

Der Löwenanteil der Kosten entfiel ohne Zweifel auf die Besoldung der in den zwei Provinzen stehenden Truppen. Um die Mitte des 2. Jhs. n.Chr. waren dies zunächst die beiden in Mainz und Straßburg stationierten Legionen mit etwa 11.000 Soldaten. Am Limes selbst standen damals Hilfstruppenverbände in einem Umfang von etwa 35 Alen und Kohorten, deren Zahl insgesamt mit mindestens 18.000 Mann veranschlagt werden muss. Berücksichtigt man ferner noch die kleineren Numerus-Verbände, deren personeller Umfang aber kaum mehr als 2000 Soldaten betragen haben dürfte, dann scheint die Zahl von 30.000 Soldempfängern keinesfalls zu hoch gegriffen.