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Einstieg in stockdunkle Tiefen

Kategorie: Ausgrabungen
22.04.2016 -   LWL / CS

Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben in Schwelm (Ennepe-Ruhr-Kreis) einen bisher unbekannten Stollengang entdeckt. Bei Tiefbauarbeiten im Baugebiet Winterberg war überraschend der Zugang zu dem Stollengang unter der Baggerschaufel aufgetaucht.

Beengt ging es bei den Untersuchungen im Stolleninneren zu. Zusätzlich wusste das Archäologenteam nicht, was am Ende der Dunkelheit zu erwarten war. (Foto: LWL/Zeiler)

Beengt ging es bei den Untersuchungen im Stolleninneren zu. Zusätzlich wusste das Archäologenteam nicht, was am Ende der Dunkelheit zu erwarten war. (Foto: LWL/Zeiler)

Überraschend kam dieser Stolleneingang bei Tiefbauarbeiten in einem Baugebiet in Schwelm zum Vorschein. (Foto: LWL/Zeiler)

Überraschend kam dieser Stolleneingang bei Tiefbauarbeiten in einem Baugebiet in Schwelm zum Vorschein. (Foto: LWL/Zeiler)

Die Baufirma sicherte sofort den Fundort und verständigte den LWL. Dr. Manuel Zeiler ist in der Außenstelle in Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen Fachmann für die Relikte des Bergbaus in der Region: "Keine Chronik, kein Plan, keine historische Quelle weiß etwas von der Existenz dieses Stollens."

Waldemar Seboldt von der Tiefbaufirma entdeckte den Überraschungsfund. Dann rüsteten sich die Archäologen so schnell wie möglich mit allem aus, was für die Erkundung des unbekannten Ganges erforderlich war. Dabei ging es vor allem um die Dokumentation des Stollens. Mit Fotoapparaten, Blitzgeräten und Vermessungsgeräten stieg das Erkundungsteam schließlich in die unbekannte Dunkelheit ein. Dort ging es vor allem in gebückter Haltung langsam voran.

Was die Archäologen hier zu sehen bekamen, gibt noch Rätsel auf. Etwa 50 Meter lang ist der unterirdische Gang, der eine Abbiegung aufweist. "Hier befindet sich nur Schiefergestein, es ist nirgendwo ein Hinweis auf Vererzungen", resümiert Zeiler.

Auch die Gestalt des Stollens ist ungewöhnlich unregelmäßig und kleindimensioniert: Er ist zumeist unter 1,6 Meter hoch, wird an manchen Stellen enger, an anderen umgeht er gezielt besonders harte Partien im Gestein. Die Archäologen konnten Vortriebsspuren dokumentieren: Löcher, in denen Schwarzpulver für Sprengungen platziert wurde. Damit sind auch Anhaltspunkte für das mögliche Alter der Anlage gefunden. Erst im 20. Jahrhundert wurde Schwarzpulver durch andere Stoffe als Sprengstoffe abgelöst. Die Anlage muss also vorher entstanden sein, frühestens im 18. Jahrhundert, als Schwarzpulver sich untertage durchsetzte.

Mit dem sogenannten Hängezeug konnten die Forscher den Stollen in seinen Ausmaßen dokumentieren. Dabei werden mittels einer gespannten Schnur und angehängtem Winkel sowie Kompass Fluchten bestimmt und danach zu einer Gesamtkartierung zusammengefügt. "Fest steht, dass der Stollen im bergmännischen Verfahren entstanden ist, aber sicherlich nicht zur Gewinnung von Erz diente. Ein Stollen mit so einem unregelmäßigen Verlauf bei gleichzeitig so geringer Höhe ist im 18. Jahrhundert untypisch im Bergbau", schildert Dr. Manuel Zeiler. Welche Funktion er genau hatte, lässt sich noch nicht erschließen. Die Archäologen werden jetzt ihre Daten auswerten und dabei vielleicht der einstigen Funktion des Stollens auf die Spur kommen.