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Panem et circenses: Neue Entdeckungen im römischen Carnuntum

Kategorie: Ausgrabungen, Forschung
31.03.2017 -   LBI ArchPro / CS

Die Forscher des Ludwig Boltzmann Instituts für archäologische Prospektion und virtuelle Archäologie (LBI ArchPro) und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) haben nach der Entdeckung der Gladiatorenschule 2011 nun auch das gesamte Stadtgebiet von Carnuntum östlich von Wien im Auftrag des Landes Niederösterreich mit Bodenradar durchleuchtet.

Überblick über Tavernen, Amphitheater und Gladiatiorenschule (© LBI ArchPro, 7reasons)

Überblick über Tavernen, Amphitheater und Gladiatiorenschule (© LBI ArchPro, 7reasons)

Keller im Tavernenbereich – Visualisierung (© LBI ArchPro, 7reasons)

Keller im Tavernenbereich – Visualisierung (© LBI ArchPro, 7reasons)

Neben dem Amphitheater haben die Wissenschaftler einen ganzen Stadtbezirk mit Bäckereien, Tavernen und Geschäften - die wesentliche Infrastruktur für die Durchführung römischer Spektakel - ohne Ausgrabung sichtbar gemacht. Verborgen unter der späteren Stadtmauer spürte das Radarsystem die Überreste eines aus Holz gebauten Amphitheaters auf. Es lag am Kreuzungspunkt der Straße entlang des Donaulimes und der direkten Verbindung nach Rom, gleich neben einem Tempel für die Quadriviae (römische Weggottheiten). Damit kann der frühen Geschichte des römischen Carnuntum ein weiteres Kapitel hinzugefügt werden, welches die Bedeutung von Brot und Spielen auch am Rand des Römischen Reichs deutlich macht.

Seit 2012 erkunden das LBI ArchPro und die ZAMG im Auftrag des Landes Niederösterreich gemeinsam mit internationalen Partnern das antike Stadtgebiet von Carnuntum mit eigens entwickelten hochauflösenden Magnetometern und Bodenradarsystemen. Der neu erstellte vollständige Plan macht erstmals alle im Untergrund verborgenen römischen Überreste nach Jahrtausenden wieder sichtbar.

Nach der Entdeckung der weltweit einzigartigen Gladiatorenschule haben die Messungen rund um das ausgegrabene Amphitheater der Zivilstadt nun auch einen eigenen Stadtbezirk mit der notwendigen Infrastruktur für die Durchführung der Gladiatorenspiele aufgedeckt. Der Weg zu den Spektakeln führte die Schaulustigen durch das Stadttor hinaus vorbei an Tavernen (tabernae), Souvenirgeschäften und Imbissstuben (thermopolia), wo Händler ihre Ware über straßenseitige Ladentheken zum Verkauf anboten und Wirtshäuser das Publikum zum Verweilen einluden. Hinter einer der Schenken entdeckten die Spezialisten vom LBI ArchPro ein Speichergebäude (horreum) und einen großen Ofen, in dem Brot für die bis zu 13.000 Zuschauer gebacken wurde. Der Wein und andere Lebensmittel lagerten in unterirdischen Kellern.

Nur 400 Meter vom ausgegrabenen Amphitheater entfernt - verborgen unter der späteren Stadtmauer der Zivilstadt - fanden die Archäologen den Grundriss eines älteren und bislang unbekannten Amphitheaters aus Holz. Es lag am Kreuzungspunkt der Straße entlang des Donaulimes und der Hauptverbindung nach Rom direkt neben einem freistehenden Tempel, der den Quadriviae geweiht war.

Ohne in den Boden einzugreifen hat die Auswertung der Messdaten der Geschichte von Carnuntum weitere spannende Kapitel hinzugefügt. Brot und Spiele hatten nicht nur in Rom eine große Bedeutung für die Unterhaltung der Massen, sondern über die Jahrhunderte auch in Carnuntum an der Donau, am Rand des römischen Reichs an der Grenze zu den Barbaren im Norden.