- 1: Magazin.
- 1.1: Thema.
- 1.2: Fundpunkt.
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Von A bis Z

Antikenhehlerei darf sich nicht lohnen
13.07.2012 - RGZM / CS
Das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) setzt sich seit Jahren für eine wirksame Bekämpfung des illegalen Handels mit archäologischem Kulturgut zweifelhafter Herkunft ein. Die Ausstellung "Kriminalarchäologie", die sich mit diesem Problem befasst, ist im Terminal 2 des Münchener Flughafens noch bis 12. August 2012 zu sehen.
Archäologen und Kriminalisten nutzen nicht nur ähnliche Methoden um Ereignisse der Vergangenheit aus erhaltenen Spuren zu rekonstruieren. Sie arbeiten auch eng zusammen, wenn es darum geht, zum Schutz der archäologischen Stätten, Raubgräbern und Antikenhehlern das Handwerk zu legen. Anhand spektakulärer Kriminalfälle der jüngsten Vergangenheit gewährt das RGZM Einblick in einen Bereich seiner Aktivitäten, der bereits auf einiges mediales Interesse gestoßen ist. Die Ausstellung war im letzten Jahr schon im Mainzer Hauptbahnhof zu sehen.
Auf mehreren großen Informationswürfeln wird u. a. die spannende Suche nach dem offenbar erst vor wenigen Jahren von Plünderern im Irak entdeckten Grab einer sumerischen Prinzessin aus der Mitte des dritten Jahrtausends v. Chr. thematisiert. Berichtet wird auch von fünf türkischen Bronzegefäßen, die kürzlich die diplomatischen Drähte zwischen Ankara, Berlin, Wiesbaden und Mainz zum glühen brachten.
"Raubgräber und Leute, die mit Kulturgut illegalen Handel treiben tun etwas ganz Schlimmes: Sie stehlen den Menschen, überall auf der Welt, Identität und Geschichte." erklärte Prof. Dr. Egon Johannes Greipl, Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege im Zuge der Ausstellungseröffnung. "Viele Museen sind von dem Thema Raubgrabungen und Handel mit illegal geborgenen archäologischen Funden unmittelbar betroffen und reagieren daher mit absoluter Zurückhaltung", erläuterte Prof. Dr. Rupert Gebhard, Direktor der Archäologischen Staatssammlung in München. "Dies halte ich für falsch. Ich bin der Überzeugung, dass das Problem nicht durch Verschweigen, sondern nur durch Offenlegung gelöst werden kann. Allein eine breit sensibilisierte Öffentlichkeit kann die notwendige Sicherung des globalen und zugleich eigenen Erbes gewährleisten."
Petra Sandles, Polizeivizepräsidentin des Bayerischen Landeskriminalamts, teilte mit, dass auch in Deutschland Raubgrabungen vorgenommen werden. "Nach einer Schätzung des Landesamtes für Denkmalpflege gehen allein in Bayern jedes Jahr 1,2 Millionen archäologischer Objekte durch diese Grabungen verloren. Ausgegraben werden alte Waffen, Münzen und Gefäße. Diese wandern in die privaten Sammlungen der Täter oder werden in Sammlerkreisen angeboten. Damit geht unschätzbares historisches Wissen verloren. Umso mehr freut es mich, dass es uns in den letzten Jahren mehrfach gelungen ist, in vorbildlicher Kooperation mit den Ermittlern des BKA, den Staatsanwaltschaften und den Sachverständigen des Römisch-Germanischen Zentralmuseums historisch wertvolle Kulturgüter an die Ursprungsländer zurückzugeben."
"Durch die Ausstellung »Kriminalarchäologie« erhält die Bevölkerung die eher seltene Gelegenheit, sich in zeitgemäßer Kürze ein Bild über die Auswirkungen der Raubgrabungen und das Vorgehen des illegalen Handels mit dem archäologischen Erbe zu machen. Anschließend in Ruhe darüber nachzudenken, liegt im Interesse der Kriminalprävention", erklärte Eckhard Laufer, Koordinator Kulturgüterschutz der Zentralstelle Kriminal- und Verkehrsprävention des Hessischen Landeskriminalamtes.
Dr. Michael Müller-Karpe, Archäologe am RGZM, Initiator und Spiritus rector der Ausstellung, erläuterte deren Konzeption. Er betonte die Bedeutung, die der Bewahrung des archäologischen Erbes zukommt. "Die im Fundkontext gespeicherten Informationen über Menschen, von denen wir durch die Zeit getrennt sind, werden durch Raubgrabungen zur Versorgung eines nimmersatten Antikenmarktes mit Hehlerware undokumentiert und unwiederbringlich zerstört. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Bodenarchiv, der Quell aus dem sich das kulturelle Gedächtnis der Menschheit speist, geplündert und den kurzsichtigen Gewinninteressen Einzelner geopfert wird!"



