30.09.2016 - 05:23:27

Von A bis Z

Alphabetisches Register
Für den schnellen Überblick: Das Schlagwortverzeichnis der Artikel und Rezensionen (nur für Clubmitglieder)
Nachrichten > Funde & Befunde

Ehrenamtlicher Sondengänger findet über 2.000 Silbermünzen aus dem Mittelalter

Kategorie: Funde & Befunde
22.01.2016 -   BLDAM / AB

»Einer der größten jemals in Brandenburg entdeckten Schatzfunde«

Im Oktober 2015 entdeckte ein ehrenamtlicher Beauftrager des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege bei Lebus einen der größten Silberschatzfunde die jemals in Brandenburg geborgen wurden: Fast 2.200 Silbermünzen des 11. und 12. Jahrhunderts lagen in einem Tongefäß im Boden verborgen. Ende Januar wird der außergewöhnliche Fund erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Silberschatzfund aus dem brandenburgischen Lebus besteht aus fast 2.200 Silbermünzen, die in einem Tongefäß im Boden verborgen waren. Foto: Frank Slawinski / BLDAM

Der Silberschatzfund aus dem brandenburgischen Lebus besteht aus fast 2.200 Silbermünzen, die in einem Tongefäß im Boden verborgen waren. Foto: Frank Slawinski / BLDAM

Gelochter Randpfennig. Foto: Ottilie Blum / BLDAM

Gelochter Randpfennig. Foto: Ottilie Blum / BLDAM

Otto-Adelheid-Pfennig.  Foto: Ottilie Blum / BLDAM

Otto-Adelheid-Pfennig. Foto: Ottilie Blum / BLDAM

Agrippiner.  Foto: Ottilie Blum / BLDAM

Agrippiner. Foto: Ottilie Blum / BLDAM

Frank Slawinski, lizensierter Sondengänger, hatte auf einem sonntäglichen Kontrollgang zunächst zahlreiche einzelne Münzen gefunden, bis er auf eine starke Konzentration stieß. Beim vorsichtigen Nachgraben wurde ihm klar, was er hier gefunden hatte und er verständigte sofort das Landesamt für Denkmalpflege. Wegen frischer Spuren illegaler Raubgräber in der Nähe bekam er den Auftrag zur sofortigen Bergung. Bei der amtlichen Nachgrabung zur genauen Dokumentation - eine Woche später - konnten noch der Topf selber und über 100 weitere Münzen sichergestellt sowie die genaue Lage dokumentiert werden.

Der Schatz selber besteht zu über 90 % aus so genannten Rand- oder Hochrandpfennigen, die vor 1.000 Jahren im westslawischen Raum in Umlauf waren. Diese nach ihrem hohen, überstehenden Rand so bezeichneten Silbermünzen treten erstmals wohl um 965 wahrscheinlich in Magdeburg auf und wurden dann bis etwa 1120 in verschiedenen Münzstätten vor allem des Magdeburger Raumes, der Saaleregion und des Raumes Meißen-Oberlausitz geprägt. Wahrscheinlich sollte der Rand das Zerteilen der Münzen erschweren. Die Fragmentierung von Münzen, Silberschmuck und Silberbarren durch Zerhacken war bis weit in das 11. Jahrhundert gängige Praxis bei den Westslawen. Mit diesem »Hacksilber« bezahlte man Waren und Güter nicht mit einer bestimmten Menge von Münzen oder mit Münz- Nennwerten, sondern mit einer bestimmten Menge Silber. Die für einen Verkauf vereinbarte Menge Hacksilber wogen die Händler auf kleinen Balkenwaagen ab.

Der Münzfund enthält neben den Hochrandpfennigen, die auch als »Wendenpfennige« bezeichnet werden, wenige andere Münztypen, wie etwa »Otto-Adelheid-Pfennige« Ottos des Großen (noch ins 10. Jahrhundert gehörend) sowie »Niederelbische Agrippiner«, die im sächsischen Raum nach dem erfolgreichen Vorbild der Kölner Münzen geprägt wurden.

