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Hieroglyphen in Hamburg

Kategorie: Forschung
16.10.2008 -   Uni Hamburg / CS

Erste neue Grammatik des Ptolemäischen seit 100 Jahren

Prof. Dr. Dieter Kurth, emeritierter Leiter des Faches Ägyptologie an der Universität Hamburg, hat den zweiten, abschließenden Teil einer neuen und umfassenden Einführung in die Grammatik des Ptolemäischen fertig gestellt.

Diese Grammatik, deren didaktisch motivierter Aufbau sowohl für das Selbststudium als auch für den akademischen Unterricht geeignet ist, löst nun eine mehr als 100 Jahre alte ptolemäische Grammatik ab.

Das Ptolemäische ist die heilige Sprache der gelehrten Ägypter gewesen, in der vornehmlich die zahlreichen Tempelinschriften der griechisch-römischen Zeit verfasst sind. Dazu der Autor Prof. Kurth: "Das Ptolemäische ist ein künstliches Idiom priesterlicher Gelehrsamkeit und hebt sich von allen Sprachstufen des Ägyptischen durch beträchtliche Besonderheiten ab. Das zugehörige Schriftsystem ist in seiner Komplexität geradezu ein Musterbeispiel menschlicher Kreativität und Assoziationsfreude." Das Material für diese Grammatik stammt mehrheitlich aus den Inschriften des Tempels von Edfu. Diese zählen nach Umfang und Inhalt zu den wichtigsten Quellen aus der Zeit der Ptolemäerherrschaft in Ägypten (ab 305 v. Chr.). Sie geben eine überaus reiche Vielfalt von Informationen, unter denen diejenigen zur Religion dominieren, die aber auch die politische Geschichte, die Verwaltung und vieles andere mehr betreffen. Außerdem haben die Inschriften nicht nur für die Zeit eine Bedeutung, in der sie niedergeschrieben wurden, denn in ihnen wird u. a. auch Gedankengut tradiert, das bis in die ältesten Zeiten pharaonischer Geschichte hinabreicht.

Entstanden ist die neue Grammatik im Rahmen des bereits 1986 von Prof. Kurth gegründeten EDFU-Projektes. Hauptziel des Projektes ist es, eine in sich geschlossene, verlässliche Gesamtübersetzung aller Inschriften des Tempels von Edfu anzufertigen. Bis zum Ende des Jahres 2001 konnten für dieses Vorhaben erhebliche Drittmittel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeworben werden. Seit Anfang 2002 gehört das Projekt zum Programm der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen mit einer Laufzeit bis 2016.