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Pfostenlöcher und Mauerreste in Paderborn

Kategorie: Ausgrabungen
27.04.2017 -   LWL / AB

Im Zuge von Bauarbeiten im nördlichen Teil der Paderborner Altstadt haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Spuren der mittelalterlichen Bebauung aus dem 12. Jahrhundert entdeckt. Bei der Begleitung der Bauarbeiten an der Stadtmauer, der sogenannten Heiersmauer, durch die Stadtarchäologie Paderborn kamen auf einem bisher als Garten genutzten Grundstück Bodenverfärbungen zum Vorschein. Hierbei handelt es sich um die Überreste einer mittelalterlichen Holzbebauung. Außerdem fanden die Archäologen Hinweise auf eine Werkstatt, in der Eisen verarbeitet wurde.

Dr. Sveva Gai, die Leiterin der der Stadtarchäologie Paderborn (3. v.l.), zeigt Pressevertretern die Überreste eines gemauerten Brunnens aus dem 12. Jahrhundert. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/N. Wolpert

Dr. Sveva Gai, die Leiterin der der Stadtarchäologie Paderborn (3. v.l.), zeigt Pressevertretern die Überreste eines gemauerten Brunnens aus dem 12. Jahrhundert. Foto: LWL-Archäologie für Westfalen/N. Wolpert

Anlass für die archäologische Entdeckung waren der Abriss und der geplante Neubau von Wohnhäusern an der »Heiersmauer«. Im Innenhof des bisherigen Gebäudekomplexes erstreckte sich eine etwa 1.500 Quadratmeter große Grünfläche. Hier soll nun eine Tiefgarage angelegt werden. »Jeder noch so kleine Bereich innerhalb der Paderborner Stadtmauer besitzt ein unglaubliches archäologisches Potential, vor allem wenn er - wie es hier der Fall ist - von neuzeitlichen Bodeneingriffen unberührt geblieben ist«, weiß die LWL-Archäologin Dr. Sveva Gai. »Der Untergrund hält sicherlich noch so manche Überraschung zu unserer Stadtgeschichte bereit.«

Die Fachleute hatten daher die Hoffnung, in diesem unbebauten Bereich an der Heiersmauer unversehrte Befunde aus dem Mittelalter zu finden. Während erste Untersuchungen im Vorfeld noch keine nennenswerten Ergebnisse geliefert hatten, kamen nun bei den Erdarbeiten zahlreiche Bodenverfärbungen zutage, die auf Pfostensetzungen von Holzhäusern hindeuten.

Mit Hilfe der ausgegrabenen Keramikscherben können die Fachleute die Anlage in das 12. Jahrhundert datieren. Damit ist die Bebauung etwa zeitgleich mit der Errichtung der Stadtmauer. Daneben fanden die Archäologen Reste eines gemauerten Ofens und eines steinernen Brunnens, der in seiner vollen Tiefe noch freizulegen sein wird. Der Brunnen war mit Schlackestücken verfüllt worden, die auf eine Eisen verarbeitende Werkstatt schließen lassen. »Deren Standort versteckt sich wahrscheinlich noch in der zu untersuchenden Fläche«, erläutert Robert Süße, der die Ausgrabung leitet. »Nur die weiteren Untersuchungen werden diese Frage klären.«

Mitverantwortlich für die sachgerechte Durchführung der Ausgrabungen sind die studentischen Volontäre der Stadtarchäologie Paderborn, Benedikt Brünnig und Stephan Eickmeier, die ein kleines Grabungsteam betreuen, das sich aus Praktikanten und durch das Jobcenter Paderborn vermittelten Arbeitskräften zusammensetzt.

Im Bereich der Paderborner Innenstadt finden die LWL-Archäologen immer wieder Siedlungsreste, die sich mitunter bis in die Zeit Karls des Großen zurückverfolgen lassen. Die Grabungen werden vermutlich noch bis Ende Juni andauern.