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Welchen Nutzen hatten Wölbäcker?

Kategorie: Forschung
12.04.2017 -   Uni Halle / AB

Neues Forschungsprojekt der Uni Halle

Ihre Bedeutung und ihr Nutzen sind bis heute nicht abschließend geklärt – trotzdem gibt es diese Äcker im ganzen Land: Wölbäcker sind das Produkt einer Jahrhunderte alten Agrartechnik. Bodenkundler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) wollen ihren Eigenschaften und ihrer Geschichte auf den Grund gehen. Dabei verbinden sie modernste bodenchemische Methoden mit dem Knowhow von Historikern und Archäologen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt für drei Jahre mit rund 240.000 Euro.

Wölbäcker bei Cold Newton in Leicestershire (England). Foto: Matt Neale (CC BY-SA 2.0)

Wölbäcker bei Cold Newton in Leicestershire (England). Foto: Matt Neale (CC BY-SA 2.0)

Wölbäcker haben ihren Namen von ihrem charakteristischen Aussehen: In regelmäßigen Abständen wechseln sich Wölbungen und Furchen ab, sodass eine wellenförmige Oberfläche entsteht. Teils sind die Äcker noch mit dem bloßen Auge zu sehen, teils sind aufwendige Laseraufnahmen und ein geschultes Auge notwendig, um die Überreste der Jahrhunderte alten, in Mitteleuropa weit verbreiteten Ackerbautechnik zu erkennen: Ihren Ursprung haben sie vermutlich im Mittelalter. In Deutschland sind die meisten Wölbäcker nur noch unter Wäldern erhalten, da moderne Landmaschinen in Bereichen der heutigen Ackerflächen die Wölbäcker komplett zerstört haben.

»Bei Wölbäckern ist sich die Wissenschaft noch in vielen Fragen uneins«, sagt Dr. Katja Wiedner, Laborleiterin am Lehrstuhl für Bodenbiogeochemie der MLU und Leiterin des neuen DFG-Projekts zu Wölbäckern in Sachsen-Anhalt. Kooperationspartner sind das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und das Landesamt für Geologie und Bergwesen. Bereits die Frage, wie die Felder entstanden sind, ist nicht geklärt: Eine gängige Theorie ist, dass die Menschen die Böden mit einem sogenannten Beetpflug bearbeiteten und dabei die Erde aufgeschüttet wurde. Erste Voruntersuchungen der halleschen Forscher haben jedoch gezeigt, dass die ehemalige Landoberfläche unter den Wölbungen außerordentlich gut erhalten ist. Ein normales Pflügen hätte diese wahrscheinlich zerstört. »Noch heute sind Wölbäcker über viele Quadratkilometer hinweg zu finden. Für ihre Entstehung mussten unvorstellbar viele Tonnen Boden bewegt werden, was einer enormen menschlichen Leistung entspricht. Ihr Nutzen ist aber bis heute nicht abschließend geklärt und wird nach wie vor sehr kontrovers diskutiert«, so Wiedner weiter. Zwar hatten sich bereits Wissenschaftler der Uni Halle in den 1960er mit den Wölbäckern befasst, allerdings nur beschreibend. Bodenkundliche Analysen oder auch die Auswertung wichtiger historischer Schriften wurden nicht durchgeführt.

Heutzutage nutzen vor allem Forstwirte die Gebiete der ehemaligen Wölbäcker. »Zwar sind die günstigen Eigenschaften des Bodens bekannt. Über die Ursachen, die dazu geführt haben, ist noch nicht viel bekannt«, sagt Wiedner. Deshalb plant sie mit ihrem Team, die Böden genauer zu untersuchen. So können die Forscher zum Beispiel das Alter der Wölbäcker ermitteln. Mit Hilfe moderner Analysemethoden lässt sich auch die Art und Weise rekonstruieren, wie der Boden vor Hunderten von Jahren gedüngt wurde. Die Forschergruppe kann sogar Aussagen darüber treffen, welche Tierexkremente als Düngemittel verwendet wurden.

Gemeinsam mit ihrem Team möchte Wiedner zwei Regionen in Sachsen-Anhalt untersuchen: den Harz und die Altmark. In beiden Gebieten haben die Menschen vor vielen Jahren Wölbäcker angelegt. Beide Landschaftsräume unterscheiden sich aufgrund ihrer geologischen Geschichte stark voneinander: »Einmal haben wir mit der Altmark eine recht platte Landschaft mit eher sandigen, nährstoffarmen Böden. Die Geologie des Harzes ist wesentlich vielfältiger und steht auch durch ihr Relief in starkem Kontrast zur Altmark. Die Gründe für die Nutzung von Wölbäckern kann daher in beiden Regionen ganz unterschiedlich sein«, so Wiedner.

Die Ergebnisse aus dem Labor will die Forschergruppe mit historischen Quellen verknüpfen, also beispielweise mit Einträgen aus Stadtbüchern und Zehntregistern. »So erhoffen wir uns, weitere Hinweise auf den Sinn und Zweck der Wölbäcker zu erlangen.« Die Landesarchive in Magdeburg und Potsdam beherbergen hierzu bisher kaum beachtete historische Schriften, so die Bodenwissenschaftlerin.

Mit dieser Kombination aus bodenchemischer und archäologischer Forschung erhofft sich Wiedner viele Erkenntnisse über diese spezielle Ackerbaupraxis, die vielleicht auch heute relevant sein könnten: Sollte sich herausstellen, dass Wölbäcker Vorteile gegenüber anderen Techniken des Ackerbaus haben, könnten die Erkenntnisse des DFG-Projekts die moderne, nachhaltige Land- und Forstwirtschaft bereichern.