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Per Mausklick ins Papyrus-Archiv

Kategorie: Forschung
15.11.2002 -   Thilo Jordan

Kochrezepte und Zaubersprüche, Einkaufszettel, Briefe und Verträge: Papyrusfunde bieten faszinierende Einblicke ins Alltagsleben der Antike. Rund 2.300 Papyri lagern im Institut für Altertumswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In Zukunft können Forscher in der ganzen Welt diesen Bestand am Bildschirm einsehen.

Mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wird die Jenaer Sammlung in den nächsten zwei Jahren im Internet zugänglich gemacht. In das Projekt sind auch die Universitäten Halle und Leipzig einbezogen, deren Sammlungen weitere 5.200 Papyrustexte umfassen.

Eingescannt werden die historischen Dokumente in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB). Hier erfolgt auch die Verarbeitung der elektronischen Daten, die für die Internetpräsentation der Sammlungen nötig sind. "Die netzbasierte Erschließung von Papyrusbeständen ist ein Beispiel für die Informationsdienstleistungen, mit denen eine moderne Bibliothek die Forschung unterstützen kann", sagt ThULB-Direktorin Dr. Sabine Wefers, die das DFG-Projekt koordiniert.

Bisher war es um die Nutzungsmöglichkeiten der drei Papyrussammlungen nicht zum Besten bestellt: Die Bestände - zum größten Teil noch völlig unbearbeitet - konnten nur vor Ort eingesehen werden. Wissenschaftler von außerhalb mussten entweder anreisen oder umständliche Fotobestellungen in Kauf nehmen.

"Das entspricht nicht dem modernen Standard", macht der Jenaer Altphilologe Prof. Dr. Jürgen Hammerstaedt deutlich. "Vor allem die Universitäten in Deutschland und den USA setzen heute Maßstäbe, indem sie die Präsentation ihrer Papyrusbestände im Internet vorantreiben", erklärt Prof. Hammerstaedt und betont: "Unser Projekt ist das erste in Deutschland, das mehrere Papyrussammlungen über ein gemeinsames Internetportal zugänglich macht." Der Vorteil dabei: Fragmente, die ursprünglich zu ein und demselben Papyrus gehörten, aber später über die Sammlungen in Jena, Halle und Leipzig verstreut wurden, lassen sich mit einer gemeinsamen Suchfunktion einfacher aufspüren und einander zuordnen.

In einem halben Jahr sollen die ersten Papyrusblätter im Internet zu sehen sein.

 

Quelle: Uni Jena