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"Löwenmensch" vom Lonetal wird geklont

Kategorie: Funde & Befunde
22.03.2002 -   Thilo Jordan

Vor über 30.000 Jahren entstand auf der schwäbischen Alb eine Figur aus Mammutelfenbein, um die sich bis heute Mythen ranken. Die Rede ist vom Löwenmenschen, der im August 1939 bei Grabungen im Lonetal in der Höhle Hohlenstein-Stadel gefunden wurde.

Auf die Bruchstücke dieses Fundes stieß man dreißig Jahre später per Zufall in einem Museumsdepot. Und erst 1988 gelang es, die Bruchstücke zum Löwenmenschen endgültig zusammenzufügen, zur ältesten Tier-Mensch-Figur der Welt.

Der Löwenmensch weist Ähnlichkeiten mit Höhlenmalereien der Chauvet-Höhle im südfranzösischen Ardèche auf, die 1994 entdeckt wurden und aus derselben Zeit, dem Aurignacien stammen. Bemerkenswert ist der Umstand, dass die Figur aus einem nur äußerst schwer zu bearbeitenden Mammutstoßzahn geschnitzt wurde. "Die Bearbeitung des Elfenbeins mit dem damals gebräuchlichen Hornstein muss eine halbe Ewigkeit in Anspruch genommen haben", räumt Kurt Wehrberger ehrfurchtsvoll ein. Wehrberger ist Leiter der Archäologischen Sammlung im Ulmer Museum. Dort ist der Fund ausgestellt.

Da das Interesse am Löwenmenschen nicht nachlässt und am Ulmer Museum immer wieder Anfragen eintreffen, den paläolithischen Kunstschatz für archäologische Ausstellungen zu entleihen, möchte Wehrberger vom Löwenmenschen Repliken erstellen lassen, die er nach Frankreich, Italien, aber auch in die Vereinigten Staaten schicken kann. Um Beschädigungen am Original zu vermeiden, sollen an der FH Aalen naturgetreue Kopien des Löwenmenschen berührungslos hergestellt werden. Dieser Aufgabe haben sich Prof. Dr. Uwe Berger und Prof. Dr. Friedrich Klein an der Fachhochschule Aalen mit großem Interesse angenommen, sodass die Abbilder des Löwenmenschen bereits innerhalb weniger Tage dem Ulmer Museum zur Verfügung gestellt werden können. Computertomographie und Stereolithographie machen"s möglich.

Mit Hilfe der Computertomographie erhält man eine bis ins kleinste Detail genaue dreidimensionales Abbild der Firgur. "Mit dieser Methode kann man sogar die Nervenkanäle im Stoßzahn sehen", führt Stephan Tomaschko von der ARGE Metallguss zu dieser berührungslosen Messtechnik aus. Am Stereolithographen werden die Daten aus der Computertomographie dann auf dem umgekehrten Weg dazu verwendet, aus Harz wiederum Schicht für Schicht die naturgetreue Nachbildung des Originals zu erzeugen. Bereits nach wenigen Stunden ist eine Replik gefertigt, in der jeder kleineste Hohlraum des Originals nachgeformt ist.

 

Quelle: FH Aalen