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Säbelzahnkatzen aus Niedersachsen

Kategorie: Ausgrabungen
04.04.2014 -   NLfD / CS

Der Fundplatz Schöningen ist durch die Entdeckung der ältesten vollständigen Holzwaffen der Welt international bekannt geworden. Im aktuellen Heft der Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen stellen Forscher aus Deutschland und den Niederlanden die aktuelle Entdeckung von ebenfalls 300.000 Jahre alten Funden der europäischen Säbelzahnkatze (Homotherium latidens) aus der Fundstelle vor.

Funde der Säbelzahnkatze (Homotherium latidens) aus Schöningen 13 II. (Foto: V. Minkus. © Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege)

Funde der Säbelzahnkatze (Homotherium latidens) aus Schöningen 13 II. (Foto: V. Minkus. © Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege)

Detailaufnahme eines Zahns der Säbelzahnkatze aus Schöningen 13 II mit den sägeartig ausgeformten Zahnkanten. (Foto: V. Minkus. © Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege)

Detailaufnahme eines Zahns der Säbelzahnkatze aus Schöningen 13 II mit den sägeartig ausgeformten Zahnkanten. (Foto: V. Minkus. © Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege)

Die Funde stammen aus demselben Horizont wie die Speere und wurden in einem 2011 neu entdeckten Grabungsareal freigelegt. Die an dieser Stelle geborgenen Knochenreste und Steingeräte des Menschen weisen auf eine Fortsetzung des Pferdejagdlagers hin, das damit auf einer Länge von über 100 m an einem ehemaligen Seeufer nachgewiesen werden kann. Mit der Schöninger Entdeckung liegt der erste Fund von Homotherium latidens aus Norddeutschland vor und zugleich wird erstmals für Mitteleuropa die zeitgleiche Anwesenheit des frühen Menschen und der Säbelzahnkatze in einer archäologischen Fundschicht belegt. Die Schöninger Funde sind der jüngste gesicherte Beleg für die Säbelzahnkatze vor ihrem Aussterben in Mitteleuropa.

Die ausgezeichnet erhaltenen Raubtierreste bestehen bislang aus vier Zähnen und wenigen Knochen, die nach vorläufiger Untersuchung zu einem jungen erwachsenem Tier gehören. Die Säbelzahnkatze war mit einer Schulterhöhe von 1,1 m und einem Gewicht von ca. 200 kg ein beeindruckender Räuber. Sie hatte messerscharfe Krallen und das Gebiss war mit bis über 10 cm langen oberen Eckzähnen äußerst gefährlich.

Die Funde werfen ein neues Licht auf das Verhältnis des frühen Menschen zu den Raubtieren vor 300.000 Jahren. Es ist sehr gut möglich, dass sich früher Mensch und Säbelzahnkatze am Seeufer in Schöningen unmittelbar begegnet sind. Homo heidelbergensis hatte in diesem Fall nur eine Chance sich gegen diesen hoch gefährlichen Konkurrenten zu wehren: Er musste seine bis zu 2,3 m langen Holzspeere neben der Pferdejagd auch zur Verteidigung gegen die Raubtiere einsetzen. Vor diesem Hintergrund sind die Schöninger Speere und eine schwere Lanze als Jagd- und Verteidigungswaffen anzusehen, die das Überleben des Menschen in Mitteleuorpa vor 300.000 Jahren ermöglichten.

Die Grabungen werden an der Fundstelle fortgesetzt, und es ist gut möglich, dass zukünftig weitere Funde der Säbelzahnkatze helfen, das Verhältnis von frühem Mensch und Raubkatze noch genauer zu verstehen.

Publikation

Serangeli, J./ T. van Kolfschoten/ Nicholas J. Conard, 300.000 Jahre alte Funde einer Säbelzahnkatze
aus Schöningen – Die gefährlichste Raubkatze der Eiszeit erstmals für Norddeutschland belegt. Berichte
zur Denkmalpflege in Niedersachsen 1/2014, 10-12.