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RGZM gibt aus Raubgrabung stammende Antiken an Italien zurück

Kategorie: Denkmalschutz, Funde & Befunde
22.01.2015 -   RGZM / AB

Im Jahr 1978 plünderten Raubgräber in der Nähe von Laterza in Apulien ein 6.000 Jahre altes Steinkistengrab, die Funde gelangten in den Antikenhandel und schließlich in den Besitz des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM). Heute übergab Generaldirektor Falko Daim die Fundobjekte an den Generalkonsul der Republik Italien.

Die an Italien zurückgegebenen Objekte aus aus dem Steinkistengrab von Laterza. Bild: V. Iserhardt © Bildarchiv RGZM

Die an Italien zurückgegebenen Objekte aus aus dem Steinkistengrab von Laterza. Bild: V. Iserhardt © Bildarchiv RGZM

Übergabe des Jadeitbeils an den italienischen Generalkonsul Cristiano Cottafavi. Foto © RGZM

Übergabe des Jadeitbeils an den italienischen Generalkonsul Cristiano Cottafavi. Foto © RGZM

Die sieben Objekte – darunter ein kostbares Jadeit-Beil – wurden von Grabräubern in der Nähe von Laterza in Apulien entdeckt und gelangten 1986 über den Antikenhandel in den Besitz des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM). »Kulturgüterschutz ist eine wichtige nationale Aufgabe, der das RGZM nachkommt, indem es seine wissenschaftlichen Expertisen zur Verfügung stellt, um den Handel mit Gegenständen ohne Provenienz zu unterbinden« betonte Generaldirektor  Prof. Dr. Falko Daim im Rahmen einer Feierstunde zur Rückgabe der Objekte.

Die Bedeutung des Grabfundes resultiert vor allem aus dem spektakulären Jadeit-Beil, mit dem sich der Grabinhaber als herausragende Persönlichkeit seiner Zeit zu erkennen gibt. Zeremonial- und Ritualwaffen dieser Art charakterisieren eine Elite im ausgehenden 5. Jahrtausend, die, wie die Verbreitung dieser Beile zeigt, Kontakte über weite Teile Europas, von den Britischen Inseln, über Frankreich, Luxemburg, Deutschland und Süditalien pflegten. Insofern bringt dieser Grabkomplex auch die weit zurückreichenden Wurzeln des Europäischen Gedankens – und damit einhergehend, unsere Verantwortung für das gemeinsame archäologische Erbe –  sinnfällig zum Ausdruck.

»Die wertvollen Sammlungen im Land Rheinland-Pfalz sind von internationalem Rang. Unsere Sammlungen können nur dann ihren vollen Glanz entfalten, wenn kein Zweifel an der rechtmäßigen Erwerbung der einzelnen Sammlungsstücke besteht. Ich freue mich, dass sich das Römisch-Germanische Zentralmuseum mit so viel Engagement und Sorgfalt der Provenienzforschung widmet und wir heute auf Grundlage dieser Arbeit diese Stücke an die Republik Italien als rechtmäßige Eigentümerin übergeben«, erklärte der rheinland-pfälzische Wissenschaftsstaatssekretär Prof. Dr. Thomas Deufel.

Generalkonsul Cristiano Cottafavi vom Generalkonsulat der Italienischen Republik nahm die Objekte entgegen und bedankte sich beim RGZM. »Es ist mir eine große Ehre, als Vertreter des italienischen Staats an dieser feierlichen  Zeremonie der Übergabe teilzunehmen und möchte meine tiefste Anerkennung und Dankbarkeit an den Generaldirektor des Museums, Prof. Dr. Falko Daim aussprechen.«

»Museen sind wie die Archäologen dem Schutz des Kulturellen Erbes verpflichtet. Dazu gehört auch die Rückgabe von Funden, die illegal aus Raubgrabungen auf den Markt gelangt sind, an die Herkunftsländer. Hier hat bei den Museen vielfach ein Umdenken eingesetzt, das wir sehr begrüßen. Die heutige Rückgabe der Funde von Laterza ist in diesem Zusammenhang ein starkes, positives Signal auch in Hinblick auf vergleichbare Fälle«, betonte der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Prof. Dr. Eckart Köhne in seinem Grußwort.

Professor Egg verwies in seinem Vortrag darauf, dass beim Erwerb der Funde der Aspekt der Sicherung der wichtigen Objekte und Befunde im Vordergrund stand. Aus heutiger Sicht steht jedoch außer Zweifel, dass dieser herausragende Fundkomplex wieder nach Apulien zurückkehren muss.

Anlässlich der Rückgabe der Grabfunde sprach Dr. Michael Müller-Karpe über die verheerenden Auswirkungen des Handels mit archäologischen Funden zweifelhafter Herkunft, dem finanziellen Anreiz und Motor für Raubgrabungen und die dadurch bewirkte Zerstörung archäologischer Stätten. Es gelte diesen zerstörerischen Handel auszutrocknen. Daher könne der Ankauf solcher  Antiken, durch wen auch immer, keine Lösung sein.
»Die heutige Rückgabe des jungsteinzeitlichen Grabinventars an Italien ist zweifellos ein exemplarisches Beispiel für das Einverständnis zwischen zwei Institutionen. Es ist das große Verdienst des RGZM, die Rechtmäßigkeit der Rückgabe der Funde anerkannt zu haben, wofür ich mich bedanken möchte. Diese Anerkennung  gibt den Gegenständen einen ethischen Wert, der ihre archäologische und historische Bedeutung sogar noch übersteigt« erklärte Dott.ssa Francesca Radina von der Soprintendenza per i Beni Archaeologici della Puglia, die den Grabfund gemeinsam mit dem Generalkonsul entgegen nahm.