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Die ältesten Holzbauwerke der Welt sind datiert

Kategorie: Forschung
21.12.2012 -   Uni Freiburg / CS

Ein Forschungsteam um Willy Tegel und Dr. Dietrich Hakelberg vom Institut für Waldwachstum der Universität Freiburg hat das Alter von vier Brunnen der frühesten mitteleuropäischen Ackerbaukultur mithilfe der Dendrochronologie oder Jahrringdatierung genau bestimmt.

Der 7000 Jahre alte Brunnen von Altscherbitz bei Leipzig während der Ausgrabung. (Quelle: Sächsisches Landesamt für Archäologie, Dresden)

Der 7000 Jahre alte Brunnen von Altscherbitz bei Leipzig während der Ausgrabung. (Quelle: Sächsisches Landesamt für Archäologie, Dresden)

Keramikfunde in der Brunnenverfüllung (Quelle: Sächsisches Landesamt für Archäologie, Dresden)

Keramikfunde in der Brunnenverfüllung (Quelle: Sächsisches Landesamt für Archäologie, Dresden)

Laserscanaufnahme des Basisrahmens mit Eckverbindungen in Form eines Zapfenschlosses (Quelle: Sächsisches Landesamt für Archäologie, Dresden)

Laserscanaufnahme des Basisrahmens mit Eckverbindungen in Form eines Zapfenschlosses (Quelle: Sächsisches Landesamt für Archäologie, Dresden)

Die Brunnen wurden in Siedlungen im Großraum Leipzig ausgegraben und sind die bislang ältesten bekannten Holzbauwerke der Welt. Sie stammen aus der Linearbandkeramik, der Zeit etwa von 5600 bis 4900 vor Christus. Die Forschungsergebnisse, die in der internationalen Fachzeitschrift "PLoS ONE" veröffentlicht wurden, liefern neue Erkenntnisse zur prähistorischen Technikgeschichte. An der Arbeit waren Experten der Archäologie und Dendrochronologie vom Freiburger Institut für Waldwachstum, vom Sächsischen Landesamt für Archäologie in Dresden und von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf/Schweiz beteiligt.

Die vier jungsteinzeitlichen Brunnen waren von ihren Erbauern aus Eichenholz angefertigt worden. Neben den Bauhölzern haben zahlreiche andere organische Überreste, etwa Pflanzenreste, Holzgeräte, Rindengefäße und Bastschnüre, sowie viele reich verzierte Keramikgefäße im Grundwasser unter Luftabschluss die Jahrtausende überdauert. Die Methode der Dendrochronologie erlaubte es den Wissenschaftlern, jahrgenau zu bestimmen, wann die Bäume gefällt worden waren. Damit konnten sie die Bauzeit der Brunnen eingrenzen. Demnach fällten jungsteinzeitliche Ackerbauern zwischen 5206 und 5098 vor Christus mit Steinbeilen mächtige, alte Eichen. Sie spalteten die Stämme zu Bohlen, um diese mit komplexen Eckverbindungen zu kastenförmigen Schächten zusammenzufügen. Mit moderner Laserscantechnik erfassten die Wissenschaftler die Bauhölzer und Bearbeitungsspuren und dokumentierten die hoch entwickelten Fähigkeiten der Siedlerinnen und Siedler. Die sehr gut erhaltenen Bearbeitungsspuren und Holzverbindungen zeugen von einer unerwartet anspruchsvollen Holzbautechnik.

In Mitteleuropa setzte sich im 6. Jahrtausend vor Christus die Sesshaftigkeit mit Ackerbau und Viehzucht gegenüber einer Lebensweise als Jäger und Sammler durch. Dieser Umbruch in der Geschichte der Menschheit wird als „neolithische Revolution" bezeichnet. Um sesshaft zu werden, brauchte der Mensch feste Behausungen. Häuser jedoch sind ohne entwickelte Holztechnik nicht denkbar – die ersten Ackerbauern waren die ersten Zimmerleute. Die einzigen Überreste ihrer Häuser, die bislang ausgegraben wurden, sind allerdings Bodenverfärbungen. Mit den dendrochronologisch präzise datierten Brunnen lässt sich nun erstmals die Bedeutung von Holzbauten für die Sesshaftwerdung des Menschen genauer untersuchen.

Publikation

Tegel W, Elburg R, Hakelberg D, Stäuble H, Büntgen U (2012) Early Neolithic Water Wells Reveal the World's Oldest Wood Architecture. PLoS ONE 7(12): e51374. doi:10.1371/journal.pone.0051374

Kommentare

Sepp Albrecht, 05.01.2013 16:56
Neolithsche Brunnen bestätigen einmal mehr, dass die neolithischen Zimmerleute einen hohen Grad an handwerklichen Fertigkeien erreicht haben. Dies widerum gibt vielerlei Anlass zu neuen Spekulationen. So dass die Zimmerleute einen Plan gehabt, oder ein Maßsystem gekannt haben, oder es müssen Spezialisten gewesen sein, die diese arbeiten ausgeführt haben. (Siehe unter H.Luley,1992,S. 92, Hausbau im Mittelneolithikum, Universitätsforschungen, Habbelt Verlag), wobei nie erklärt wurde, wo die Spezialisten ihre Kenntnisse erworben haben. Die neolithische Zimmereitechnik hat eine lange Tradition, die bis zu deren frühesten Bauwerken zurückverfolgt werden kann (Catal Hüyük , Hacilar, Westürkei bandkeramischer Hausbau von Südosteuropa ausgehend). Womit davon auszugehen ist, dass diese zimmereitechnischen Fertigkeiten im Brunnenbau, einmal aus der Notwendigkeit entstand eine gesicherte Wasserversorgung herzustellen, sowie aus den erworbenen auf Tradition beruhenden zimmereitechnischen Fertigkeiten aus dem Hausbau abzuleiten ist. Richtig ist deshalb, dass der Hausbau unter neueren Aspekten betrachtet werden muss, aber nicht aufgrund der vorhandenen Technik die aus dem Brunnenbau abzuleiten ist, sondern umgekehrt, die Technik im Brunnenbau hat ihren Ursprung im Hausbau . Zur Maßfindung sei gesagt, dass zur Festlegung einer bestimmten Länge bzw. zu einem gleichen
Abstand, keine wie auch immer zu benennende Maßeinheit bekannt gewesen sein muss, sondern es genügt einen Stock als Vergleichsmaß auf eine frei bestimmte Länge zu bringen. (Kastenmaß, beim Brunnen bzw. Höhenlage und Abstandsmaß der Pfetten beim Hausbau, Siehe auch unter Steinzeitwissen.de Hausbau im Neolithikum)
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