15.12.2017 - 20:54:02

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)
Nachrichten > Ausgrabungen

Verlassenes mittelalterliches Dorf taucht wieder auf

Kategorie: Ausgrabungen
04.09.2015 -   LWL / AB

Wo sich heute unzählige Windräder drehen, war die hügelige Landschaft östlich des Dorfes Helmern bei Bad Wünnenberg schon vor vielen Jahrhunderten begehrt. Vor über 600 Jahren verließen die letzten hier ansässigen Familien ihr Dorf, das Bodene hieß. Auf die Siedlungsspuren sind jetzt die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) im Boden gestoßen.

Grabungsleiter Daire Leahy legt den Brunnen einer frühmittelalterlichen Hofstelle des Dorfes Bodene frei. Foto: LWL/S. Spiong

Grabungsleiter Daire Leahy legt den Brunnen einer frühmittelalterlichen Hofstelle des Dorfes Bodene frei. Foto: LWL/S. Spiong

Am Südrand des Dorfes sind sechs Pfostenlöcher einer Heuberge kreisförmig angelegt. Im Hintergrund ist die Reihe der doppelten Pfostenlöcher des Dorfzaunes zu sehen. Foto: LWL/S. Spiong

Am Südrand des Dorfes sind sechs Pfostenlöcher einer Heuberge kreisförmig angelegt. Im Hintergrund ist die Reihe der doppelten Pfostenlöcher des Dorfzaunes zu sehen. Foto: LWL/S. Spiong

Nachdem sich die Menschen, die hier viele Jahrhunderte ansässig waren, eine neue Heimat suchten, verfielen die Häuser oder wurden abgebaut. Das Land wurde wieder beackert - bis heute. Inzwischen ist die auch optisch beeindruckende Landschaft wieder für die Energiegewinnung ein gefragtes Nutzungsgebiet: Es sollen weitere Windräder entstehen. Bevor jedoch die Bauarbeiter anrücken, untersuchten jetzt die Archäologen unter der Fachaufsicht der LWL-Archäologie für Westfalen die Fläche. Die Spuren, die sie im Boden gefunden haben, geben interessante Einblicke in das mittelalterliche Dorf, das hier einst gestanden hat, und sein Alltagsleben.

So konnten die Ausgräber am Südrand der Siedlung noch die Standspuren eines Hof- und Dorfzaunes dokumentieren - zu erkennen an den Spuren der Pfosten im Boden. Auch die Pfostenlöcher einer Heuberge zeichneten sich noch deutlich unter der fruchtbaren Ackerkrume im gelben Lehmboden ab. Ein Brunnen versorgte die Hofbewohner mit Frischwasser. Auch dessen aus Steinen gemauerte Wände waren im Boden gut erhalten.

Die Voraussetzungen für die Bauern und eine fruchtbare Landwirtschaft waren also schon damals gut. Über mehrere Jahrhunderte hinweg blühte das Dorf. Ein überraschendes Ergebnis war für die Archäologen jedoch der recht frühe Beginn der Siedlung. LWL-Archäologe Dr. Sven Spiong hat Hinweise auf einen Siedlungsbeginn im 6., vielleicht sogar schon im 5. Jahrhundert: »Die Oberflächenfunde und die Keramikscherben aus dem damals schon fränkischen Rheinland zeigen, dass hier bereits 200 bis 300 Jahre vor dem großen Landesausbau im 8./9. Jahrhundert ein Dorf existierte.«

Bei der Auswertung des Grabungsplanes hoffen die Archäologen noch auf weitere Erkenntnisse wie einzelne Hausgrundrisse oder Hofareale.