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Spanische Goldmünze entdeckt

Kategorie: Ausgrabungen
09.06.2017 -   Kanton BS / CS

Die Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt legt anlässlich des Erweiterungsbaus im Stadtcasino Teile des Kreuzgangs aus dem 13./14. Jh. und des Friedhofs im Kreuzgarten des Barfüsserklosters frei. Bei den umfangreichen Rettungsgrabungen kam in einem Grab eine spanische Goldmünze zum Vorschein.

Goldener Escudo aus der Regierungszeit von Philipp III. zwischen 1615-1621 geprägt in Sevilla. (Foto Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung)

Goldener Escudo aus der Regierungszeit von Philipp III. zwischen 1615-1621 geprägt in Sevilla. (Foto Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung)

Ausgrabung des Friedhofs im Kreuzgarten des ehemaligen Barfüsserklosters (Foto Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung)

Ausgrabung des Friedhofs im Kreuzgarten des ehemaligen Barfüsserklosters (Foto Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung)

Es handelt sich um einen goldenen Escudo mit einem Gewicht von 3,4g. Er wurde in der Spätzeit der Regierung von Philipp III. (1578-1621) in Sevilla geprägt. Dieser Münztyp datiert in die Jahre 1615-1621. Aufgrund der verlässlichen Qualität dieser Münzen waren sie als standardisiertes Zahlungsmittel im internationalen Geldumlauf weit verbreitet. Möglicherweise gelangte die Münze unbemerkt mit dem ehemaligen Besitzer ins Grab.

Philipp III. gehörte zur spanischen Linie des Hauses Habsburg. Er herrschte im spanischen Weltreich, als es politisch bereits im Niedergang begriffen war, kulturell aber in höchster Blüte stand, was zur Bezeichnung als siglo d'oro, goldenes Zeitalter führte. Berühmte Maler wie Velàsquez, Zubarán oder El Greco, Literaten wie Cervantes, Calderón oder Tirso de Molina schufen in dieser Zeit ihre Werke.

Bei den Ausgrabungen im Kreuzgarten des Barfüsserklosters wurden bislang 240 Gräber und über 50 verlagerte Skelette freigelegt. Vom Säugling bis zur älteren Person sind alle Altersgruppen vertreten. In mehreren Massengräbern mit bis zu 7 Bestattungen waren wohl Opfer von Epidemien bestattet. Ein Zusammenhang mit den verheerenden Pestzügen des 16. und 17. Jh. ist anzunehmen. Ab 1528 gehörten Kreuzgang und Kreuzgarten zur neu gegründeten "Irrenanstalt", dem sogenannten Almosen. Anatomische Eingriffe – sechs aufgebohrte Schädel, sogenannte Trepanationen, sowie ein aufgeschnittener Schädel – weisen darauf hin, dass die Bestattungen in die Zeit nach der Reformation datieren. Auch mehrere Trachtbestandteile weisen einige der Bestattungen ins 17. Jahrhundert. Die Goldmünze ist ein weiteres Indiz für die eher junge Zeitstellung des Friedhofs.

Um 1250 n. Chr. bauten die Franziskaner das erste Barfüsserkloster. Rund 50 Jahre später wurde dieses durch einen Neubau ersetzt, von dem heute noch die Barfüsserkirche steht. Kreuzgang und zugehörige Klostergebäude befanden sich an der Stelle des Stadtcasinos. Bereits 1975 wurde zwischen Barfüsserkirche und Stadtcasino der Vorgängerbau der heute bestehenden Barfüsserkirche ausgegraben. Seine Langhauspfeilerfundamente sind im Sonderausstellungssaal des Historischen Museums Basel erhalten. Bei der Ausgrabung konnte nun auch die Frage nach der Lage des Kreuzgangs der ersten Barfüsserkirche geklärt und im Boden erhaltene Teile der Anlage untersucht werden.

Barfüsserkirche und Barfüsserplatz liegen heute im Zentrum von Grossbasel. Noch bis zur Mitte des 13. Jh. lag dieses Areal jedoch am Stadtrand. Im Areal haben stadtgeschichtlich bedeutsame Umgestaltungen, Erweiterungen, Um- und Neubauten stattgefunden. 1843 wurde der Kreuzgang abgerissen und an seiner Stelle ein Kaufhaus errichtet, das als Warenumschlagplatz und Zollstation diente. Dieses musste 1874 dem Bau des Musiksaals weichen. Vom Bau der zweiten Stadtmauer im 13. Jh., über die beiden mittelalterlichen Barfüsserkloster zum Almosen mit Friedhof bis hin zum Musiksaal, der wiederum auf dem ältesten Baubefund, der Stadtmauer steht, wurden hierbei alte Baulinien eingehalten.

Die Ausgrabungen im Musiksaal dauern noch bis Ende Juni. Danach folgen kleinere baubegleitende Untersuchungen im Bereich des Hans Huber-Saals.