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Das Umfeld des Herforder Damenstifts wird erforscht

Kategorie: Ausgrabungen
30.10.2015 -   LWL / CS

Die bisher ältesten entdeckten Siedlungsbereiche der Stadt Herford hatten die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) jetzt an der Clarenstraße vor Augen. Bis in das 9. Jahrhundert reichen die Spuren der Gebäude zurück, die das Team der LWL-Archäologie für Westfalen untersuchte. Damit werden die Forschungen zum Siedlungsumfeld des um 800 gegründeten Herforder Damenstiftes deutlich bereichert.

Keller eines Wohnhauses des 16. Jahrhunderts an der Clarenstraße. Die schmalen Kellermauern bildeten das Fundament eines Fachwerkhauses. (Foto: LWL/Spiong)

Keller eines Wohnhauses des 16. Jahrhunderts an der Clarenstraße. Die schmalen Kellermauern bildeten das Fundament eines Fachwerkhauses. (Foto: LWL/Spiong)

Bereits im Frühjahr waren die Archäologen nahe der jetzigen Ausgrabungsstelle den Ursprüngen der Stadt auf der Spur. Im Rahmen einer zweiwöchigen Untersuchung traten jetzt in dem unmittelbar angrenzenden Areal Spuren eines zweiten Hofes aus dem 9. Jahrhundert zu Tage. Darunter ein etwa ein Meter tief in den Boden eingegrabenes Nebengebäude, das vermutlich bereits vor über 1100 Jahren aufgegeben und verfüllt wurde. Das Webgewicht eines stehenden Webstuhles deutet auf die Nutzung dieses Grubenhauses für die Textilverarbeitung hin: Wahrscheinlich haben die Bewohner hier ihre Kleidung selbst gewebt.

Die Archäologen konnten im Boden noch mehr ablesen. Nachdem dieser Siedlungsbereich in die mittelalterliche Stadt einbezogen worden war, bewohnten die Menschen auch die neuen Grundstücke an der Clarenstraße mit beeindruckender Kontinuität. In der Erde konnten die Forscher beispielsweise Siedlungen aus dem Spätmittelalter dokumentieren. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert reihten sich die Häuser mit der Traufseite zur Straße, getrennt durch schmale Erschließungsgassen, die in die Gärten auf der straßenabgewandten Seite führten.

Die Ausgräber legten den gut erhaltenen Teil eines Kellers frei, der wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert stammt. Gut sichtbar waren der noch sorgfältig gepflasterte Fußboden, ein Lichtschacht und der Kellerzugang. Als Schwelle verwendeten die Erbauer einfach eine ehemalige Türlaibung in neuer Funktion.

Grabungsleiterin Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe ist mit den Ergebnissen der Untersuchungen sehr zufrieden: "Im Abriss-Schutt des im 18. Jahrhundert aufgegebenen Wohnhauses haben wir Funde geborgen, die auf einen gewissen Wohnkomfort hinwiesen." So sorgte ein Ofen aus glasierten Tonkacheln für behagliche Wärme, und Fenster mit bemalten Glasscheiben erhellten die Stube.