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Erst gejagt, dann gezähmt: das Wildpferd

8.8.2005
Späteiszeitliche Jäger häuten, zerlegen und entfleischen ein soeben erlegtes Wildpferd. Im Gegensatz zu den Rentieren, die vor allem während ihrer Frühjahrs und Herbstwanderungen bejagt wurden, stellte man dem Pferd ganzjährig nach. (Bild: P. Roeschli)
Späteiszeitliche Jäger häuten, zerlegen und entfleischen ein soeben erlegtes Wildpferd.

Unter den Haustieren gibt es verschiedene Arten, die schon seit Jahrtausenden zu Arbeits- und Transportzwecken genutzt werden. Dazu zählt in Mitteleuropa neben dem Rind vor allem das Pferd. Seine Haltung begann mit einem deutlichen zeitlichen Abstand zu den klassischen Nutztieren Rind, Schwein, Schaf und Ziege. Rinder waren wie die anderen Haustierarten zunächst Fleischlieferanten, erst später verrichteten sie in der Landwirtschaft Zugarbeit vor Pflug und Wagen. Beim Pferd dagegen stand bereits zu Beginn seiner Haltung die Nutzung seiner Muskelkraft im Vordergrund. Sein Einsatz als schnelles Zug- und Reittier revolutionierte den prähistorischen Personen- und Warenverkehr und führte auch im Kriegswesen zu entscheidenden Veränderungen.

„Fette Beute“ – das Wildpferd als Beutetier

Mit einem Gewicht von 240 bis 300 kg war das Wildpferd zu allen Zeiten eine begehrte Beute. Neben Fleisch und Fett lieferte es Haut, Haare, Sehnen und Knochen.

Rentier und Wildpferd bildeten die Nahrungsgrundlage späteiszeitlicher Jäger und Sammler. Weitere Tierarten ergänzten das Spektrum der Beutetiere. Bei der Nutzung dieser Nahrungsressourcen zeichnen sich jahreszeitliche Schwerpunkte ab:

Im Herbst bzw. Winter und im Frühjahr waren es vor allem Rentiere, die bei ihren Wanderungen zwischen den Sommer- und Winterweiden in großer Zahl erlegt werden konnten. Diese Jagdstrategie erforderte die Bildung größerer Gemeinschaften zur Aufbereitung der Beutetiere und zur Konservierung des Wildbrets. Eine wichtige Ergänzung in der kalten Jahreszeit war die Bejagung von Schneehasen und Schneehühnern.

An einen Knieholm geschäftet dienten diese Geräte völkerkundlichen Vergleichen. (Foto: Kh. Steppan)
Vergleichen.

Im Sommer durchstreiften kleine mobile Gruppen die Sommerweiden der Huftiere. In dieser Jahreszeit spielte die Pferdejagd eine deutlich wichtigere Rolle bei der Nahrungsversorgung.

Die Spuren messerscharfer Steinwerkzeuge an den Knochenfunden zeigen, dass die erbeuteten Pferde zerlegt und ihre Skelette sorgfältig entfleischt wurden. Schlagspuren und unzählige Knochensplitter belegen, dass auch das Knochenmark ein begehrtes Nahrungsmittel war. Ausgewählte Skelettelemente dienten als Rohmaterial zur Herstellung bestimmter Werkzeuge.

Der Klima- und Umweltwandel am Ende der Eiszeit ließ die Bestände der Wildpferde stark schrumpfen. Spärliche Überreste aus mittelsteinzeitlichen Fundschichten (Henauhof-Nordwest) lassen auf eine dünne Population von Wildpferden im frühen Holozän (Nacheiszeit) schließen. Im Vergleich zu den anderen Beutetieren (Rothirsch, Wildschwein, Ur, Reh etc.) war das Pferd jedoch von eher geringer Bedeutung für die Ernährung der Jäger und Sammler.