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Glockenbecher-Gräber im Salzlandkreis

Kategorie: Ausgrabungen
03.05.2017 -   LDA LSA / AB

Ein kleines Gräberfeld der Glockenbecherkultur (3. Jahrtausend v.Chr.) kam bei archäologischen Ausgrabungen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt nahe Könnern-Cörmigk im Salzlandkreis ans Tageslicht.

Aufgereiht von Süd nach Nord liegen drei Steinkisten. Parallel dazu sind westlich weitere Grabgrubenverfärbungen zu erkennen. © LDA Sachsen-Anhalt, Foto: Thomas Kubenz

Aufgereiht von Süd nach Nord liegen drei Steinkisten. Parallel dazu sind westlich weitere Grabgrubenverfärbungen zu erkennen. © LDA Sachsen-Anhalt, Foto: Thomas Kubenz

Der Leichnam wurde in der Steinkiste auf der linken Seite liegend und mit angewinkelten Beinen bestattet. Vor der Brust deponierte man ein Keramikgefäß. © LDA Sachsen-Anhalt, Foto: Thomas Kubenz

Der Leichnam wurde in der Steinkiste auf der linken Seite liegend und mit angewinkelten Beinen bestattet. Vor der Brust deponierte man ein Keramikgefäß. © LDA Sachsen-Anhalt, Foto: Thomas Kubenz

Im Zuge des Neubaus einer Fernwasserleitung zwischen Dohndorf und Bernburg-Ost finden seit Herbst 2016 archäologische Untersuchungen durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt statt. Nachdem zunächst die Anzahl und Art der Kulturdenkmale im Trassenverlauf durch Voruntersuchungen ermittelt wurde, werden nun 17 Fundstellen auf gut 30.000 m² Untersuchungsfläche dokumentiert. Die Grabungen haben Mitte März 2017 begonnen und werden voraussichtlich Anfang Juli abgeschlossen. Projektleiterin ist Frau Dr. Susanne Friederich, örtlicher Grabungsleiter Herr Thomas Kubenz. Insgesamt sind derzeit 14 Mitarbeiter beschäftigt.

Bereits in der Voruntersuchung der derzeit ergrabenen Fundstelle 12 in Cörmigk wurden eine Steinkiste und mehrere Gruben aufgedeckt. Daraufhin wurde im 2. Dokumentationsabschnitt die Fundstelle auf rund 1.600 m² geöffnet und ein kleines Gräberfeld der Glockenbecherkultur, einer Kultur der späten Jungsteinzeit in der 2. Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr., freigelegt und dokumentiert. Benannt ist die Kultur, die in ganz Westeuropa Verbreitung fand, nach der typischen Keramikform: einem Becher, dessen Form umgedreht an eine Glocke erinnert.

Insgesamt wurden sechs Einzelgräber dokumentiert. Wahrscheinlich gab es ehemals mehr Gräber, die aber auf Grund der schlechten Erhaltung nicht sicher anzusprechen sind. Die Gräber waren in zwei parallelen Reihen perlschnurartig angelegt. Alle weisen eine Nord-Süd-Ausrichtung auf, sie sind langrechteckig und haben annähernd die gleichen Ausmaße (1,00 bis 1,30 m Länge und 0,60 bis 0,80 m Breite). Drei der sechs Gräber wurden als Steinkisten aus sorgfältig gesetzten, flachen Steinplatten angelegt. In allen Gräbern fanden sich ein bis zwei Keramikgefäße als Beigabe. In zwei Gräbern haben sich menschliche Knochen erhalten. Eines der Skelette lag in Hockerlage auf seiner linken Körperseite, mit dem Kopf im Norden und dem Blick somit nach Osten. Dies ist in der Glockenbecherkultur die typische Bestattungshaltung für Männer, während Frauen auf ihrer rechten Körperseite und mit dem Kopf im Süden, also ebenfalls mit Blick nach Osten, bestattet wurden.