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Gladiatorenschule durch Einsatz von Bodenradar entdeckt

Kategorie: Forschung
09.09.2011 -   Arch. Park Carnuntum / CS

Einem internationalen Team vom Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI-ArchPro) gelang in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Park Carnuntum durch den Einsatz modernster Bodenradargeräte eine sensationelle Entdeckung. In wenigen Stunden Messeinsatz konnten die Reste einer in ihrer Vollständigkeit und Größe international einzigartigen Gladiatorenschule entdeckt werden.

Plan der einzelnen Bereiche nach den Bodenradarmessungen durch das Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (Abb. LBI ArchPro)

Plan der einzelnen Bereiche nach den Bodenradarmessungen durch das Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (Abb. LBI ArchPro)

3D-Rekonstruktion der Galdiatorenschule von Carnuntum von oben (Abb. M.Klein / 7reasons)

3D-Rekonstruktion der Galdiatorenschule von Carnuntum von oben (Abb. M.Klein / 7reasons)

Rekonstruierter Blick in den Innenhof der Gladiatorenschule  mit der Trainingsarena (Abb. M.Klein / 7reasons)

Rekonstruierter Blick in den Innenhof der Gladiatorenschule mit der Trainingsarena (Abb. M.Klein / 7reasons)

Durch die Förderung der Erforschung von Österreichs größter archäologischer Landschaft Carnuntum setzt das Land Niederösterreich weltweit sowohl im wissenschaftlichen Bereich, als auch im Präsentations- und Vermittlungsbereich neue Maßstäbe in der Konservierung und Präsentation von archäologischen Stätten. Die neu entdeckte Gladiatorenschule als Ausbildungs- und Wohnstätte von Gladiatoren beim Amphitheater der Zivilstadt von Carnuntum (Petronell-Carnuntum) ist an Deutlichkeit der erfassten Baustrukturen derzeit nur mit dem Amphitheatrum Flavium und dem Ludus Magnus von Rom zu vergleichen.

In seiner Vollständigkeit und Dimension ist dieser sensationelle archäologische Befund, der mit modernsten zerstörungsfreien Methoden zu Tage gebracht werden konnte, derzeit jedoch weltweit einzigartig. Die Entdeckung ist einem hochkarätigen Forscherteam zu verdanken. Experten des Landes und des Ludwig Boltzmann-Institutes konnten mit zerstörungsfreien Radargeräten und neuester Technologie aus Niederösterreich - ohne Ausgrabungen vornehmen zu müssen - die bis heute im Boden erhaltene Gladiatorenschule am Computerbildschirm wieder sichtbar machen.

Die neu entdeckte Gladiatorenschule wird auch unmittelbar ins Vermittlungsprogramm des Archäologischen Parks Carnuntum aufgenommen. Als virtuelle Animation ist der Fund im Besucherzentrum Petronell zu sehen, durch die Einbindung in das maßstabsgetreue Gesamtmodell von Carnuntum wird der historische Zusammenhang mit der Stadt begreifbar, und durch geführte Touren können die Besucher die Gladiatorenschule im Gelände erahnen. Darüber hinaus wurde eine kostenfreie Smartphone-App entwickelt, mit der Interessierte die Gladiatorenschule direkt im Gelände auf dem Smartphone verfolgen können. Zusätzlich ist die Aufstellung eines Landschaftsfensters mit einem Blick auf das ehemalige Aussehen der Gladiatorenschule im Gelände geplant.

Der Archäologische Park Carnuntum – an der Donau zwischen Wien und Bratislava – liegt inmitten der größten archäologischen Landschaft Mitteleuropas und ist ein unverzichtbarer Teil des kulturellen Erbes Niederösterreichs mit seinen unzähligen historischen Baudenkmälern. Die römische Stadt Carnuntum war einst eine pulsierende Metropole mit rund 50.000 Einwohnern auf etwa 10 km2. Nun wurde die antike Stadt zum Leben erweckt: 1700 Jahre später entsteht aus den Ruinen wieder die einstige Pracht. Der Archäologische Park Carnuntum wurde im Rahmen eines groß angelegten Investitionsprojekts des Landes Niederösterreichin den vergangenen Jahren zu einer international bedeutsamen kulturtouristischen Stätte ausgebaut. Weltweit einmalig wurden in Carnuntum die wesentlichen Architekturtypen eines römischen Stadtviertels im historischen Kontext rekonstruiert: ein Bürgerhaus, eine prächtige Stadtvilla und eine öffentliche Thermenanlage. Alle Grundrisse und Ausstattungsdetails sowie die Straßenniveaus des Stadtviertels sind einer einzigen Zeitepoche zuzuordnen. Dadurch wird ein einmaliges Zeitfenster in die ersten drei Jahrzehnte des 4. Jh. n. Chr. eröffnet.

Neben den Wiederaufbauten begeistert der Archäologische Park Carnuntum auch durch weitere Standorte, die einen vertiefenden Einblick in die antike Siedlungsstruktur bieten: Die Ruinen zweier römischer Amphitheater sind ebenso zu besichtigen wie die erhaltenen Strukturen von Österreichs größtem Baudenkmal aus der Römerzeit: dem Heidentor. Es liegt außerhalb der Stadtmauer der Zivilstadt und war einst ein Triumphbau für Kaiser Constantius II. Das Museum Carnuntinum als größtes österreichisches Römermuseum wiederum zeigt die spektakulärsten Fundstücke der antiken Metropole an der Donau.