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Einer der besterhaltenen bronzezeitlichen Grabhügel in Ostwestfalen

Kategorie: Ausgrabungen
20.07.2012 -   LWL / CS

Sie haben ihre Toten weit spektakulärer beigesetzt, als es heute der Fall ist. Die Hügelgräber der frühen und mittleren Bronzezeit (2000 bis 1000 v. Chr.) sind jedenfalls auch nach vielen tausend Jahren noch in der Landschaft sichtbar - insbesondere in Ostwestfalen. In Steinhagen erforschen die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) jetzt ein solches Zeugnis vergangener Kulturen.

Dr. Daniel Bérenger und sein Grabungsteam untersuchen einen der besterhaltenen bronzezeitlichen Grabhügel in Ostwestfalen und erhoffen sich wertvolle Erkenntnisse für die archäologische Forschung. (Foto: LWL/Burgemeister)

Dr. Daniel Bérenger und sein Grabungsteam untersuchen einen der besterhaltenen bronzezeitlichen Grabhügel in Ostwestfalen und erhoffen sich wertvolle Erkenntnisse für die archäologische Forschung. (Foto: LWL/Burgemeister)

Nötig werden die wissenschaftlichen Untersuchungen, weil ein Autobahnzubringer im kommenden Jahr an dieser Stelle gebaut werden soll. Im Vorfeld der Baumaßnahme sichern die LWL-Archäologen das Bodendenkmal für die Zukunft, bevor die Bagger und Planierraupen anrücken. "Wir können zwar jetzt noch nicht sagen, was wir genau vorfinden werden", beschreibt Dr. Daniel Bérenger als Leiter der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen die Erwartungen zu Beginn der Ausgrabungen. "In ähnlichen Hügelgräbern auch unweit von dieser Stelle wurden jedoch bereits wertvolle Funde gemacht, die wichtige Erkenntnisse über die Grabhügel der frühen und mittleren Bronzezeit geliefert haben", betont er.

Der Grabhügel ist zu Beginn der Ausgrabungen in einem guten Zustand. "Wir haben bislang erst an einigen Stellen mit den Untersuchungen begonnen, detaillierte Aussagen können wir deshalb noch nicht machen", beschreibt Grabungstechnikerin Tatjana Meglin den aktuellen Stand der Dinge. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Grabhügel, der für den Laien auf den ersten Blick einer Düne zum Verwechseln ähnlich sieht, ein ebenso spannendes Innenleben offenbart wie seine Nachbarn.

Dort fanden bereits in den 30er- und 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts archäologische Untersuchungen statt. Schließlich findet sich an der Grenze zwischen Steinhagen-Amshausen und Halle-Künsebeck eine ganze Gruppe von Hügelgräbern, von denen damals noch 13 Gräber zu sehen waren. Einige davon haben einen stattlichen Durchmesser von 15 bis 20 Metern. Ein fast zerstörter Grabhügel überdeckte noch die Spuren eines Kreisgrabens und eines Ringes aus liegenden Holzschwellen sowie drei Grabschächte. Zwei von diesen Schächten enthielten Holzreste eines Deckels oder eines Baumsarges und Leichenbrand, während der dritte eine unverbrannte Leiche aufgenommen hatte.
Es fanden sich allerdings nur wenige Grabbeigaben. In weiteren Grabhügeln, die am Südfuß des Teutoburger Waldes immer wieder vorkamen und heute zumeist zerstört sind, konnten Nachbestattungen aus der frühen Eisenzeit (800 bis 500 v. Chr.) nachgewiesen werden.

Die LWL-Archäologie für Westfalen erforscht voraussichtlich noch bis Ende August das Hügelgrab in unmittelbarer Nähe zur Autobahn.