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Sie sind zurück - Wildpferde am Federseemoor

8.8.2005

Exmoor – Ponys präsentieren eine der letzten Wildpferderassen Europas

Wildpferde am Federsee (Bild: R. Gäffgen)
Wildpferde am Federsee (Bild: R. Gäffgen)

Mit der Ausbreitung von Ackerbau, Viehzucht und dem Bau fester Siedlungen seit dem 6. Jahrtausend v.Chr. wurden für die Siedlungs- und Ackerflächen die Wälder großflächig gerodet. Diese Eingriffe des Menschen in die Natur, die Veränderung des stark bewaldeten Landes in eine offene Kulturlandschaft mit viel freien Flächen dürfte sich zunächst auch in Oberschwaben positiv auf die Populationsdichte und die Größe der Wildpferde ausgewirkt haben. Doch für die jungsteinzeitlichen Bauern und Jäger blieb das Wildpferd weiterhin eine seltene Beute: Seine Überreste wurden in den Siedlungen am Federsee allmählich immer spärlicher.

Gegen Ende der Steinzeit (4. / 3. Jt. v.Chr.) deuten die Knochenfunde von Pferden, die man in den Siedlungen dieser Zeit am Federsee findet, auf eine Domestikation und Zucht der Tiere hin. Mithin darf man das Ende der Wildpferde in Oberschwaben mit Sicherheit in dieser Zeit suchen.

Exmoor-Pony am Federsee

Museumsleiter Ralf Baumeister mit den Exmoorponys Apollo und Filou (Bild: Federseemuseum)
Museumsleiter Ralf Baumeister mit den Exmoorponys Apollo und Filou (Bild: Federseemuseum)

Zwei Nachfahren von Wildpferden sind nun im Zuge der Ausstellung „Vom Beutetier zum Gefährten: Die Archäologie des Pferdes“ an den Federsee „zurückgekehrt“.

Die beiden Exmoor-Ponys ‚Apollo’ und ‚Filou’, präsentieren im Freigelände des Federseemuseums Bad Buchau eine der letzten europäischen Wildpferdrasse, deren Ursprung bis zurück in die letzte Eiszeit vor über 10.000 Jahren verfolgt wird.

Diese verschonte nämlich das Exmoor Hochland im äußersten Südwesten Englands vom Gletschereis, so dass dort die voreiszeitliche Tierwelt, und mit ihr das Wildpferd, in harten Bedingungen überleben konnte. Wochenlange Regen, heiße Sommer oder nahrungsarme Winter haben diese Rasse mit Ausdauer, Stärke und Genügsamkeit geprägt.

Exmoorpony Apollo mit "bronzezeitlicher Reiterin" (Bild: Federseemuseum)
Exmoorpony Apollo mit "bronzezeitlicher Reiterin" (Bild: Federseemuseum)

Exmoor-Ponys stammen vermutlich in direkter Linie vom eiszeitlichen Urpony ab und gehören zu einer der seltensten Pferderassen der Welt, die noch bis vor wenigen Jahren vom Aussterben bedroht waren. Diese relativ kleinen, robusten Tiere mit einer Widerristhöhe von nur 115 bis 1,30 m und der typisch hellen Augen- und Maulpartie, haben verblüffende Ähnlichkeit mit Pferden aus altsteinzeitlichen Höhlenmalereien aus Südwesteuropa.

Weltweit gibt es 800 Exmoor-Ponys, nur noch 200 davon leben unter naturnahen Bedingungen, ganze 90 davon in Deutschland. Die Deutsche Exmoor-Pony-Gesellschaft, deutscher Tochterverband der englischen Exmoor Pony Society, die das Stutbuch führt, setzt sich für die Zukunftssicherung und den Erhalt der Reinrassigkeit der Exmoor-Ponys ein. Mit ihrer Hilfe konnte Ralf Baumeister, Leiter des Federseemuseums die beiden sechsjährigen Wallache ‚Apollo’ und ‚Filou’ nach Bad Buchau holen, die von Ines Baur aus eigener Züchtung in Eglingen bei Heidenheim stammen.

Diese VIP’s (Very Important Ponys) begleiten als lebende Zeitzeugen die vielfältigen Veranstaltungen während der Ausstellung und spannen den Bogen von den Anfängen ihrer Artgenossen bis in die PS-starke Moderne.