Kommentare
Schon heute werden deutsche Sammlungen über ebay Australien u.a. verkauft. Wegen der Kurzsichtigkeit einiger Wichtigtuer.
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Hölscher, T.: Klassische Archäologie. Grundwissen (Theiss: Stuttgart 2002) 11 ff.
Eggert, M. K. H.; Samida, S.: Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie, UTB basics (Francke: Tübingen 2009) 5 ff.
Eggert, M. K. H.: Archäologie: Grundzüge einer historischen Kulturwissenschaft (Francke: Tübingen 2006)
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Dass Funde im Boden verrotten, ist wahr, aber eben nicht überall. Dass Funde im Pflughorizont keinen archäologischen Erkenntniswert und keinen Kontext mehr hätten, ist falsch. Mit Verteilungsanalysen und kombinierter Geophysik sind das immer noch wertvolle Funde. Anstatt viel Geld in künstlich hochgetriebene Preise (und in die Hände z.T. mafiöser Strukturen) zu spülen, sollten wir das Geld einsetzen, um die Forschung voranzutreiben und die viel zu schwache Denkmalpflege zu stärken.
M. Belzer - das viel gerühmte englische Modell taugt leider nichts. Mehr denn je gibt es in England zwar tolle Funde, die die Presse und Finder hochjubeln, die aber in hohem Grade aussagelos sind, da wir bei fast keinem der Schätze erfahren, wo sie niedergelegt worden sind. Und trotz einer koordinierenden Anlaufstelle kommt es sehr oft zu 'Ungereimtheiten'.
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Fakt ist auch, das in den BL, die auf eine Ausbildung und Einbindung der Sondengänger setzen deutlich mehr gemeldet wird (auch mit Schatzregal!) und auch ein besseres Verständniss für die Belange der Bodendenkmalpflege vorhanden ist. Dieses führt langfristig zu einem besseen Schutz unserer Bodendenkmale.
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Was bringt mir das also, wenn ich eine Goldschale in der Vitrine sehe, aber niemand kann mir etwas darüber erzählen, weil ein Raubgräber sämtliche "Spuren der Vergangenheit" bei seiner Plünderung für immer zerstört hat?
Nichts!
Dann kann ich mir die Objekte gleich bei einem Goldschmied ansehen!
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Protecting the Archaeology of England and Wales?
Reply to Austin, Barford, Moshenska, Renfrew and Worrell. Papers from the Institute of Archaeology 20, 2010. http://pia-journal.co.uk/article/view/pia.339/48
Ein paar Höhepunkte:
- "There is genuine concern in parts of the archaeological community, reflected in the Nighthawking Report commissioned by English Heritage (Oxford Archaeology 2009), that there are some cases of deliberate damage to archaeological sites."
- "the statistics would suggest that there is significant underreporting at least in some part of England and Wales."
- "Barford draws attention to a case study that suggests that material from battlefield sites is under-represented on the PAS database, yet is present on online auction sites (Pollard 2009)"
- "If PAS was unconcerned by detectorists illegally selling antiquities, why did they start to monitor internet auctions?"
- "Barford was the only respondent who raised a note of caution about using PAS recorded information ‘for archaeological purposes."
- "Recording portable antiquities is not the same as preventing damage done to archaeological sites by artefact hunting. And knowledge that high value objects can be found in the fields of England and Wales may encourage more people to go and look for them in a less than scientific manner."
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Protecting the Archaeology of England and Wales? . Papers from the Institute of Archaeology 20, 2010. http://pia-journal.co.uk/article/view/pia.333/36
- "And in October 2010 a North American collector was selling ‘Dirty and Semi-Crusty Roman Bronzes from England’ that had been supplied by ‘someone in England who is a member of a metal detecting club’ and was ‘shipping … coins that are fresh from the ground in south-eastern England.’ "
- "At the same time there may be some who will use the reporting system to cover other activities. For example, a silver penny minted in 1042 showing Edward the Confessor was reported to PAS as having been found at Tetbury (Ware 2009). In fact the coin is reported to have been stolen from a display at Malmesbury Abbey. How many other pieces have been provided with misinformation? Are false find-spots provided to keep ‘fruitful’ fields away from investigations by archaeologists or other detectorists? What are the intellectual implications for distribution maps of particular categories of finds?"
- "Keith Miller, Inspector of Ancient Monuments for English Heritage, was quoted: “To say that the problem has gone is absolutely untrue”"
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