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Mehr als eine Königin

Kategorie: Forschung
08.01.2016 -   Uni Jena / AB

Erstellung des Sabäischen Wörterbuchs an der Universität Jena wird weiter gefördert

Berühmt geworden ist Saba vor allem durch seine sagenumwobene biblische Königin, von der man nicht einmal weiß, ob sie wirklich existiert hat. Ansonsten sind die Einwohner des „Glücklichen Arabien“, wie die Region in der Antike genannt wurde, vor allem als Händler von Weihrauch und Myrrhe bekannt.

Prof. Dr. Norbert Nebes von der Uni Jena – hier vor einem Bild des großen Tempels des sabäischen Hauptgottes Almaqah in Yeha (Tigray/Äthiopien) – leitet die Herausgabe des Sabäischen Wörterbuches. Foto: Anne Günther/FSU

Prof. Dr. Norbert Nebes von der Uni Jena – hier vor einem Bild des großen Tempels des sabäischen Hauptgottes Almaqah in Yeha (Tigray/Äthiopien) – leitet die Herausgabe des Sabäischen Wörterbuches. Foto: Anne Günther/FSU

Doch wer waren die Sabäer, die im 8. Jahrhundert v. Chr. ihre Karawanen ins Zweistromland und ans Mittelmeer schickten und ihren Göttern monumentale Tempel errichteten? Ein Schlüssel zu diesen Fragen liegt in der Sprache des südarabischen Volkes. Orientalistinnen und Orientalisten der Friedrich-Schiller-Universität Jena arbeiten deshalb seit drei Jahren an einem Sabäischen Wörterbuch. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die das auf neun Jahre angelegte Projekt bereits während des ersten Drittels unterstützte, hat jetzt eine weitere Förderung in Höhe von 635.000 Euro für die kommenden drei Jahre bewilligt.

»Das Sabäische ist der wichtigste unter den altsüdarabischen Dialekten mit den meisten Schriftzeugnissen und mit rund 1.600 Jahren die am längsten bezeugte Sprache auf der Arabischen Halbinsel vor dem Islam«, erklärt der Leiter des Projektes Prof. Dr. Norbert Nebes von der Universität Jena. »Es stellt ein zentrales Bindeglied zwischen den Kulturen des Alten Vorderen Orients und dem Islam dar.« Die Sabäer besiedelten den heutigen Jemen im Südwesten der Arabischen Halbinsel etwa zwischen 1.000 v. Chr. und 600 n. Chr. In der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends v. Chr. dehnten sie ihr Gebiet sogar bis ins Hochland von Äthiopien aus.

Hinterlassen haben die Sabäer Tausende von Inschriften, die meisten auf Stein, aber auch auf Holzstäbchen für den alltäglichen Gebrauch. Daran orientiert sich das Wörterbuch. »Das letzte Werk dieser Art erschien 1980«, berichtet der Jenaer Epigraphiker. »Mittlerweile ist aber durch zahlreiche archäologische Ausgrabungen in den letzten Jahrzehnten der Textbestand erheblich angewachsen. Unserem Wörterbuch, das erstmals alle bisher bekannten Wörter dieser Sprache einschließt, liegt eine Datenbank von ca. 10.000 altsüdarabischen Inschriften zugrunde, von denen mehr als 5.000 auf das Sabäische entfallen.« Das bietet den Vorteil, dass auf die einzelnen Wörter und Formen schnell und unkompliziert zugegriffen werden kann.

Ab 2016 werden erste Teile des Wörterbuchs online erscheinen

Die Mitarbeiterinnen Dr. Anne Multhoff, Mariam Kilargiani und Helen Wiegleb arbeiten die einzelnen Wörter nicht von A bis Z ab, sondern nehmen sich jedes einzelne Textkorpus, angefangen von den Widmungsinschriften und Kriegsberichten über die Bauinschriften und den Rechtstexten bis zu den Briefen auf Holzstäbchen, nacheinander vor. Dabei erhält der Nutzer sowohl Übersetzungsmöglichkeiten eines Wortes als auch den inhaltlichen Kontext. Dass die Forschergruppe die einzelnen Wörter nicht alphabetisch bearbeitet, hat einen weiteren Grund: Ihr Werk wird als Online-Wörterbuch erscheinen. Ab Mitte 2016 soll der Wortschatz aus dem Großteil der Widmungstexte im Internet zu finden und die bisher erfassten 1.200 Einträge für jedermann nutzbar sein. Dafür wurde ein Programmierer ins Team integriert. »Wir möchten unsere Arbeit allen unseren Kolleginnen und Kollegen weltweit unkompliziert und direkt zur Verfügung stellen – und das so aktuell wie möglich«, begründet Norbert Nebes diese Vorgehensweise. »Dank des Online-Wörterbuchs kann es zum einen schon während des Entstehungsprozesses genutzt und zum anderen immer wieder aktualisiert werden.« So können neben den Altertumswissenschaftlern auch Islamforscher und Alttestamentler den Sprachschatz nutzen. Darüber hinaus erhoffen sich die Forscher von der Universität Jena neue Erkenntnisse über die Sprache und Kultur der Sabäer und wollen dazu beitragen, dass man über diese antike Gesellschaft mehr weiß als nur die Geschichte ihrer legendären Königin.

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