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Unplatonische Liebeserklärung

Kategorie: Ausgrabungen
18.09.2009 -   DAI / CS

Ein bemerkenswerter Inschriftenneufund in Oinoanda/Lykien durch die Abteilung Istanbul des Deutschen Archäologischen Instituts.

Ein Mitglied des internationalen Forschungsteams mit einem der neu gefundenen, philosophischen Inschriftenfragmente (Copyright: Abt. Istanbul/DAI)

Ein Mitglied des internationalen Forschungsteams mit einem der neu gefundenen, philosophischen Inschriftenfragmente (Copyright: Abt. Istanbul/DAI)

Der Stadtberg von Oinoanda/Lykien von Süden (Copyright: Abt. Istanbul/DAI)

Der Stadtberg von Oinoanda/Lykien von Süden (Copyright: Abt. Istanbul/DAI)

Beispiel der philosophischen Inschriftensteine (Copyright: Abt. Istanbul/DAI)

Beispiel der philosophischen Inschriftensteine (Copyright: Abt. Istanbul/DAI)

Nach der letztjährigen Kritik an Platons Lehre von der Weltentstehung konnte bei der Forschungskampagne 2009 des Deutschen Archäologischen Instituts in Oinoanda unter der Leitung des Wissenschaftlichen Direktors der Abteilung Istanbul Martin Bachmann wiederum eine aufsehenerregende Inschrift gefunden werden. Erneut ist es der epikureische Philosoph Diogenes von Oinoanda: diesmal vermittelt er an seine liebeskranken Mitmenschen die Einsicht, daß der bloße Anblick des begehrten Menschen auch ohne Geschlechtsverkehr die höchste Lust bereitet; für den Liebesakt selbst ist es hingegen egal, ob er mit schönen oder mit häßlichen Körpern vollzogen wird - ein lebenspraktischer Rat zur Frustrationsvermeidung. Der ungewöhnliche Inhalt dieser Inschrift fügt sich in das umfangreiche, in Stein gehauene, philosophische Vermächtnis des Diogenes, zu dessen Enträtselung die neuen Ergebnisse des internationalen Forschungsprojekts in Oinoanda einen weiteren Beitrag leisten können.

Neben weiteren Inschriftenfragmenten des Diogenes zeigen andere epigrafische Neufunde, darunter eine rätselhafte Weihung an die Göttin Nemesis und Grabinschriften, die große Bandbreite dessen auf, was die Bergstadt in Lykien an schriftlichen Zeugnissen zu bieten hat. Die reiche Schriftkultur dieses Ortes wird vor dem Hintergrund einer genauen Dokumentation des Stadtgefüges und seiner Entwicklung untersucht. Auch hierzu konnte mit der erstmalig steingerechten Dokumentation des gesamten hellenistischen Stadtzentrums - der sog. Esplanade - ein wesentlicher Schritt geleistet werden.

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