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Ausgrabung einer eisenzeitlichen Siedlung in Meschede

Kategorie: Ausgrabungen
27.11.2015 -   LWL / CS

Bislang gab es nur vereinzelte Hinweise, dass auf der Fläche eines Gewerbegebietes in Meschede-Enste in den Jahrhunderten vor Christi Geburt die älteste bisher bekannte bäuerliche Siedlung der Region existiert hat. Jetzt konnten Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) erstmals eine Hofstelle dokumentieren.

So sehen die Überreste von Speichergruben aus, in denen die Bewohner der Eisenzeit ihre Vorräte gelagert haben (Foto: LWL/Archaeonet)

So sehen die Überreste von Speichergruben aus, in denen die Bewohner der Eisenzeit ihre Vorräte gelagert haben (Foto: LWL/Archaeonet)

Die Archäologen bei der Arbeit in einem Abschnitt der Ausgrabung, der im Vordergrund von einem neuzeitlichen Graben durchzogen wird (Foto: LWL/Baales)

Die Archäologen bei der Arbeit in einem Abschnitt der Ausgrabung, der im Vordergrund von einem neuzeitlichen Graben durchzogen wird (Foto: LWL/Baales)

Möglich gemacht hat dies die Erweiterung des Gewerbegebietes. Auf einer Fläche von rund einem Hektar haben in den vergangenen Wochen Archäologen einer Fachfirma aus Bonn unter der Aufsicht der Wissenschaftler aus der Olper Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen die Spuren der ersten Bauern dokumentiert, die sich hier in der Vorrömischen Eisenzeit angesiedelt haben.

Aus den letzten Jahrhunderten vor Christi Geburt stammen die Reste von Pfosten, die dabei ans Tageslicht kamen. Sie sind die wenigen Reste von Gebäuden, die an dieser Stelle standen. Zwei größere und eine kleinere Ansammlung dieser Pfostengruben deuten auf mehrere Häuser und damit auf eine Hofstelle hin. Ein kleines rechteckiges Gebäude kann schon jetzt, kurz nach Abschluss der Untersuchungen, rekonstruiert werden.
Hinweise auf das Alltagsleben der Menschen, ihre Wirtschaftsweisen und Kontakte zu anderen Regionen erhoffen sich die Archäologen aus weiteren Spuren, die im Boden erhalten geblieben sind. Darunter sind Gruben für die Entsorgung des Abfalls und für die Entnahme von Lehm zum Bau der Häuser. In den Gruben wurde auch Keramik entsorgt, deren Datierung in die Vorrömische Eisenzeit weist. Einige Funde, darunter auch eine zylindrische Glasperle, könnten aber auch auf eine jüngere Siedlungsphase kurz nach der Zeitenwende verweisen. Für eine genauere Aussage sind aber noch eingehendere Untersuchungen erforderlich, die sich an die Ausgrabungen anschließen werden.

Für den LWL-Archäologen Prof. Michael Baales, haben sich die vielen Hinweise auf die schon länger an den Ruhrhängen vermuteten bäuerlichen Siedlungsstrukturen damit bestätigt. "Dies ist der erste Nachweis einer derartig frühen bäuerlichen Ansiedlung für die gesamte Region", betont er. "Bisher konnten wir vor allem in der nördlich gelegenen Hellwegzone mit ihren guten Ackerböden derartige Höfe untersuchen, deshalb sind die Erkenntnisse, die wir hier in Meschede gewinnen konnten, eine wichtige Ergänzung", freut er sich über die bisherigen Ausgrabungsergebnisse.

Freiwillige Helfer haben die Arbeiten unterstützt. So war der pensionierte Mescheder Schulleiter Reinhard Köhne als Ur- und Frühgeschichtler immer wieder auf den Spuren der Geschichte unterwegs und sammelte über viele Jahre Funde an der Oberfläche. Archäologische Hinweise aus der Vorrömischen Eisenzeit waren bereits vor über einem Jahrzehnt in Gruben zum Vorschein gekommen, die beim Bau des Gewerbegebietes entdeckt wurden. Als die Pläne für die Erweiterung der Fläche östlich des Enstehofes bekannt wurden, konnten Oberflächenprospektionen und weitere Funde die Existenz eines Bodendenkmals wahrscheinlich machen. Daher beauftragte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Hochsauerlandkreis im vergangenen Jahr eine archäologische Fachfirma aus Köln mit Voruntersuchungen. Hierbei wurden die ersten Gruben mit Keramikscherben freigelegt. Damit war klar, dass entsprechend dem Denkmalschutzgesetz NRW vor einer Entwicklung der Fläche eine größere archäologische Grabung notwendig wurde, weil hier ein Bodendenkmal vorliegt.

Baales erhofft sich noch mehr archäologische Erkenntnisse über diese nun erstmals dokumentierte Siedlungsphase der Vorrömischen Eisenzeit in der Region. "Das Ergebnis zeigt, dass an den flachen Hängen des Ruhrtales mit weiteren Hofstellen dieser Art zu rechnen ist und wir bisher erst einen kleinen Einblick in diese Siedlungslandschaft gewinnen konnten." Denn das Gelände war damals optimal für eine Ansiedlung - und ist es heute immer noch.

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