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Très chic - Die Kleidung bei den Wikingern

Kategorie: Forschung
29.02.2008 -   CS / Uni Uppsala

Lebendige Farben und wallende seidene Bänder sind nicht unbedingt die Dinge, die man mit der Kleidung der Wikinger in Verbindung bringt. Die schwedische Archäologin Annika Larsson will nun mit diesem Vorurteil aufräumen. "Die Wikinger kombinierten orientalische und nordische Modebestandteile. Ihre Kleidung war dazu gedacht auch vorgezeigt zu werden." sagt die Forscherin. Sowohl Männer als auch Frauen legten demnach mehr Werte auf "Glamour" als man allgemein bisher annahm.

Männer- und Frauenkleidung der Wikingerzeit (Fotos: Annika Larsson)

Männer- und Frauenkleidung der Wikingerzeit (Fotos: Annika Larsson)

Annika Larsson hat sich in ihrer Dissertation an der Universität Uppsala mit den Textilfunden aus der Region um den Mälarsee beschäftigt. Sie konnte zeigen, dass sich die Mode während der Wikingerzeit (750 - 1050) änderte, vor allem unter dem Einfluss des Christentums ab dem späten 10. Jh. In dieser Zeit änderten sich auch Handelsrouten, weg von den orientalischen Märkten, hin zu den christlichen Handelspartnern in Byzanz und Westeuropa.

"Die Textilforschung kann uns mehr über die Gesellschaft der damaligen Zeit sagen, als die Erforschung alter Überlieferungen. Diese können auch eine sich wandelnde Gesellschaft überdauern, ein Abbrechen von Handelsbeziehungen aber hat sofortige Auswirkungen auf die Kleidung der Menschen.", glaubt Larrson. Sie behauptet, dass die Frauenkleidung der Wikingerzeit vor der Christianisierung wesentlich "provokanter" war, als die Forschung bisher glaubte. Allgemein wird angenommen, dass die Frauenkleidung aus einem einfachen Unterkleid und einem peplosartigen zweiteiligen Überkleid bestand, das durch zwei Broschen an den Schultern zusammengehalten wurde. Larsson glaubt jedoch anhand der Grabungspläne des wikingerzeitlichen Gräberfeldes von Birka zeigen zu können, dass die meisten Broschen in Brusthöhe lagen. Die Erklärung, dass die Schmuckstücke durch den Verwesungsprozess im Grab verlagert wurden, weisst die Archäologin zurück. Sie meint, dass die Broschen, genau wie in Fundlage zu sehen, auf Brusthöhe getragen wurden, um diese hervorzuheben.

Ihrer Meinung nach bestand die Frauenkleidung neben dem Unterkleid aus einem vorne offenen Stoff, einer Art Schleppe, die von Trägern gehalten und mit den Broschen befestigt wurde (siehe Abbildung). Mehrere Funde weiblicher Figurinen scheinen diese These zu bestätigen. Die archäologischen Funde insgesamt deuten jedoch darauf hin, dass mit dem Beginn der Christianisierung diese Mode verschwand. Zwei Erklärungen hält Larsson für dieses Phänomen für möglich: "Es ist leicht vorstellbar, dass die christliche Kirche Probleme mit der Kleidung hatte, die die weiblichen Brüste so akzentuierte. Oder aber diese Art der Kleidung war mit heidnischen Ritualen verbunden und deshalb nicht mehr angemessen."