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Haldensleben – schon in der Bronzezeit wichtiger Metallurgiestandort

Kategorie: Ausgrabungen
11.02.2011 -   LDA LSA / AB

Außer einer Gussform für bronzene Knopfsicheln kamen bei Ausgrabungen im Vorfeld von Industrieansiedlungen im künftigen Gewerbegebiet »Südhafen« innerhalb einer bronzezeitlichen Siedlung dicht an dicht gesetzte Pfostenlöcher zum Vorschein. Die Befunde deuten auf eine über 200 m lange Palisade hin, deren Zweck vorerst unklar bleibt. Möglicherweise wurden sie errichtet, um ein Handwerkerviertel abzugrenzen, vermuten Archäologen des Landesamtes Sachsen-Anhalt.

Teil einer bronzezeitlichen Gussform aus Sandstein zur Herstellung von Knopfsicheln. Foto © LDA Sachsen-Anhalt

Teil einer bronzezeitlichen Gussform aus Sandstein zur Herstellung von Knopfsicheln. Foto © LDA Sachsen-Anhalt

Archäologe Torsten Wagner mit einem bronzezeitlichen Gefäß. Foto © LDA Sachsen-Anhalt

Archäologe Torsten Wagner mit einem bronzezeitlichen Gefäß. Foto © LDA Sachsen-Anhalt

Das Gewerbegebiet »Südhafen« der Stadt Haldensleben, Bördekreis kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Schon im 4. vorchristlichen Jahrtausend nutzte man Teilbereiche des heutigen Gewerbestandortes als Bestattungsplätze. Erneut erstattete man vor mehr als 3.000 Jahren seinen Verstorbenen an dieser Stelle die letzte Ehre: Hier befand sich zum zweiten Mal ein Friedhof. Jetzt, während der sogenannten Jungbronzezeit, trat
die viele Jahrhunderte lang praktizierte Körperbestattung zugunsten der Brandbestattung vollkommen in den Hintergrund. In Keramikurnen deponiert, legte man den Leichenbrand im Boden nieder.

Neben den Hinweisen auf den Tod liegen vor allem Zeugnisse des damaligen Lebens im Boden verborgen. Seit Mitte letzten Jahres führt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt innerhalb des über 30 ha großen Gewerbestandortes archäologische Dokumentationen durch. Dabei kam eine mehrere Hektar große Siedlung der bereits erwähnten ausgehenden Bronzezeit (ca. 1.000 v.Chr.) zutage. Dies zeigen zahlreiche
Hausgrundrisse an. Von den in Pfostenbauweise errichteten Langhäusern blieben vor allem die Fundamentgruben der Wand und der Pfosten erhalten. Darüber hinaus belegen dicht an dicht gesetzte Pfosten – in Art einer Palisade –, dass innerhalb der Ansiedlung abgegrenzte Bereiche bestanden. Gab es in dieser dörflichen Niederlassung besonders Schützenswertes oder trennte man möglicherweise ein Handwerkerviertel ab? Eine in großen Teilen erhalten gebliebene, aus Sandstein gefertigte zweiteilige Gussform belegt, dass vor Ort innerhalb des Areals des zukünftigen Gewerbegebietes Südhafen metallverarbeitendes Gewerbe ansässig war. Mit der während der letzten Wochen geborgenen Gussform wurden so genannte Knopfsicheln hergestellt. Hitzeeinwirkungen an der steinernen Gussmodel deuten an, dass diese Form dem direkten Metallguss diente und nicht für Zwischenschritte – Wachsmodell – eingesetzt worden war. Sicheln nutzte man während der Bronzezeit als Arbeitsgerät; eine Schäftung – vermutlich aus Holz – war hierzu notwendig. Warum die jungbronzezeitliche Siedlung aufgegeben worden war, bleibt zunächst unklar.

Doch das Gelände fiel nicht in Vergessenheit – rund 1.000 Jahre später, um Christi Geburt, verbrannte man hier erneut die Toten auf Scheiterhaufen. Dabei traten die Verstorbenen ihre letzte Reise ins Jenseits prächtig bekleidet an. Einige waren statusgemäß auf einem Bärenfell gebettet, wie Reste von erhalten gebliebenen Krallen zeigen, und mit luxuriösen römischen Silbergefäßen umgeben. Hiervon zeugen Schmelzreste, die sterbliche Hülle verging hingegen im Feuer. Die hier im Bereich des Südhafens geborgenen Gräber, die im Juli 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, zählen zu den reichsten der frühen römischen Kaiserzeit des freien Germaniens. Durch die Grabungen im Raum Haldensleben, wie hier im Gewerbegebiet »Südhafen«, wird so die mehrere Jahrtausende umfassende Siedlungsgeschichte der Region immer besser bekannt und durch bedeutende Funde bereichert.

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