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Rekonstruierte Wandmalereien aus der Jungsteinzeit

Kategorie: Funde & Befunde, Ausstellungen
22.01.2016 -   LfD BaWü / CS

Die Archäologen und Restauratorinnen des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart präsentierten am 20.1.2016 im Dienstsitz Hemmenhofen ein sensationelles Ergebnis ihrer Arbeit: Sie haben ein großes Wandbild, das vor nahezu 6.000 Jahren im Bodensee untergegangen war, aus zahlreichen Fragmenten wieder zusammengebracht.

Rekonstruktion eines Teiles der Wand (© Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Rekonstruktion eines Teiles der Wand (© Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Diese Wandverzierung in Form weiblicher Brüste wurde bereits in den 90er Jahren von Taucharchäologen im Bodensee gefunden (© Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Diese Wandverzierung in Form weiblicher Brüste wurde bereits in den 90er Jahren von Taucharchäologen im Bodensee gefunden (© Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Der sieben Meter lange Bilderfries (© Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Der sieben Meter lange Bilderfries (© Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Seit gestern können sich auch Besucher der Touristikmesse CMT in Stuttgart am Stand des Landesamts für Denkmalpflege anhand von Fotos und erklärendem Textmaterial über die Wandmalereien, ihre Geschichte und die Rekonstruktionsarbeiten informieren.

Die spektakulären Funde, die auch plastisch geformte, fast lebensgroße weibliche Brüste umfassen, waren bereits 1990-1994 von den Taucharchäologen des Landesamtes in einer Pfahlbausiedlung bei Bodman-Ludwigshafen geborgen worden. Es handelt sich um die ältesten figuralen Wandmalereien nördlich der Alpen und – mit Ausnahme einiger weiterer Funde aus Sipplingen – um die einzigen bekannten Wandmalereien aus den zirkumalpinen Pfahlbauten.

»Wir wussten von Anfang an, dass wir es mit ganz außergewöhnlichen Funden zu tun haben, aber wir konnten sie lange nicht zusammenbringen und plausibel erklären. Nun wird klar: Wir haben ein monumentales Bild wieder gewonnen, das für die Religions- und Sozialgeschichte der mitteleuropäischen Jungsteinzeit von großer Bedeutung ist.«, erklärte Dr. Helmut Schlichtherle vom Dienstsitz in Hemmenhofen am Bodensee. Zu steinernen Stelen und Felsbildern des Alpenraumes, die allerdings mehr als 1.000 Jahre jünger sind, können Verbindungen aufgezeigt werden. Der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, Prof. Dr. Claus Wolf, sagte: »Es handelt sich um einen Fund von epochaler Bedeutung, der schlaglichtartig einen tiefen Einblick in die bislang kaum bekannte rituelle Sphäre der Pfahlbauten gibt.«

Die Auswertung der mehr als 2.000 Einzelfragmente war schwierig, doch im Zuge der Vorbereitungsarbeiten für die Große Landesausstellung »4.000 Jahre Pfahlbauten« gelang nun der Durchbruch. Es kann die Innenwand eines Pfahlbauhauses rekonstruiert werden, auf der mindestens sieben weibliche Gestalten mit erhobenen Händen dargestellt waren. Sie gehörten zu einem Gebäude besonderer ritueller Funktion. Die Malereifragmente wurden in der Dienststelle Hemmenhofen des Landesamtes für Denkmalpflege zu einem 7 Meter langen Bilderfries ergänzt.

Auf der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg »4.000 Jahre Pfahlbauten« werden die Funde 2016 erstmals in vollem Umfang der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Rekonstruktionen sollen einen der Höhepunkte der Ausstellung bilden, die vom 16. April bis 9. Oktober im Kloster Schussenried und im Federseemuseum Bad Buchau gezeigt wird.

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