17.12.2017 - 01:33:55

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Die Grabungskampagne auf der Burg Cucagna

17.1.2005

Elf Berliner StudentInnen bereiteten sich im Sommer 2003 darauf vor, nach Norditalien ins Dorf Faedis nordöstlich von der nahegelegenen Stadt Udine im Friaul zu fahren, um an der Grabungskampagne auf der Burg Cucagna teilzunehmen. Diese ist in den letzten Jahren zu einem wesentlichen Bestandteil des seit 21 Jahren stattfindenden Seminars für mittelalterliche Architektur geworden, das von den Architekten Roberto Raccanello und Katharina von Stietencron organisiert wird.
Am 19. Juli 2003 war es dann soweit: nachdem auch der letzte Rucksack im Bus verstaut und der einzuschlagende Weg geklärt war, ging es über Weimar, dem schon traditionellen Zwischenstopp, nach Italien.

Stremiz, Unterkunft der Grabungsmannschaft. (Foto: K. Kilian)
Stremiz, Unterkunft der Grabungsmannschaft. (Foto: K. Kilian)

Da wir dort etwas früh ankamen - es war erst kurz nach Morgendämmerung - legten wir uns mit unseren Schlafsäcken auf die Terrasse vor das Haus von Roberto und Katharina. Die beiden guckten nicht schlecht, als sie uns dort in Schlafsäcken liegend vorfanden. Nach einem üppigen Frühstück zeigten sie uns unsere Unterkunft. Ein Teil von uns wohnte in einem Haus im Dorf Faedis, gleich gegenüber vom Weg hinauf zur Burg. Andere wohnten mit weiteren SeminarteilnehmerInnen in Stremiz, u. a. in Zimmern des Bürgermeisters. Wir richteten uns häuslich ein, sprangen ins kalte Nass des natürlichen Pools vom Mühlenbach und entspannten etwas von der langen Fahrt, denn schon am nächsten Tag sollte es mit der Arbeit losgehen.

Ein Fund auf der Grabung: Denar des Patriarchen Antonio II. Panciera (1402 - 1408). (Foto: K. Kilian)
Ein Fund auf der Grabung: Denar des Patriarchen Antonio II. Panciera (1402 - 1408). (Foto: K. Kilian)

Unser Arbeitsplatz war die mittelalterliche Burg Cucagna, auf einer Anhöhe gleich oberhalb des Dorfes Faedis. Unsere Aufgabe war es, archäologische Ausgrabungen an besonders wichtigen Plätzen für den Wiederaufbau der Burg durchzuführen. Wir suchten nach Schichten- und Mauerverläufen, legten Grundrisse von Gebäuden frei, die dann mit diesen Erkenntnissen wiederaufgebaut werden konnten. Langweilig wurde uns dabei nie. Denn unsere Gruppe war sehr gemischt: einerseits vom Fachgebiet her (Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Museumskunde), andererseits von den praktischen Erfahrungen. Für einige war es die erste Grabung, an der sie teilnahmen, andere graben regelmäßig an verschiedenen Orten. Eine Herausforderung für uns war, dass auf Cucagna alle Schritte selbst durchgeführt wurden, die auf einer Grabung anfallen: beginnend mit dem Abstecken und Einmessen der Arbeitsflächen, über das Graben an sich (nach verschiedenen Methoden), bis hin zum Fotografieren, Tagebuch schreiben und Funde mit Fundzetteln versehen und eintüten. Umso spannender wurde es, als sich im Laufe der Grabung die Funde häuften und uns motivierten, bei dieser körperlich sehr anstrengenden Tätigkeit durchzuhalten. Aufregend für uns alle waren die außergewöhnlicheren Funde, wie eine Silber-Münze aus dem 14. Jahrhundert, die Hälfte einer Bügelschere, ein Messerchen und Teile eines Brustpanzers.