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Brandgräber unter Baggerschaufel

Kategorie: Ausgrabungen
19.06.2015 -   LWL / AB

Beim Kiesabbau in der Nähe des Römerlagers Anreppen bei Delbrück-Bentfeld (Kreis Paderborn) wurden überraschend Überreste von Bestattungen zutage gefördert, die nun die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) beschäftigen. In den Gräbern wurden vor gut 2.000 Jahren die Aschereste von Toten bestattet. Damals war es Brauch, die Verstorbenen auf Scheiterhaufen zu verbrennen und die Asche anschließend in Gräbern beizusetzen. Gleich mehrere dieser Begräbnisstellen kamen unter der Baggerschaufel bei aktuellen Kiesabgrabungen zum Vorschein.

Die weißen Fähnchen markieren die Stellen, an denen Keramik, Knochen und Holzkohle im hart getrockneten Lehmboden erkennbar waren. Foto: LWL/Hallenkamp-Lumpe

Die weißen Fähnchen markieren die Stellen, an denen Keramik, Knochen und Holzkohle im hart getrockneten Lehmboden erkennbar waren. Foto: LWL/Hallenkamp-Lumpe

Die Überreste der Brandgräber waren nur sehr spärlich erhalten. Hier sieht man noch eine leicht verziegelte Lehmfläche. Sie entstand, als man die heiße Asche des Scheiterhaufens in die Grube füllte. Foto: LWL/Meglin

Die Überreste der Brandgräber waren nur sehr spärlich erhalten. Hier sieht man noch eine leicht verziegelte Lehmfläche. Sie entstand, als man die heiße Asche des Scheiterhaufens in die Grube füllte. Foto: LWL/Meglin

Oft waren die Keramikscherben kaum noch vom Lehmboden zu unterscheiden. Foto: LWL/Hallenkamp-Lumpe

Oft waren die Keramikscherben kaum noch vom Lehmboden zu unterscheiden. Foto: LWL/Hallenkamp-Lumpe

Zum Glück gab es einen aufmerksamen Beobachter. Horst Brand aus Paderborn sah sofort, dass hier archäologisch wertvolle Spuren der Vergangenheit ans Tageslicht kamen. Er verständigte die Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen. Die Fachleute fanden zunächst nur ein Brandgrab. Eine eingehende Begutachtung zeigte dann, dass sich auf Teilen der Fläche weitere Spuren von Brandgräbern befanden. Sie sind an Holzkohlekonzentrationen, kleinsten Resten von verbrannten Knochen, gerötetem Lehmboden und Keramikscherben zu erkennen.

Die Scherben gehören zu groben Nutzgefäßen, wie sie von der einheimischen Bevölkerung hergestellt wurden. Ihre Form und Verzierung geben den Archäologen Anhaltspunkte für das Alter der Gräber. Demnach sind sie vermutlich um Christi Geburt angelegt worden. Die Gräber gehören damit in die späte vorrömische Eisenzeit oder in die frühe römische Kaiserzeit.: »Diese Datierung lenkt die erhöhte Aufmerksamkeit auf die Fundstelle, weil sich unweit davon das 5 n. Chr. erbaute Römerlager Anreppen befindet«, erläutert LWL-Archäologe Dr. Sven Spiong. Zudem wurden wiederum in der Nähe vor einigen Jahren Überreste einer Römerstraße entdeckt.

Ob Einheimische, die im Umfeld des Römerlagers Anreppen lebten, diese Gräberfelder anlegten, oder ob die Toten hier einige Jahrzehnte vor oder nach dem Bestehen des Lagers bestattet wurden, ist noch unklar. »Wir müssen erst die Auswertung des Fundmaterials sowie naturwissenschaftliche Analysen an den geborgenen Knochen und Holzkohleresten abwarten«, so LWL-Archäologin Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe. Die Experten erhoffen sich von nachfolgenden baubegleitenden Untersuchungen zusätzliche Erkenntnisse und Funde, die dabei helfen, ein genaueres Bild von der Ausdehnung des ehemaligen Friedhofs und vom Leben der damaligen Menschen zu erhalten.

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