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Die Geoglyphen von Nasca. Ist die astronomische Theorie zu den Linien und Figuren von Nasca noch relevant?

von Bernd Teichert - 12.10.2007

Erste Ergebnisse des Nascaprojektes Dresden

(4) Örtliche Vermessungen von Maria Reiche
(4) Örtliche Vermessungen von Maria Reiche

Die für die Berechnungen erforderlichen Softwareprogramme wurden von Studenten im Rahmen von Projekt- und Diplomarbeiten entwickelt. Die Überprüfung der Ergebnisse erfolgte auch mit kommerzieller Software, wobei die Abweichungen in Azimut und Höhenwinkel jeweils unterhalb einer Bogenminute lagen. Diese Genauigkeit reicht für Beobachtungen mit bloßem Auge völlig aus.

Ausgangspunkt der astronomischen Untersuchungen im Nascaprojekt Dresden sind die Beobachtungen und Ergebnisse Maria Reiches.

Ein Beispiel ihrer astronomischen Beobachtungen ist in Abb. 4 dargestellt: Die an den Linien angegebenen Zahlen in dieser Abbildung entsprechen jeweils dem Azimut und dem Höhenwinkel der entsprechenden Linie. An einer Reihe von Linien sind zudem Korrelationen mit Himmelskörpern vermerkt.

Sonnenwendlinien

(5) Sonnenwendlinien
(5) Sonnenwendlinien

In den Büchern und den persönlichen Notizen von M. Reiche findet man eine Vielzahl von Linien, deren Richtungen zu den Sommer- und Wintersonnenwenden zeigen. Bisher wurden 10 solcher Sonnenwendlinien überprüft und bestätigt. Abb. 5 zeigt ein Beispiel unserer Berechnungen [Schmidt, A. 2001]. Die mit einem Pfeil markierten Linien zeigen exakt zum Sonnenuntergang zur Nasca  Zeit.

Linien zu hellen Sternen

(6) Linie zum Stern Rigel (Grafik: B. Teichert)
(6) Linie zum Stern Rigel (Grafik: B. Teichert)
(7) Plejaden - Dreieck (Grafik: B. Teichert)
(7) Plejaden - Dreieck (Grafik: B. Teichert)
(8) Linie zum Stern Sirius um das Jahr 222 n. Chr. (Grafik: B. Teichert, Foto: Space Imaging©, USA)
(8) Linie zum Stern Sirius um das Jahr 222 n. Chr. (Grafik: B. Teichert, Foto: Space Imaging©, USA)

Aufgrund der Absorption des Lichtes in der Atmosphäre können nur Sterne mit einer stellaren Helligkeit besser als 3.0 betrachtet werden.

Die gekennzeichnete Linie durch die Spinne in Abb. 6 zeigt zum Stern Rigel, dem hellsten im Sternbild des Orion. Dieses Ergebnis ist deshalb bemerkenswert, weil M. Reiche eine Korrelation des Orion mit der Spinne vermutet, siehe Abb. 2b. Die Figur der Spinne ist etwa 56 m groß.

Ein weiteres interessantes Ergebnis zeigt die Abb. 7: Hier weisen die beiden roten Linien auf die zwei hellsten Sterne der aufgehenden Plejaden um ca. 610 n.Chr. Das sogenannte Plejaden- Dreieck ist eine von Steinen freigeräumte Fläche von ca. 850m x 80 m. Diese Fläche enthält einen großen Steinhaufen am westlichen und drei kleinere am östlichen Ende mit jeweils trichterförmigen Vertiefungen in der Mitte, in denen sich möglicherweise Holz-pflöcke befanden, welche zur Peilung dienten (Visurlinien).

Die sogenannte Sirius- Linie in Abb. 8 (IKONOS – Satellitenbild) befindet sich zwischen Nasca und Palpa; sie kreuzt die Panamerikana, ist ca. 3,7 km lang und weist um 222 n.Chr. in die Richtung des untergehenden Sternes Sirius, dem hellsten Stern am Firmament. Westlich der Panamerikana ist die Linie durch Baumaßnahmen (Tierfarm) völlig zerstört; Luftbilder von 1945 zeigen jedoch noch ihre ganze Ausdehnung.