Von Interesse für die Feststellung des ungefähren Verbergungszeitraumes des Schatzes ist ein Fahnenlanzenpfennig vom Typ Meißen-Oberlausitz, der zwischen 1040 und 1050 wohl in Meissen entstanden ist. Münztypen, die über 1060 hinausreichen, fanden sich bislang nicht, so dass man vorläufig von einem Verbergungszeitpunkt um 1050 +/- 10 Jahre ausgehen kann.

Der Fund repräsentiert nicht nur einen erheblichen materiellen Wert – sowohl heute als auch vor 1000 Jahren – sondern er erlaubt einen exemplarischen Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse im Lebuser Land an der Oder in der späten Slawenzeit. Offenbar war es in der Nähe der Lebuser Burg, auf der polnische Fürsten residierten, möglich, erhebliche Werte anzusammeln. Nicht zuletzt ist dafür dieser herrschaftliche Sitz mit seinen weit reichenden Beziehungen an einem strategisch wichtigen Oder-Übergang von entscheidender Bedeutung.

Aufgrund seiner Größe und des überwiegend guten Erhaltungszustandes der Münzen ist zu erwarten, dass die detaillierte Bestimmung der Fundmünzen neue Erkenntnisse zum Münzumlauf des 11. Jahrhunderts in der Oderregion liefern wird. Vielleicht kann er auch einen Beitrag zur Geschichte der noch immer recht rätselhaften Hochrandpfennige leisten.

Kommentare

Xaver , 24.01.2016 12:40
Hoffentlich hat der ehrliche Sucher eine
Anerkennung erhalten.
Übermittlung Ihrer Stimme...
Bewertungen: 5.0 von 5. 2 Stimme(n).
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
Timo , 26.01.2016 04:40
Finderlohn gibt es keinen, weil das Land Brandenburg jeglichen Bodenfund automatisch mit Beschlag belegt.
Da kann man sich an einer Hand abzählen, wie viele vergleichbare Funde aufgrund dieser Borniertheit erst gar nicht gemeldet werden.....
Übermittlung Ihrer Stimme...
Bewertungen: 5.0 von 5. 1 Stimme(n).
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
Sixpack , 02.02.2016 17:20
Glückwunsch dem Finder.

@Timo
Wenn ich als Ehrenamtlicher unterwegs bin, weis ich ja schon vorher auf was ich mich einlasse.
Entweder ich richte mich danach oder ich werde kein Ehrenamtlicher.
Jedem selbst überlassen!
Übermittlung Ihrer Stimme...
Bewertungen: 5.0 von 5. 1 Stimme(n).
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
Timo , 05.02.2016 21:55
@Sixpack: Wenns nur um Ehrenamtliche gehen würde, dann träfe dies zu.
Für den großen Rest gilt allerdings: Kein Finderlohn, weniger Fundmeldungen.
Übermittlung Ihrer Stimme...
Bewertungen: 3.0 von 5. 1 Stimme(n).
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
Eve Eulitz-Goeke, 18.02.2016 14:34
Erstmal, allerherzlichsten Glückwunsch!!!

Ich finde es sehr schade, dass der ehrenamtliche Helfer kaum bis gar nicht erwähnt wird,
schließlich hat er diesen Schatz gefunden, gemeldet und so ermöglicht, dass dieser für alle
sichtbar wird.
Da ich hoffnungslos naiv bin, gehe ich davon aus, dass er in jedem Fall eine Art Belohnung bekommt.
Soweit mir bekannt ist, kann er sich doch zumindest die Erstrechte an den Fotos sichern.
Als Ehrenamtlicher weiß man ja auch, wie es läuft.
Übermittlung Ihrer Stimme...
Bewertungen: 5.0 von 5. 1 Stimme(n).
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
Kommentar hinzufügen
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.

* - Pflichtfeld