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Rätselhafte Neuzeit

Kategorie: Ausgrabungen
28.05.2010 -   LWL / CS

LWL-Archäologen entdecken unbekannte technische Anlage

Die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben bei ihrer Ausgrabung in Porta Westfalica-Barkhausen (Kreis Minden-Lübbecke) eine unbekannte technische Anlage freigelegt. Weder die Experten von LWL noch von der Stadt und einer Telekommunikationsfirma können die Anlage erklären und bitten nun die Bürger um Unterstützung.

Porta Westfalica - Barkhausen: unbekannte technische Anlage (Foto:LWL/Best)

Porta Westfalica - Barkhausen: unbekannte technische Anlage (Foto:LWL/Best)

Bei der Ausgrabung auf dem Gelände der römischen Militäranlage in Barkhausen haben die Fachleute der LWL-Archäologie für Westfalen einen etwa 2,40 Meter mal 1,7 Meter großen und etwa 1,30 Meter tiefen Schacht freigelegt. Er war mit fünf 48 Zentimeter breiten und 16 Zentimeter dicken Betonplatten mit Griffen abgedeckt.

Nach dem Abheben der Abdeckung war zu sehen, dass zwei Kabel auf der Südostseite in den Schacht eintreten und auf der Nordwestseite wieder herausgeführt werden. Vier weitere Kabel treten in den Schacht ein und werden in einem großen Bogen in vier große Zylinder aus Metall geführt, die an der Südostwand auf dem Boden des Schachts befestigt sind. Sodann werden die Kabel im selben Kabelbaum wieder herausgeführt und verlassen den Schacht an der Nordwestseite. Den dazugehörigen Kabelgraben mit den sechs Kabeln haben die LWL-Archäologen schon 2008 entdeckt und konnten ihn auch während der Kampagne im vergangenen Jahr über die gesamte Grabungsfläche verfolgen. Die sechs parallel verlaufenden, etwa 3,5 Zentimeter dicken Kabel waren mit teergetränkten Stoffstreifen als Isolation umwickelt. Anwohner hatten dazu berichtet, dass es sich um Telefonkabel der englischen Besatzer handele.

Sowohl der Schacht als auch die Kabelführung sind bei der Stadtverwaltung von Porta Westfalica nicht bekannt. Ein Elektriker eines Stromversorgers und ein Experte vom LWL-Amt für Denkmalpflege, die den Befund vor Ort begutachteten, konnten die Funktion der Anlage nicht bestimmen und sagten, so etwas hätten sie noch nie gesehen. "Auch ich kann den Befund nicht interpretieren. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob es sich um eine Elektro- oder Telekommunikationsinstallation handelt" sagt Grabungsleiter Dr. Werner Best, "deshalb bitten wir nun die Bürgerinnen und Bürger um Hilfe. Wir möchten insbesondere wissen: Was für eine technische Anlage ist das? Wie alt ist sie? Wurde sie tatsächlich von den britischen Besatzern nach 1945 erbaut oder gehört sie noch in die Zeit des Zweiten Weltkrieges? Kann sich jemand an den Bau der Anlage erinnern?"

Grabungsleiter Dr. Werner Best ist ab Montag telefonisch unter 0521 - 5200250 oder per E-Mail unter werner.best(at)lwl.org zu erreichen.

Kommentare

Horn Thomas , 30.05.2010 14:11
Hallo!
Ich wuerde mal vermuten das es sich bei der obigen Anlage um einen Muffenschacht fuer TF-Kabel handelt.Diese wurden bei uns sowohl von der Reichspost als auch von der BP benutzt.
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Peter Kurzmann , 31.05.2010 18:37
Ich erkenne eine Fernmeldekabelverzweigung von 4 links unten eingehenden Kabeln. Die Verzweigungsstelle ist von einem verlöteten Bleimantel gegen Korrosion geschützt. Ein Vierer-Kabelsatz geht (vermutlich, da teilweise verdeckt) nach links, einer nach rechts.
Oben zwei getrennte Anflickungen an zwei von links kommenden Kabeln, die rechts zusammen weiterlaufen.
Die Anlage ist rezent, nicht einmal die Römer hatten so etwas.
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Dietmar Scheibe , 01.06.2010 12:20
Könnte es sich um Pupinspulen handeln?

Pupinspule, siehe elektrotechnische Fachliteratur und Wikipedia

Sind Elemente der analogen Fernleitungstechnik.
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N. Sparfeld , 01.06.2010 12:55
Die Anlage ähnelt Bauten der Post/Reichspost für Telefonleitungen. Konnte ähnliche Anlagen bei Brandenburg/Havel bei baubegleitenden Ausgrabungen beobachten.

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Hans G. Diederich , 02.06.2010 00:22
Hallo!

Zu Pupinisierung und Pupinspule siehe "Handwörterbuch des elektrischen Fernmeldewesens, Band 2, 1970.

Gruß
Hans G. Diederich
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Norbert Gilson , 10.06.2010 11:33
Die Vermutungen über verlötete Fernmeldekabel-Muffen (Bildmitte) und Pupin-Spulen (die Töpfe links im Bild) dürften die wahrscheinlichste Erklärung sein. Pupin-Spulen (= Induktivität) wurden bei Fernmelde-Weitstreckenkabeln eingesetzt, um das kapazitive Verhalten der Kabel zu kompensieren und dadurch die Dämpfung zu verringern. Bei den topfförmigen stehenden Pupin-Spulen handelt es sich möglicherweise um seltene Exemplare, vielleicht bedingt durch den Aufbau in der unmittelbaren Nachkriegszeit, evtl. auch mit englischem Material.
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