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Welche Durchschlagskraft hatten römische Feldgeschütze?

Kategorie: Forschung
25.10.2013 -   Uni Trier / AB

Forscher der Universitäten Trier und Hamburg testen Nachbauten römischer Torsionsgeschütze

Die Wissenschaftler wollen in diesen Tagen auf dem Flugplatz Föhren bei Trier den Geheimnissen der überlegenen römischen Militärmaschinerie auf die Spur kommen. Dazu haben sie römische Feldgeschütze detailgetreu nachgebaut und untersuchen deren Eigenschaften nun mithilfe neuester Messtechnik.

Prof. Dr. Christoph Schäfer (Universität Trier) erläutert eines der vier Geschütze, die wissenschaftlichen Tests unterzogen wurden. Foto: Universität Trier

Prof. Dr. Christoph Schäfer (Universität Trier) erläutert eines der vier Geschütze, die wissenschaftlichen Tests unterzogen wurden. Foto: Universität Trier

Durch die Drehung der Rosshaarbündel am Ende der Geschützarme wird die erforderliche Torsionskraft erzeugt. Foto: Universität Trier

Durch die Drehung der Rosshaarbündel am Ende der Geschützarme wird die erforderliche Torsionskraft erzeugt. Foto: Universität Trier

»Wir sind keine Militaristen«, stellt der Althistoriker Prof. Dr. Christoph Schäfer von der Universität Trier vorab klar. Bei den wissenschaftlichen Untersuchungen gehe es vielmehr darum, den Umgang der Römer mit technischem Fortschritt sowie die Leistungsfähigkeit und den Einsatz der Geschütze zu erforschen. Ausgangspunkt für das wissenschaftliche Projekt war die Schlacht zwischen Römern und Germanen am Harzhorn. Bolzenfunde auf dem Schlachtengelände weckten das Interesse der Forscher. Sie rekonstruierten die Torsionsgeschütze auf der Basis weiterer Überreste aus Spanien, Italien und Rumänien und der Auswertung von historischen Quellen.

Die in Föhren getesteten Geschütztypen dokumentieren eine technische Entwicklung über rund 500 Jahre. Die ältesten Geschütze aus den beiden letzten vorchristlichen Jahrhunderten wurden an der Universität Trier nach Funden im spanischen Caminreal (Provinz Teruel) rekonstruiert. Ein weiteres Torsionsgeschütz entstand am Gymnasium Ising (Chiemsee) und ein viertes an der Universität der Bundeswehr in Hamburg. Außerdem ist die Universität Osnabrück an der Forschung beteiligt, die von der Varus-Gesellschaft unterstützt wird.
»Wir testen die Geräte bis an ihre Leistungsgrenzen. Es kann also durchaus auch etwas kaputt gehen«, erläutert Christoph Schäfer, der von seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern Marcel Simonis und Arne Döpke unterstützt wird. Die mit Eisenspitzen gespickten Rundbolzen und Pfeile können mehr als 300 Meter weit geschossen werden.

Die Römer nutzten Torsionskräfte, die durch das Spannen von Rosshaar-Bündeln entstehen und sich beim Auslösen in gewaltiger Wucht entladen. Auf der langen Flugbahn verlieren die Bolzen kaum an Geschwindigkeit und Durchschlagskraft. Eingesetzt wurden die Geschütze überwiegend bei Feldschlachten, aber auch bei Belagerungen.

Das von der Wehrtechnischen Dienststelle 41 der Bundeswehr in Trier zur Verfügung gestellte Flugplatzareal bietet den Wissenschaftlern hervorragende Versuchsbedingungen. Gemessen werden unterschiedliche Parameter wie Zielgenauigkeit, Reichweite, Schussfolge oder Durchschlagskraft. Die Historiker hoffen, aus den Ergebnissen präzisere Aussagen über den Fortschritt der römischen Militärtechnik, den Einsatz und die Leistungsfähigkeit der Geräte und somit auch über Schlachtenverläufe ableiten zu können.