11.12.2017 - 10:25:58

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)

Das Ende des Limes

5.7.2001

Kaum eine andere Epoche der rund 500jährigen römischen Geschichte am Rhein ist so arm an zeitgenössischen Schriftquellen wie die unruhigen Jahrzehnte zwischen ca. 230 und 280 n. Chr. Die Erforschung dieses Zeitraums ist daher in hohem Maße auf die Ausdeutung archäologischer Relikte angewiesen. Lange lehrten Historiker und Archäologen, der Limes sei 259/60 n. Chr. auf breiter Front durch einen "gewaltigen Germanensturm" überrannt worden. Dieses Geschichtsbild ist durch die Vermehrung und kritische Überprüfung bestehender Quellen überholt.

Nach heutigem Erkenntnisstand stellt sich das Ende des Limes als ein jahrzehntelanger, komplexer Prozeß des kontinuierlichen Niedergangs dar, der noch lange nicht in all seinen ungünstigen Wechselwirkungen erforscht ist. Neben der äußeren Bedrohung der Grenzregionen durch verschiedene germanische Stämme und Kriegerbünde untergruben vor allem innenpolitische Schwierigkeiten den militärischen Grenzschutz und das Vertrauen der Provinzbevölkerung in die "innere Sicherheit". Neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse lenken den Blick der Forschung zudem auf sich im 3. Jahrhundert verschlechternde klimatische und ökologische Rahmenbedingungen, die bereits akute wirtschaftliche Probleme verschärften. Ab der Mitte des 3. Jahrhunderts beschleunigte sich die Entwicklung und mündete in die Aufgabe der Provinzgebiete östlich des Rheins und nördlich der Donau.

Neue Feinde

Im Osten erwuchs den Römern nach der Unterwerfung des Partherreiches durch die persischen Sassaniden 226 n. Chr. ein neuer, gefährlicher Gegner, der als außenpolitisches Ziel die Wiedererrichtung des Achämenidenreiches in den Grenzen des 5. Jhs. v. Chr. verfolgte. Die Perser erhoben damit umfangreiche Besitzansprüche auf römische Ostprovinzen, die jahrzehntelange Kriege heraufbeschworen. Das straff organisierte Perserreich war den Römern in vielen Belangen nahezu ebenbürtig.

Auch an anderen Außengrenzen eskalierten vorhandene Spannungen: Sarmaten, Goten, Carpen und Gepiden bedrohten die Donauprovinzen. Umfangreiche Waffenopfer besiegter Feinde in Seen und Mooren Norddeutschlands und Südskandinaviens stammen zwar von innergermanischen Konflikten, bezeugen aber zugleich eine seit der Zeit um 200 n. Chr. zunehmend bessere Bewaffnung und taktische Organisation - oft nach römischem Vorbild - germanischer Kriegerscharen.