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Große Förderung für die Ausgrabungen auf dem Hemmaberg

Kategorie: Forschung
07.10.2016 -   ÖAI / AB

Der österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) finanziert je ein Projekt am Landesmuseums Kärnten und am Österreichischen Archäologischen Institut an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Projekte befassen sich mit der Erforschung der völkerwanderungszeitlichen Siedlung auf dem Hemmaberg und der zeitgleichen Talsiedlung Iuenna bei Globasnitz in Südkärnten. Die Untersuchung von menschlichen Skeletten wird neue Erkenntnisse zu den Lebensbedingungen der Menschen in der Zeit des Übergangs von der Römerzeit zum frühen Mittelalter (5./6. Jh.) bringen. Zudem bietet die durchgehende Nutzung des Hemmabergs vom 2. Jahrtausend v.Chr. bis ins 7. Jahrhundert n.Chr. die Möglichkeit, die Veränderungen des Kults im heidnischen Gipfelheiligtum über einen längeren Zeitraum zu beobachten und den Übergang zum Christentum näher zu beleuchten.

Luftaufnahme des Hemmabergs. Foto: Landesmuseum Kärnten

Luftaufnahme des Hemmabergs. Foto: Landesmuseum Kärnten

Künstliche Schädelumformung aus dem Gräberfeld aus der Zeit der Ostgotenherrschaft in Globasnitz-Iuenna. Foto: Franz Glaser

Künstliche Schädelumformung aus dem Gräberfeld aus der Zeit der Ostgotenherrschaft in Globasnitz-Iuenna. Foto: Franz Glaser

Dreifachbestattung mit Opfer einer Verstümmelung aus dem Gräberfeld aus der Zeit der Ostgotenherrschaft in Globasnitz-Iuenna. Foto: Franz Glaser

Dreifachbestattung mit Opfer einer Verstümmelung aus dem Gräberfeld aus der Zeit der Ostgotenherrschaft in Globasnitz-Iuenna. Foto: Franz Glaser

Das Leben am Übergang von der Römerzeit zum frühen Mittelalter

Der Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung in Österreich (FWF) genehmigte die Finanzierung von zwei Projekten zur Erforschung der völkerwanderungszeitlichen Siedlung auf dem Hemmaberg und der zeitgleichen Talsiedlung Iuenna bei Globasnitz in Südkärnten.

Die Ausgrabungen des Landesmuseum Kärnten legten in den letzten Jahrzehnten auf dem Hemmaberg ein frühchristliches Pilgerheiligtum und im Tal an der Straßenstation Iuenna ein Gräberfeld aus der Zeit der Ostgotenherrschaft (536 – 593) frei. Eine der beiden Doppelkirchenanlagen auf dem Hemmaberg ist der katholischen, römischen Christengemeinde, die andere der arianischen, ostgotischen Christengemeinde zuzuweisen, wie dies auch in Ravenna, der damaligen Hauptstadt des weströmischen Reiches der Fall ist. Im Gräberfeld waren unter anderem Personen mit künstlicher Schädelumformung bestattet, welche die Ostgoten einst im südrussischen Raum von den Hunnen, einem mongolischen Volk, übernommen hatten.

Dr. Michaela Binder, Bioarchäologin am Österreichischen Archäologischen Institut, wird im Rahmen eines Hertha Firnberg-Stipendiums die menschlichen Skelette analysieren: »Neben dem Alter und Geschlecht lassen sich Krankheiten, Ernährung, Herkunft, Verwandtschaft oder körperliche Aktivität auch noch viele Jahrhunderte nach dem Tod aus den Knochen ablesen und Hinweise auf die soziale Stellung gewinnen. Dadurch werden wir erstmals ein umfassendes Bild vom Leben der Menschen in den Ostalpen zur Zeit der Völkerwanderung erhalten.«

Kontinuität und Wandel des Kults im Gipfelheiligtum

Die Ausgrabungen auf dem Hemmaberg umfassen nicht nur frühchristliche Bauwerke. Jüngste archäologische Ausgrabungen des Landesmuseums Kärnten zeigen, dass das Plateau vom 2. Jahrtausend v. Chr. bis ins 7. Jahrhundert n.Chr. durchgehend genutzt wurde. Dr. Josef Eitler: »Die außergewöhnliche Fülle an Fundmaterial des genannten Zeitraumes wird Aufschluss über den Wandel der heidnischen Kulte und Kultgebräuche sowie der Sakralbauten des Gipfelheiligtums geben. Außerdem soll die Veränderung des Platzes durch das Aufkommen des Christentums analysiert werden. Gezielte Ausgrabungen wurden bereits durch die Ergebnisse von Bodenradar vorbereitet.«

Das Österreichische Archäologische Institut ist als nationaler Forschungspartner für die Bearbeitung der Tierknochen verantwortlich. Die tierischen Reste geben nicht nur Aufschluss über die Art der Tierhaltung und die Ernährungsgewohnheiten der Bewohner, sondern können auch Veränderungen in den Opfergebräuchen sichtbar machen