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Einigung zur Sphinx von Hattuscha

Kategorie: Aus aller Welt
20.05.2011 -   SMB / CS

Heute wurden in Berlin die deutsch-türkischen Expertengespräche zur hethitischen Sphinx abgeschlossen. Dabei ist vereinbart worden, die über dreitausend Jahre alte, bruchstückhaft erhaltene Skulptur, die sich seit 1934 im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel Berlin befindet, als Geste der deutschtürkischen Freundschaft an die Türkei zu übergeben.

Das Sphinx-Tor von Hattuscha in seinem heutigen Zustand (Foto: Rita1234; CC BY-SA 3.0)

Das Sphinx-Tor von Hattuscha in seinem heutigen Zustand (Foto: Rita1234; CC BY-SA 3.0)

Der Transfer soll bis zum 28. November 2011 erfolgen. An diesem Tag jährt sich zum 25. Mal die Aufnahme Hattuschas, dem Auffindungsort des Objekts, in die Unesco- Welterbeliste. Die Übergabe ist der Auftakt für eine Reihe von Maßnahmen zur Intensivierung der deutsch-türkischen Zusammenarbeit von Museen und bei archäologischen Vorhaben.

Beide Seiten stimmen darin überein, dass es sich bei der Skulptur um einen Einzelfall handelt, der nicht mit anderen Fällen vergleichbar ist. Die rechtliche Einschätzung der Eigentumslage ist auf deutscher und türkischer Seite immer unterschiedlich gewesen, weil keine der Parteien ihre rechtliche Position durch Dokumente eindeutig belegen konnte. „Als besonderes Zeichen der Verbundenheit beider Länder hat sich die SPK zu dieser freiwilligen Geste entschlossen“, erklärte Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK). „Ich freue mich sehr darüber, dass diese Einigung den Weg frei macht für eine langfristige Zusammenarbeit neuer Qualität auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet. Davon werden beide Seiten enorm profitieren.“

Die Sphinx stammt aus einer Toranlage der hethitischen Hauptstadt Hattuscha (heute Bogazköy) und wird auf den Beginn der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. (14./13. Jh.) datiert. Die Bruchstücke wurden 1907 bei türkischen Grabungen, an denen deutsche Archäologen beteiligt waren, gefunden und waren damit nicht von den damals für deutsche Grabungen geltenden Fundteilungen betroffen. 1915/1917 wurden Bruchstücke dieser Sphinx sowie einer weiteren und 10.000 hethitische Tontafeln zur Restaurierung und wissenschaftlichen Bearbeitung an das Vorderasiatische Museum nach Berlin geschickt.

Die beiden Sphingen der Toranlage wurden in stark zerstörtem Zustand gefunden, durch Brandeinwirkung waren sie in zahlreiche Einzelstücke zersprungen. Die Skulpturenfragmente wurden in den 1920er Jahren in Berlin wieder zusammengesetzt, größere Partien waren jedoch unwiederbringlich verloren und mussten durch Gips ergänzt werden. Die besser erhaltene Sphinx wurde 1924 nach Istanbul zurückgegeben, zusammen mit den ersten Tontafeln, die damals bereits bearbeitet, gereinigt und restauriert worden waren, und befindet sich heute im Archäologischen Museum Istanbul. Die zweite, weniger gut erhaltene Sphinx wurde zusammen mit der Kopie des Istanbuler Gegenstücks im Pergamonmuseum aufgestellt. Unklar blieb bis heute, ob der Verbleib dieser zweiten Figur mit der türkischen Seite vereinbart war. Erstmals wurde die Übergabe auch dieser zweiten, in Berlin befindlichen Sphinx 1938 gefordert. 1987 wurden die restlichen 7.000 Tontafeln, die kriegsbedingt in Berlin verblieben waren, von der damaligen Regierung der DDR an die Türkei übergeben. Nach der Wiedervereinigung intensivierte die Türkei ihre Bemühungen hinsichtlich der in Berlin verbliebenen Sphinx.

Kommentare

Max Schilling , 31.05.2011 10:45
wenn man das so liest, wird es wohl auch absehbar sein, dass Nofrete nach Ägypten in eine unsichere Zukunft abgegeben wir. Wer kümmert sich eigentlich um die archäologischen Schätze, die die Russen und Amerikaner nach dem Krieg sich einverleibt haben !
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