17.12.2017 - 01:31:36

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Pferdegeschichte(n)

8.8.2005

Reiten war im Altertum ...

Mesopotamischer Rinderreiter, um 2000 v.Chr. (Foto: V. Horn)
Mesopotamischer Rinderreiter, um 2000 v.Chr.

... unbekannt. Geritten hatte man gelegentlich auf Rindern, später auch auf Pferden, aber ´Reiten´ war in den frühen Hochkulturen nicht standesgemäß: Adelige und Könige fuhren im Streitwagen zur Jagd oder in die Schlacht! Erst Jahrhunderte später führte die militärische Überlegenheit der antiken Reiterei zum Untergang der Streitwagen als Kriegswaffe. Erst die rasante Ausbreitung und Vermehrung berittener Truppen machte das Reiten schließlich auch im zivilen Bereich populär.

Trainingsanleitungen für Pferde...

... entstanden bereits im 2. Jahrtausend v.Chr. infolge der hohen Nachfrage nach vielseitig ausgebildeten und trainierten Pferden. Die hethitischen Pferdetexte des Mitanni-Hurriters Kikkuli berichten über eine 184tägige Ausbildung junger Pferde für den Dienst am Streitwagen; darin sind neben Futterzeiten und Pflegeanleitungen für jeden Tag genaue Lauf- und Trainingsübungen mit Gangarten und Streckenmaß verzeichnet.

Die Anspannung der Pferde ...

Tontafel mit den hethitischen Pferdetexten des Kikkuli (Tafel IV., Rückseite). Die ursprüngliche verlorengegangene Fassung stammt aus dem 15. Jh. v.Chr.; bei den erhaltenen vier Tontafeln handelt es sich um eine junghethitische Abschrift aus dem 13. Jh. v.Chr. (Foto: Landesmuseum Oldenburg)
Tontafel mit den hethitischen Pferdetexten des Kikkuli (Tafel IV., Rückseite). Die ursprüngliche verlorengegangene Fassung stammt aus dem 15. Jh. v.Chr.

.. erfolgte bis ins nachchristliche Jahrtausend mit Hilfe des Widerristjoches, das ursprünglich für die Rinderanspannung entwickelt wurde. Durch das Fehlen des Widerristes bei den Pferden wurde die Zugkraft im wesentlichen durch die Halspartie des Tieres abgenommen und über Joch und Deichsel auf das Gefährt übertragen.

Erst die Erfindung des Kummets und Sielengeschirrs im 1. Jahrtausend n.Chr. ermöglichte die Abnahme der Zugkraft in Höhe der Schultern und die Kraftübertragung über Zugstränge auf das Gefährt. Auf diese Weise konnte schließlich die volle Zugkraft des Pferdes ausgenutzt und um ca. das fünffache gesteigert werden.

Der Enkel des Dschingis Khan („Batu“) ...

... eroberte im Verlauf des 11. Jahrhunderts praktisch das gesamte damalige russische Reich. Nach den großen russischen Städten fielen Krakau, Breslau und Budapest – ganz Europa schien eine sichere Beute der fernöstlichen Reiterarmee, die nicht nur aus schnellen Bogenschützen, sondern auch aus gepanzerter schwerer Kavallerie bestand.

Einschließlich Tross und Ersatzpferden wurden bei den Kriegszügen über eine Million Pferde bewegt. Doch das Nachschubproblem – die Achillesferse großer Eroberungszüge – lösten die Mongolen auf ihr Art: Jeder Soldat führte neben seinen beiden Kriegstieren über ein Dutzend weiterer Pferde im Tross, die er reihum als Blutspender für eine nährstoffreiche Flüssignahrung nutzte. Zusammen mit Stutenmilch, Pferdekäse und Fohlenfleisch war dies die tägliche Marschverpflegung – immer frisch und in Reichweite.